Exklusiv: Vorort interviewt U19-Erfolgscoach der Löwen

Steinberger: "Die Benders waren absolute Ausnahmetalente"

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Trainer Josef Steinberger kann sich vorstellen, irgendwann in den Profibereich zu wechseln.

TSV 1860 München (U19) - Die U19 der Löwen führt die Tabelle der A-Junioren-Bundesliga mit 37 Punkten an. Im Vorort-Interview spricht Josef Steinberger über seine Arbeit im Nachwuchsbereich, Ausnahmetalente wie die Benders und die Wichtigkeit von Derbys.

Hallo Herr Steinberger, mit der A-Jugend der Löwen gehen Sie als Spitzenreiter in die Winterpause. Alle Löwen-Fans fragen sich, was das Geheimnis dieser Truppe ist?

Dass wir derzeit so erfolgreich sind, hat mehrere Gründe. Einige Spieler der Mannschaft haben in der vergangenen Saison erfolgreich den Abstiegskampf gemeistert. Das hat die Truppe natürlich zusammengeschweißt. Die älteren Spieler aus dem jetzigen Kader haben diese Erfahrung mitgenommen und sind verstärkt daraus hervor gegangen. Zudem hatten wir eine lange und gute Vorbereitung, in der beide Jahrgänge zu einem Team zusammengewachsen sind. Wenn du dann auch noch beide Heimspiele zum Saisonauftakt mit 8:0 und 4:1 gewinnst, gibt das natürlich sehr viel Selbstvertrauen.

Ihre Truppe stellt die beste Defensive der Liga. Bisher hat die Mannschaft erst elf Gegentore zugelassen. Ist die Beton-Abwehr der Schlüssel zum Erfolg?

Die Basis für erfolgreichen Fußball ist immer eine gute Defensive. Hier erkennt man die Stärke des Kollektivs unserer Mannschaft. Bei uns arbeitet jeder gut gegen den Ball. Das Ziel jedes Trainers ist die richtige Balance aus Offensive und Defensive zu finden.

Eine Mannschaft, die in der A-Jugend im Winter auf Platz eins und 16 Punkte vor dem FC Bayern steht, weckt natürlich Erwartungen. Böse Zungen behaupten, die Mannschaft sei im Kollektiv stark, aber die Ausnahme-Talente würden fehlen. Können Sie den Löwen-Fans schon den nächsten Weigl, Volland oder Bender präsentieren?

Ich denke, dass es immer schwieriger wird. Das Durchschnittsalter der Talente, die schon früh den Sprung in die Bundesliga schaffen, ist seit dem Projekt des DFBs nach der Euro 2000 immer mehr gesunken. Man muss immer wieder betonen, dass Spieler wie die Benders absolute Ausnahmetalente waren, die Jahrgangsstufen einfach übersprungen haben. Von diesen Beispielen dürfen und sollen sich unsere Talente nicht unter Druck setzen lassen. Man muss den Spielern bei ihrer Entwicklung einfach eine gewisse Zeit geben, die sie auch brauchen.

Einer, der statistisch heraussticht, ist Goalgetter Moritz Heinrich, der mit zwölf Treffern die Torschützenliste anführt. In einem Interview haben sie zuletzt gesagt, dass sie kein Zauberer sind. Was haben sie aber dann dem Moritz gegeben, dass er in dieser Saison so oft trifft?

Moritz gehört jetzt zum älterern Jahrgang. Er hat in der vergangenen Saison seine Erfahrungen gesammelt. Der erste Platz in der Torschützenliste ist der Lohn für seine harte Arbeit. Er legt viele Zusatzschichten ein. Er hat seine Qualitäten vor dem Tor. Die Statistik muss man aber richtig einordnen. Moritz hat im ersten Spiel gleich vier Mal getroffen. Aber das gibt natürlich enormes Selbstvertrauen.

Wer könnte aus Ihrer Mannschaft später den Sprung zu den Profis schaffen?

Ich bin absolut kein Freund davon, einzelne Spieler hervorzuheben. Das würde auch keinem gut tun. Der Sprung aus der Jugend in den Herrenbereich ist gewaltig.

Ihre Truppe hat das Derby gegen den FC Bayern gewonnen und steht in der Tabelle vor dem roten Nachbarn. Wie wichtig ist es, im Vergleich die Nase vorne zu haben?

Derbys sind immer besondere Spiele. Es ist auch nicht selbstverständlich, dass wir vor Spitzenteams wie Hoffenheim, Stuttgart oder eben den Bayern stehen. Am Ende ist ein Tabellenplatz aber immer nur ein schöner Nebeneffekt. Die Hauptaufgabe unserer Nachwuchsarbeit ist es, unsere Spieler weiterzuentwickeln. Sie sollen bei uns bestens ausgebildet werden und im Idealfall später bei den Profis aufschlagen.

Der derzeitige Erfolg Ihrer Mannschaft weckt Interesse. Was sind Ihrer Ziele als Trainer? Können Sie sich vorstellen, später mal eine Profimannschaft zu trainieren?

Das möchte ich nicht ausschließen. Mein Ziel ist es, in Kürze meine Ausbildung zum Fußball-Lehrer zu machen. Ich sehe mich aber immer als Teil eines Ganzen. Mir ist es zum Beispiel nicht wichtig, ob ich beim TSV 1860 die U19 oder U17 trainiere. Mir macht es Spaß, mit einem Team zusammenzuarbeiten. Ich bin stolz darauf, meinen Teil dazu beitragen zu können, wenn ein Spieler in unserem NLZ seinen Weg geht. Die Entwicklung von Talenten wie Wittek, Wolf, Neudecker oder Taffertshofer ist aber immer der Erfolg von allen, die im Jugendbereich mit den Spielern gearbeitet haben.

Torsten Fröhling könnte im Sommer zu den Löwen in den Nachwuchs zurückkommen. Würden Sie eine Rückkehr begrüßen?

Ich würde mich sehr freuen, wenn Torsten wieder für die Löwen arbeitet. Er hat einen super Job bei uns gemacht. Mehr kann ich dazu nicht sagen.

Zum Abschluss bitten wir Sie um eine Aussage. Die Löwen-U19 wird Meister, weil....

Auch hier bringt es nichts, wenn ich Parolen raus haue. Zu weit nach vorne zu schauen, bringt einfach nichts. Wir werden auch im neuen Jahr Step für Step weiter daran arbeiten, dass die Mannschaft erfolgreich ist.

 

 

Quelle: fussball-vorort.de

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