Ex-Löwen- und Ex-Wacker-Stürm im Interview

Reisinger: „Gegen 1860 in der Relegation? Das wäre eine Hausnummer“

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Stefan Reisinger machte in der Saison 2005/06 in 28 Pflichtspielen ein Tor für die Löwen - im Pokal.

Stefan Reisinger spricht im Interview über den Niedergang seiner Ex-Vereine 1860 und Burghausen, seinen neuen Job in Uerdingen und eine mögliche Relegation gegen die Blauen.

Er kam im Sommer 2005 als einer Top-Torjäger der zweiten Liga aus Burghausen zu 1860 - und konnte in 28 Pflichtspielen nur ein einziges Tor erzielen. Nach einer Saison war das Gastspiel von Stefan Reisinger in München zu Ende. Heute ist er Co-Trainer beim ambitionierten Regionalligisten KFC Uerdingen 05, auf den die Löwen in den möglichen Aufstiegs-Playoffs treffen könnte. Wir trafen den Ex-Löwen- und Ex-Wacker-Stürm zum Interview vor dem Duell seiner beiden ehemaligen Klubs.

Am Samstag steht das Duell Ihrer beiden Ex-Vereine an (wir berichten im Live-Ticker). Sie haben für beide in der 2. Bundesliga gespielt – jetzt treffen die Vereine in der Regionalliga aufeinander. Macht Sie das traurig?

Stefan Reisinger: Ja, schon ein bisschen. Ich kann mich noch gut an die Duelle der Mannschaften in der 2. Liga erinnern – das waren immer tolle Spiele. Sowohl, als ich für Burghausen, als auch für die Löwen gespielt habe. Es ist schade, dass beide Mannschaften jetzt in der Regionalliga sind. Das ist aber nun mal so im Fußball. Das kann man nicht planen.

Haben Sie den Wechsel von Burghausen nach München eigentlich mal bereut? Bei den Löwen hat es mit den Toren nicht mehr gut geklappt.

Reisinger: Im Nachhinein kann man das vielleicht sagen, aber es hat mich von der Persönlichkeit weitergebracht. Für meine Entwicklung war es ein guter Schritt. Ich bin dort hin, da ich sehr heimatverbunden bin – ähnlich wie der Stefan Aigner. Die Löwen sind ein super Verein mit toller Tradition, bei mir in der Familie sind viele Sechzger. Mit den Löwen wollte ich aufsteigen – wie es der Verein auch danach oft wollte. Damals haben wir ja noch oben mitgespielt, leider ist es danach immer mehr bergab gegangen.

„Warum es bei mir bei 1860 nicht klappt, kann man kaum erklären“

Aber warum hat es bei Ihnen in München nicht mit den Toren geklappt?

Reisinger: In den letzten Jahren sind viele Spieler mit einem enormen Erwartungsdruck zu den Löwen gekommen – so war das bei mir auch. Dazu gab es viele Neuzugänge, was sich immer einspielen muss. Als Offensiver ist man immer etwas abhängig von anderen. Als Neuzugang wird man kritischer beäugt, wenn man in eine Mannschaft kommt. Warum es aber ganz genau nicht klappt, kann man kaum erklären. Ich habe aber immer alles versucht. Als Mannschaft waren wir eigentlich sehr erfolgreich und haben bis zum Winter um den Aufstieg mitgespielt und waren voll dabei. Dann wurde plötzlich Rainer Maurer entlassen, als wir Vierter waren und dann ging es nur noch bergab. Ich denke, wenn man damals Ruhe bewahrt hätte, hätten wir es mit dem Kader, den wir hatten, durchaus noch schaffen können. Aber man hat die Nerven verloren und es kam der Walter Schachner, der sich auch erstmal zurechtfinden musste. Und dann wären wir fast noch abgestiegen. Mit Daniel Bierofka ist aber jetzt jemand da, der sein Handwerk versteht und ein Ansehen bei den Fans hat. Er weiß aber auch, dass er mit dieser Mannschaft hoch muss.

