Stadionsprecher leitete mehr als 600 Mal die Spiele des TSV

“Ich habe mir die Sache nicht einfach gemacht“ - Schneider über Abgang

Stefan Schneider legt das Mikro nach 28 Jahren aus der Hand
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Stefan Schneider legt das Mikro nach 28 Jahren aus der Hand

Stefan Schneider erklärte auf Nachfrage seine Beweggründe für den Rücktritt. Der langjährige Stadionsprecher der Löwen will künftig als Fan im Stadion stehen.

München – Die Überraschung war groß. Und natürlich meldete sich am Morgen danach auch Hasan Ismaik zu Wort. „Mit Bedauern habe ich die Nachricht aufgenommen, dass unser Stadionsprecher Stefan Schneider seinen Rücktritt nach Spielende ausgesprochen hat. Ich hoffe, wir können ihn von diesem Schritt noch abbringen. Er ist ein Urgestein des TSV 1860 und muss bleiben.“

Stefan Schneider: „Die Entscheidung bleibt so“

Muss er nicht. „Die Entscheidung bleibt so“, sagte Schneider, 58, auf Nachfrage unserer Zeitung. „Ich habe mir den Schritt reiflich überlegt und mir die Sache nicht einfach gemacht. Es ist einfach so, dass ich nach 28 Jahren etwas kürzertreten will und gerne auch mal ein freies Wochenende hab. Mir hat niemand was getan bei den Löwen, ich bin mit niemandem im Streit. Ich gehe als Freund der Löwen-Familie. Und ich bin den Fans nach dieser halben Ewigkeit unwahrscheinlich dankbar. Ich freue mich schon jetzt darauf, wenn ich Sechzig bald wieder von der Kurve aus anfeuern kann.“

Doch warum der Zeitpunkt am Montagabend? Hätte er nicht bis zum Ende der Saison warten können?

Stefan Schneider: „Ich hätte nicht gedacht, dass das so viel Staub aufwirbelt“

Schneider hat derlei Fragen zu Dutzenden auf sein Handy bekommen. „Ich hätte nicht gedacht, dass das so viel Staub aufwirbelt“, sagt er. „Den richtigen Zeitpunkt wirst du nie erwischen, den gibt es nämlich nicht. Hätten wir eine normale Saison mit Fans im Stadion, dann hätte ich sicher noch gewartet. Aber so, wie es aktuell ist, spielt es doch keine Rolle, ob ich jetzt aufhöre oder erst in ein paar Wochen. Es gibt seit einem Jahr kein Publikum, zu dem ich sprechen könnte. Ich bin quasi ein Stadionsprecher ohne Stadion.“

Seinen markenrechtlich geschützten Slogan „Münchens große Liebe“ hat Schneider dem Verein unentgeltlich übertragen. Dass in diversen Foren nun versucht wird, daraus ein Politikum zu stricken, stößt dem Münchner sauer auf. „Darum möchte ich an dieser Stelle in aller Unmissverständlichkeit sagen: Ich übertrage die Rechte an Sechzig. Die Frage e.V. oder KGaA hat mich noch nie interessiert und wird es auch nicht. Ich habe mich über all die Jahre aus vereinspolitischen Diskussionen herausgehalten, so werde ich das auch weiterhin handhaben.“

Stellt sich die Frage nach dem Nachfolger. Erst mal übernimmt Pressesprecher Rainer Kmeth, früher Stadionsprecher bei 1860 II und selbst Fan. Für die langfristige Nachfolge empfiehlt Schneider ebenfalls eine Person mit Löwenblut: „Dann ist es ein Leichtes, die Kurve hinter dich zu bekommen.“ Ein Problem könnte die Spaltung der Fanlager werden. Aber das muss Schneider nicht mehr jucken.

(Ludwig Krammer)

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