Effenberg vs. Möhlmann

Wenn zwei Welten aufeinander prallen

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Stefan Effenberg (l.) und Benno Möhlmann.

München - Wenn Stefan Effenbergs SC Paderborn die Löwen von Benno Möhlmanns empfängt, dann prallen zwei Welten aufeinander - Lautsprecher gegen Leisetreter.

Der eine zelebriert seine lauten, bisweilen schrillen Auftritte; der andere ist ein bekennender Leisetreter. Der eine hat 35 Mal für Deutschland gespielt, viele Eskapaden hinter sich und einen Jaguar in der Garage – der andere gilt als bodenständiger Trainer, der im unaufgeregten Bremen wohnt und neuerdings Car-Sharing macht, wenn er in seiner Münchner Wahlheimat landet. „Ich weiß nicht, ob das ein ganz anderer Typ ist“, pariert 1860-Coach Möhlmann eine diesbezügliche Nachfrage mit dem ihm eigenen Humor: „Er ist ja auch verheiratet, er hat auch jahrelang Fußball gespielt.“ Möhlmann, 61, sagt, er kenne Effenberg, 47, nicht näher, wisse folglich auch nicht, „ob ich ihn mag oder nicht mag“. Aber, fügt er hinzu: „Ich schätze absolut seine fußballerische Karriere.“

Plötzlich sind die beiden Ex-Profis Trainerkollegen

Möhlmann, der Bundesliga-Dino (Karriereende mit 35), kann sich gleichwohl nicht erinnern, ob er dem Frühstarter Effenberg (Profidebüt mit 18) mal in einem Pflichtspiel begegnet ist. „Ich bin sehr schlecht in solchen Dingen“, entschuldigt er sich: „Ich weiß nur, dass ich gegen Lothar Matthäus öfter gespielt hab – Mann gegen Mann sogar.“ Beide siedelt Möhlmann offenbar in der gleichen Liga an, doch der eine lebt vom Expertentum – der andere hat sich jetzt getraut, selber Verantwortung zu übernehmen. Möhlmann hat das offenbar kommen sehen. „Ich hatte in den letzten Jahren den Eindruck gewonnen, dass er schon ernsthaft am Trainerberuf interessiert ist“, sagt er: „Das hörte sich sehr solide an, was er dazu gesagt hat. Ich hatte schon auch damit gerechnet, dass er von den namhaften Ehemaligen als Erster diesen Weg einschlagen wird.“

Plötzlich sind die beiden Ex-Profis Trainerkollegen – eine weitere Gemeinsamkeit neben der norddeutschen Herkunft (Effenberg ist ja gebürtiger Hamburger). Sportlich ist es allerdings so, dass beide für Vereine tägig sind, die eher zu dem jeweils anderen passen würden. Der SC Paderborn: Inbegriff der Fußballprovinz. Ein Verein ohne nennenswerte Historie. Hier hat Effenberg seit dem 13. Oktober das Sagen. Möhlmann hatte sich bereits sieben Tagen vorher dem TSV 1860 angeschlossen. Großer Name, bewegte Vergangenheit. Meister, Pokalsieger, Europacupfinalist in den 60ern. Inzwischen aber eher bekannt für Chaos und Skandale.

Konträr verlaufen auch die Leistungskurven der neuen Trainerkollegen. Effenberg: Holte zuerst zwei Siege, dann zwei Unentschieden, zuletzt gab es ein 1:4 in Freiburg. Dazu kam im DFB-Pokal das 1:7 in Dortmund. Möhlmann dagegen: Erst zwei Niederlagen, zuletzt Sieg, Unentschieden, Sieg; dazwischen noch der Pokalsieg in Mainz (2:1). „Ich denke, wenn man den Saisonverlauf sieht, dann haben wir eine Phase, die man durchaus als gut bezeichnen kann.“ Ein typischer Möhlmann-Satz. Bloß nichts übertreiben. Und Kollege Effenberg? Hat der fachlich was drauf? „Ich muss ehrlich sagen, dass ich nicht die Zeit hatte, alle Spiele zu verfolgen“, weicht Möhlmann aus: „Ich fühle mich nicht in der Lage, da jetzt schon ein fachmännisches Urteil zu fällen. Das ist auch grundsätzlich zu früh. Ich beurteile auch keinen Spieler nach vier, fünf Spielen. Da muss man schon etwas länger warten.“

Ausgangslage ist reizvoll

Reizvoll ist in jedem Fall die Ausgangslage: Mit einem Sieg könnten die Löwen (13 Punkte) als Tabellen-16. die unmittelbar vor ihnen liegenden Paderborner (15) überholen. „Es ist eine schwere Aufgabe, eine harte Aufgabe“, sagt Möhlmann: „Aber es ist auch eine Aufgabe, der wir uns gewachsen fühlen.“ Dass Marius Wolf (Reizung im Knie) und Maximilian Wittek (Sprunggelenk) ausfallen, tut den Löwen weh. Aber, glaubt Möhlmann: Wenn sich die Spieler an sein Mantra halten – Disziplin! Zweikämpfe! Mutiges Offensivspiel! – ist die Chance da, die Mini-Serie von drei Spielen ohne Niederlage auszubauen. „Überheblichkeit und Selbstzufriedenheit“, lässt der Trainer durchblicken, sind zwei Gegner, die er nach den jüngsten Erfolgen wesentlich mehr fürchtet als das fußballerisch eher hausbackene Paderborn.

Eine echte Kampfansage in Richtung Effenberg ist Möhlmann aber nicht zu entlocken. Dazu ist er viel zu hanseatisch. Und „Effe“, der frühere Bayern-Cheffe? Interviews im Vorfeld gibt er keine. Verwiesen wird auf die Pressekonferenz am Freitag um 13.30 Uhr. Es würde einen wundern, wenn da nicht mindestens ein Satz fiele, der das Zeug dazu hätte, im 450 Kilometer entfernten München als Schlagzeile anzukommen.

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