Seit sieben Jahren ein Löwe

Stehaufmännchen Kai Bülow: Ein fast vergessener Anführer

Kai Bülow - ein Stehaufmännchen.
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Kai Bülow - ein Stehaufmännchen.

München - Bei den Löwen läuft es gerade so gut wie lange nicht. Und - für einige überraschend - auch für Kai Bülow. Er könnte wichtig sein wie nie zuvor.

Der TSV 1860 München ist schon ein Phänomen. Seit sechs Jahren ist Investor Hasan Ismaik an Bord, und in dieser Zeit durchlebten die Fans eine wahre Achterbahn der Gefühle. Zugegeben: mit einem großen Anteil an Talfahrten. Spieler und Funktionäre gaben sich im Eiltempo die Klinke in die Hand. Nur eine Konstante scheint es zu geben: Kai Bülow.

Dauerbrenner, aussortiert. Relegationsheld, aussortiert - und auf einmal Kapitän und Führungsspieler. Die Karriere von Bülow bei den Löwen sucht ihresgleichen. Auch in schwierigen Phasen ließ er sich nicht unterkriegen, stellte sich bedingungslos hinten an - für das Team. Und all das, ohne sich zu beschweren. Erntet er jetzt die verdienten Lorbeeren?

Kai Bülow, der Dauerbrenner

Bereits 2010 stieß der damals 24-Jährige zum TSV. Gerade war sein Ausbildungsverein Hansa Rostock in die 3. Liga abgestiegen. Damit ist Bülow der mit Abstand dienstälteste Löwe im aktuellen Kader. An die Arbeitsweise von elf verschiedenen Trainern musste er sich in dieser Zeit gewöhnen. Immer wieder ereilten ihn Rückschläge, und immer wieder schaffte er es, sich durchzusetzen, ob in der Innenverteidigung oder im zentralen Mittelfeld.

Bülows erster Löwen-Trainer, Rainer Maurer, hielt viel vom jungen Mann, setzte ihn in zweieinhalb Saisons 75 Mal ein; meist über die volle Spielzeit. Es war mit die erfolgreichste 1860-Zeit seit dem Abstieg in die 2. Bundesliga. Auch unter Maurers Nachfolger Alexander Schmidt war Bülow gesetzt. Im ersten Spiel nicht im Kader, absolvierte er alle 25 folgenden Spiele unter dem Trainer.

2014 - ein Jahr zum Vergessen

Es folgte das erste schwarze Jahr des vormaligen Dauerbrenners: 2014 verzichtete Friedhelm Funkel bis zu seiner Entlassung im April fast komplett auf Bülow. Interimstrainer Markus von Ahlen baute im Saisonfinale auf ihn - und Bülow zahlte das Vertrauen mit zwei Toren in vier Spielen zurück. Ricardo Moniz ignorierte den inzwischen 28-Jährigen schließlich wieder fast gänzlich und auch von Ahlen hatte bei seinem zweiten Engagement keine Verwendung mehr für ihn.

Löwenretter Bülow

Mit dem Amtsantritt von Torsten Fröhling avancierte Bülow erneut zum Stammspieler, ehe er im Juni den wohl emotionalsten Moment seiner Karriere erlebte. Mit seinem 2:1-Siegtreffer in der Nachspielzeit des Relegations-Rückspiels gegen Holstein Kiel hielt er die schon totgeglaubten Löwen in der 2. Bundesliga. Retter Bülow verdiente sich einen neuen Vertrag und einen Stammplatz in der Folgesaison. Fröhling, Benno Möhlmann und Daniel Bierofka vertrauten dem gebürtigen Rostocker.

Von der Regionalliga in die Kapitänsrolle

Zu Beginn der aktuellen Saison der nächste Rückschlag: Der neue Chefcoach Kosta Runjaic ließ Bülow zumeist auf der Bank oder der Tribüne, schickte ihn gar für zwei Partien zur zweiten Mannschaft in die Regionalliga Bayern. Doch der 30-Jährige machte weiter, suchte unter Vitor Pereira erneut seine Chance und scheint sie jetzt - mal wieder - zu nutzen. In den ersten drei Partien unter dem neuen Trainer noch ohne Einsatzminuten, führte Bülow die Löwen zuletzt zwei Mal als Kapitän aufs Feld, köpfte sie gegen Karlsruhe sogar zum Sieg - erneut in der Nachspielzeit.

Kai Bülow, ein Teamplayer, wie es ihn heutzutage nicht mehr allzu oft gibt. Und inzwischen auch Kai Bülow, ein Anführer, eine Konstante, die die zusammengewürfelten Löwen zu einer Einheit formen soll - und kann. Die Zeichen stehen gut.

mg

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