Warum ist es mit Burghausen bergab gegangen?

Reisinger: Man muss natürlich sagen, dass die Voraussetzungen bei Burghausen nicht so gut sind. Für mich war es ein super Sprungbrett. Ein kleiner Verein mit super Atmosphäre wo man ruhig arbeiten konnte. In den letzten Jahren hat Wacker viele gute Spieler verloren. Dazu ist der Verein sehr abhängig von Wacker, das jetzt leider auch nicht mehr so investiert. Es war sensationell, was wir damals erlebt haben. Ich denke noch gerne zurück. Ich denke aber, dass aktuell in Burghausen keiner mehr nach oben will.

Bei den Löwen sieht das ganz anders aus…

Reisinger: Mit Spielern wie Jan Mauersberger, mit dem ich noch zusammengespielt habe, einem Sascha Mölders oder einem Timo Gebhart haben die Löwen schon Qualität. Das ist eine richtige Hausnummer in der Regionalliga. Die Mannschaft war ja im letzten Jahr unter Daniel Bierofka schon Zweiter in der Regionalliga. Ich habe keinen Zweifel, dass die Löwen Meister werden – da müsste schon viel passieren.

Stefan Reisinger im Löwen-Trikot anno 2005.

Kommt es zum Wiedersehen mit Reisinger und 1860?

In der Relegation könnte dann Uerdingen warten.

Reisinger: Könnte passieren (lacht). Für uns ist es aber noch ein weiter Weg. Jede Woche ist ein harter Kampf. Wir sind froh, dass es aktuell für uns als Aufsteiger mit vielen Neuzugängen so gut läuft. Es ist hier alles sehr ambitioniert. Viele Strukturen sind aber noch nicht so professionell wie bei 1860. Die Arbeit vom Michael (Wiesinger) und mir ist nicht nur auf den Trainingsplatz beschränkt, damit es hier immer professioneller wird.

Uerdingen hat sich im Sommer, ähnlich wie die Löwen, mit einigen erfahrenen Spielern verstärkt. Das Ziel ist doch klar der Aufstieg, oder?

Reisinger: Bei uns ist mit Mikhail Ponomarev ein russischer Investor eingestiegen. Langfristig streben wir die Rückkehr in die Bundesliga an. Dass wir aktuell Tabellenführer sind, ist erfreulich, doch wir wissen das auch einzuschätzen. Bei uns läuft alles noch nicht so perfekt. Wir sind auch nur einen Punkt vor Viktoria Köln, die letztes Jahr Meister waren und auch eine sehr gute Mannschaft haben. Es wäre aber toll, wenn wir am Ende der Saison oben stehen würden. Dann kommen immer noch die doofen Aufstiegsspiele (lacht). Unser Trainerteam ist ja letztes Jahr schon mit Elversberg gegen Unterhaching dort gescheitert. Das ist halt schon schade, dass du als Meister nicht aufsteigst. Für die Zukunft wäre es sinnvoll, dass der Meister hochgeht.

„Relegation? Da wäre Sechzig schon eine Hausnummer“

Die Löwen wären nicht der Wunschgegner, oder?

Reisinger: Sechzig wäre schon eine Hausnummer. Aber auch Cottbus ist ein Traditionsverein, der schon in der ersten Liga war. Saarbrücken ist auch eine sehr gute Mannschaft, die werden auch ein Wörtchen mitreden. Die Löwen sind aber, gerade mit ihrem Fanpotenzial, eine Macht im Grünwalder Stadion.

Welche Regionalliga schätzen Sie am stärksten ein?

Reisinger: Das ist schwierig. Statistisch gesehen haben es die Ostvereine, wie Zwickau und Jena, in den letzten Jahren fast immer geschafft. Aber auch die Regionalliga Bayern mit Unterhaching, Regensburg und Würzburg ist immer gut bestückt. Am Ende entscheiden aber kleine Fehler die Relegation.

Interview: Florian Fussek

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