tz-Interview über Löwen-Vergangenheit

Pauli-Trainer Meggle: "Es war toll in der 1860-Westkurve"

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Thomas Meggle beim Training mit dem FC St. Pauli (l.) und anno 1999 im Löwen-Trikot.

München - Ein gebürtiger Münchner fordert gleich bei seinem Debüt als Cheftrainer die Löwen heraus. Und ein Ex-Löwe ist Thomas Meggle (39) auch noch.

Viel Diskussionsstoff also vor dem Duell der Kultklubs aus St. Pauli und Giesing. Die tz sprach mit Meggle.

Herr Meggle, seit über einer Woche sind Sie jetzt Cheftrainer des FC St. Pauli. Wie groß ist der Rummel um Sie und für Sie vor dem ersten Spiel am Sonntag gegen den TSV 1860?

Thomas Meggle: Ich versuche erst gar nicht, vom Rummel etwas abzubekommen. Sondern ich schotte mich ab und konzentriere mich ganz auf das Spiel. Und freue mich insgesamt natürlich auf eine spannende Aufgabe.

Ist es für Sie als Ex-Löwe auch gleich ein ganz besonderes Spiel?

Thomas Meggle: Natürlich. Ich habe bei 1860 fünf Jahre in der Jugend verbracht und ein Jahr bei den Profis. Ab Sommer 1999 unter Werner Lorant. Aber ich habe mir damals gleich das Kreuzband gerissen, bin sechs Monate ausgefallen und habe dann versucht, mich über die zweite Mannschaft wieder ranzukämpfen. Aber zu einem Bundesligaeinsatz hat es nicht mehr gereicht.

Sie haben 1860 dann verlassen. Warum?

Thomas Meggle (grinst): Weil ich an Thomas Häßler nicht vorbeigekommen bin. Nein, es war doch so, dass die Löwen damals eine Bombentruppe hatten, die gerade die Qualifikation zur Champions League geschafft hatte. Es gab keine Wahrscheinlichkeit, dass ich da mitspielen könnte.

Waren Sie auch Fan der Löwen?

Thomas Meggle: Als kleines Kind war ich Anhänger des FC Bayern. Aber als ich dann in der Jugend der Löwen anfing, wurde ich ein Blauer. Ich stand in der Westkurve und schaute mir die Bayernliga-Spiele gegen Türk Gücü oder Ampfing an. Und Bayern spielte in dieser Zeit gegen Real. Aber egal. Es war zwar eine harte Zeit für die Löwen, aber irgendwie auch eine tolle.

Sind heute auch noch Sympathien für 1860 vorhanden?

Thomas Meggle: Logisch sind die da. Die Löwen sind ein Teil meiner Vergangenheit, und da schaut man natürlich nach wie vor hin, was dieser Verein macht.

Sowohl St. Pauli als auch der TSV 1860 gelten ja als Kultvereine. Wie fällt Ihr Vergleich aus?

Thomas Meggle: Die beiden Klubs kann man eigentlich nicht miteinander vergleichen. 1860 ist ein Traditionsverein, bei dem es mehr um den Erfolg geht. Bei St. Pauli spielen auch andere Themen eine Rolle. Zum Beispiel politische Anschauungen. 1860 war ja von 1994 bis 2004 ununterbrochen in der Ersten Bundesliga, da bist du eigentlich ein großer Klub. Und man hat ja immer noch große Ambitionen dorthin zurückzukehren. Ich glaube auch, dass die Löwen bald wieder an die Bundesliga anklopfen.

Eins Ihrer größten Erlebnisse war sicherlich der 2:1-Sieg mit St. Pauli damals gegen den FC Bayern, als Sie noch dazu ein Tor erzielt haben, oder?

Thomas Meggle: Ja, aber fast noch emotionaler war unser Aufstieg von der 3. in die 2. Liga. 80 000 Leute hinterher auf der Reeperbahn – unglaublich wie wir damals gefeiert wurden. Und das Spiel gegen Bayern nimmst du erst im Nachgang als tolles Erlebnis wahr.

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Haben Sie eigentlich noch die ganzen Weltpokalsiegerbesieger-Utensilien zu Hause?

Thomas Meggle: Nein. Meine Frau konnte all die T-Shirts irgendwann nicht mehr sehen und hat sie aus der Wohnung verbannt. Ich habe sie woanders zwischengelagert. Meine Frau hat zwar akzeptiert, dass sie in einer braun-weißen Familie lebt, aber sie braucht nicht täglich den optischen Beweis dafür…

Welche Erwartungen haben Sie eigentlich als neuer Trainer an Ihre Mannschaft?

Thomas Meggle: Ich erwarte einfach, dass die Spieler alles raushauen, Vollgas-Fußball zeigen und Leidenschaft, dass sie die Zuschauer mit ins Boot bekommen und dass sie das mit unserer Spielidee verbinden.

Sind Sie eigentlich inzwischen mehr Hamburger als Münchner?

Thomas Meggle: München ist meine Heimat, dort bin ich geboren und dort habe ich 21 Jahre gelebt. Hamburg ist meine zweite Heimat, meine Tochter ist dort geboren und dort habe ich natürlich jetzt mein soziales Umfeld.

Bleibt Zeit für einen Abstecher aufs Oktoberfest?

Thomas Meggle: Dafür ist keine Zeit. Außerdem trinke ich keinen Alhohol, und deshalb möchte ich einem Biertrinker auf der Wiesn auch nicht den Platz wegnehmen.

tz

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