Olympiapark? Riem? Giesing?

Neues Löwenstadion: Diese Standorte kommen in Frage

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Favorisierter Standort der Sechziger: Der Olympiapark. In Frage käme wohl nur das Sommer-Tollwood-Areal (mitte-links).

München - Ein Löwenkäfig im Olympiapark? 1860-Investor Hasan Ismaik will offenbar die Pläne für ein neues Fußballstadion in München forcieren.

Bevor Hasan Ismaik zurück nach Abu Dhabi jettete, ist er noch einmal ausgiebig freundlich geworden. Hatte sich der milliardenschwere Investor des TSV 1860 schon während seines gesamten dreitägigen München-Aufenthalts in – für seine Verhältnisse – mehr als unüblicher Hochstimmung präsentiert, so richtete er sich nun auch noch mit warmen Worten ausdrücklich an den hiesigen Oberbürgermeister: „Vielen Dank an Dieter Reiter für das sehr offene und konstruktive Gespräch“, ließ er über eine offizielle 1860- Pressemitteilung verlauten.

Eine Dreiviertelstunde lang hatte sich Ismaik mit Münchens höchstem Amtsträger im Rathaus unter vier Augen unterhalten. Das einzige Thema: Der Neubau eines Fußballstadions, des von Vereinsführung und Fans schon seit Jahren herbeigesehnten sogenannten Löwenkäfigs. Ismaiks offenkundige Kernbotschaft: Er ist stark an der Errichtung solch einer neuen sportlichen Heimstätte für den TSV 1860 interessiert und will die Planungen forcieren. „Unser Ziel ist es, so schnell wie möglich eine Lösung in der Stadionfrage zu finden, die sowohl den Bedürfnissen der Löwen als auch der Münchner gerecht wird“, so der Jordanier.

Ismaik hat Standort im Stadtbereich ins Auge gefasst

Offensichtlich hat Ismaik einen Standort im Stadtbereich ins Auge gefasst. Wobei dem Münchner Merkur Informationen vorliegen, wonach der Geschäftsmann und die Löwen-Führung ein Stadion im Bereich des Münchner Olympiaparks favorisieren. Den Gesamteindruck seiner Unterredung mit Reiter fasste Ismaik so zusammen: „Wir haben uns über die Stadionfrage und Standortoptionen ausgetauscht. Der Oberbürgermeister hat großes Verständnis für Sechzig und seine Fans.“ Reiter gab die Blumen zurück: „Ismaik will in der Stadionfrage etwas voranbringen. Im Gespräch war er sehr freundlich und aufgeschlossen.“

Das hörte sich – zumindest für die Sechziger – durchaus vielversprechend an. OB Reiter, der gestern mit oberbayerischen Politikern im Reisebus nach Berlin fuhr, kommentierte im Gespräch mit dem Münchner Merkur das Ansinnen der Löwen, die unbedingt der ungeliebten Allianz Arena den Rücken kehren wollen, aber mit Zurückhaltung. Einen Neubau im Olympiapark, „also nur einen Steinwurf vom bestehenden Stadion entfernt“, bezeichnete er als „nicht vermittelbar“. Für die Stadt, sagte Reiter weiter, sei eine Rückkehr ins Olympiastadion die „wirtschaftlichste Lösung“. Allerdings sei auch ihm klar: „Das würde bei den Fans keine Akzeptanz finden.“

Arno Hartung, Geschäftsführer der Olympiapark München GmbH (OMG), ging ebenfalls auf Distanz zu den Löwen-Plänen. Dass anstelle des Eissportstadions ein steiles Fußballstadion gebaut werden könnte, halte er für eine „Schnapsidee“. „Es fehlt an Grundfläche“, erklärte Hartung. Die Löwen hatten gegenüber der OMG offenbar Anfang des Jahres einen entsprechenden Wunsch artikuliert, doch Hartung zweifelt an der Umsetzbarkeit der Pläne: „Das geht nicht so, wie sich die Löwen das auf dem Reißbrett vorstellen.“ Hartung bezeichnete diesen Bereich als die Nabelschnur des Olympiaparks, wo auch alle Zufahrtswege seien. Zudem würden wohl die Anwohner von einem Stadionneubau nicht entzückt sein.

Die einzige Fläche, wo sich der OMG-Chef überhaupt ein neues Fußballstadion vorstellen könnte, wäre das Areal des Sommer-Tollwood. Dieses gehöre allerdings nicht der OMG, sondern der Stadt. Nicht abgeneigt ist Hartung der Option, dass die Löwen zumindest übergangsweise wieder im Olympiastadion spielen. „Ich weiß nicht, weshalb 1860 diese Möglichkeit wie der Teufel das Weihwasser scheut.“

Neue Spielstätte in Giesing? Kann sich Reiter nicht vorstellen

Eine neue Spielstätte kann sich Reiter allerdings auch nicht in Giesing vorstellen. Ein renoviertes Grünwalder Stadion aber schon – für etwa 20 000 Zuschauer. Das sei aber noch „unausgegoren“. Zum Beispiel müsse erst noch mit der Polizei im Detail über Sicherheits- und Verkehrsfragen gesprochen werden.

Der Standort Riem wiederum behagt den Löwen nicht. Die Gründe: Zu weit weg von der Stadt, unschönes, wenig stimmungsvolles Umfeld. Ismaik, wie gesagt, kann sich ohnehin nur für eine Lösung im zentraleren Stadtgebiet begeistern.

Nach einer baldigen Übereinkunft zwischen 1860 und der Stadt München hörte sich das alles zwar nicht unbedingt an. Reiter ließ dennoch gewisse Bereitschaft erkennen: Die nächsten Schritte müssten jetzt die Löwen tun. „Wir brauchen einen Standort und ein Finanzierungskonzept“, so der OB: „Wenn das Hand und Fuß hat, kann die Stadt sich ernsthaft damit beschäftigen.“

Gut möglich, dass es in absehbarer Zeit zur nächsten Elefantenrunde kommt. Bei der ersten Zusammenkunft von Reiter und Ismaik, so teilte der Verein in Diplomatendeutsch mit, sei vereinbart worden, „dass man sich zeitnah zu weiteren Gesprächen trifft, um erarbeitete Ergebnisse im Hinblick auf eine Lösung abzustimmen“. Die naheliegende Interpretation dieser Erklärung: Es gibt erste Resultate, und womöglich ist auch eine Lösung in Sicht. Die wichtigste Voraussetzung ist allerdings: Ismaiks gute Laune müsste dauerhaft sein.

Armin Gibis, Felix Müller und Klaus Vick

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