Er ist erst 19 Jahre alt

Ex-Löwen-Talent: "Würde vieles anders machen"

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Tim Sulmer ist als 19-Jähriger schon eine feste Größe im Team des SV Pullach.

München - Die Ex-Vereine von Tim Sulmer klingen allesamt namhaft: 1. FC Nürnberg, TSV 1860 München, SpVgg Unterhaching. Im Interview blickt der erst 19-Jährige zurück.

In der U16-Nationalmannschaft spielte er einst mit Jonathan Tah, Julian Brandt und Timo Werner zusammen: Tim Sulmer vom SV Pullach. Mit gerade mal 19 Jahren hat der diesjährige Neuzugang der "Raben" bereits sieben Karrierestationen hinter sich, darunter der 1.FC Nürnberg, 1860 München und die SpVgg Unterhaching. Eine Entwicklung, die er im Rückblick auch sehr kritisch sieht.

Tim, du bist ja eigentlich Franke und hast auch in der Jugend beim 1.FC Nürnberg gespielt. Wie kam es dazu, dass du beim „Club“ rausgeschmissen wurdest und zu den Löwen gegangen bist?

Ich habe inzwischen eingesehen, dass ich sehr viel dazu beigetragen habe, dass der Club mich rausgeschmissen hat. Das lag an meiner pubertären Phase, in der die lustigen Sprüche in der Schule wichtiger waren als die guten Noten. So kam es dazu, dass mein damaliger Trainer Michael Bischoff - vielleicht nicht auf die feine Art - zwei Tage nach dem Ende der Wechselfrist im Winter zu mir sagte, dass sie mich nach dem Jahr rausschmeißen werden. Das Gespräch fand damals nach dem Training ohne Eltern und Berater statt und ich wusste nichts mit der Situation anzufangen. Dann hab ich sofort am selben Abend meinen Berater angerufen und dann kamen nur zwei Vereine in Frage, die einen Spieler unter Vertrag nehmen, der eine dreimonatige Sperre aussetzen muss. 1860 war die nähere Option und im Endeffekt hat mir der Wechsel auch gut getan.

Damals wurdest du in die U16-Nationalmannschaft berufen. Was hast du aus deiner Zeit dort mitgenommen?

In der Nationalmannschaft zu spielen, war ein Traum. Du stehst auf dem Platz mit den besten deines Jahrgangs, ein paar davon sehe ich jetzt am Samstag um 15:30 Uhr im Fernsehen, ein paar spielen sogar in der Champions League. Fußballerisch ist es ein klasse Niveau gewesen und ich denke gerne an die Zeit zurück.

Von den Löwen bist du nach Unterhaching gewechselt. Dort hat der damalige Trainer Christian Ziege im Abstiegskampf entschieden, nur noch mit einem kleineren Stammkader zu trainieren, weshalb du aussortiert wurdest. Du standest ja kurz vor dem Durchbruch in den Profibereich: wie bist du mit der Situation klar gekommen?

Am Anfang war es schwer zu verkraften. Man steht kurz davor - mit ein bisschen Glück – in der dritten Liga zu spielen und auf einmal darf man zurück in die Heimat und für 300 Euro ein freiwilliges soziales Jahr machen. Fußballerisch hat das mir nichts gebracht, aber menschlich habe ich es gebraucht. Ich bin in dem Jahr, als ich nicht auf höchstem Niveau gespielt habe, erwachsen geworden.

Deine Zeit beim SV Pullach hat gut begonnen. Im Juli hast du die Abstimmung zum „Bayern-Treffer des Monats“ gewonnen. Wie wichtig war dir die Auszeichnung?

Als Fußballer freut man sich über jede Auszeichnung, jeden Sieg und jedes Erfolgserlebnis. Zwar freue ich mich mehr darüber, dass wir als Team 14 Spiele ungeschlagen sind, aber es ist ein „nice to have“ und ich kann stolz drauf sein.

Dein Trainer Frank Schmöller hat dich einmal als "frechen Hund" bezeichnet. Findest du diese Beschreibung passend?

Ganz einfach: trifft auf jeden Fall zu!

Der SVP ist schon dein siebter Verein. Wünscht du dir manchmal, irgendwo länger bleiben zu können?

Wenn ich auf meinen Werdegang als Fußballer zurückblicke, dann dreht's mir manchmal den Magen um. (lacht) Zurückblickend würde ich vieles anders machen, aber hätte ich meine Fehler nicht gemacht, wäre ich jetzt nicht der, der ich bin.

In Pullach bist du jetzt als 19-Jähriger Stammspieler in der Bayernliga. Welche Liga traust du dir auf lange Sicht hin zu?

Ich zweifel nicht daran, dass ich gut Fußball spielen kann. Ich denke, dass die Bayernliga momentan ein sehr gutes Niveau hat, aber ich glaube, dass die Regionalliga schon machbar wäre. Im besten Fall natürlich mit Pullach. Aber ich fühle mich wohl hier, es soll nicht so rüberkommen, als würde ich schon wieder mit gepackten Koffern dastehen. (lacht)

Wir haben ein sehr interessantes Video von dir gefunden, auf dem du „One Time“ von Justin Bieber performst. Falls es mit der Fußballerkarriere nicht so klappen sollte, willst du dann Sänger werden?

Ich glaube, meine Gesangskarriere kann ich an den Nagel hängen, da können sie meine Mannschaftskollegen fragen. Wenn ich vor oder nach dem Training singe, dann ist das vergleichbar mit dem Songquiz bei „DSDS“. Da wäre mir dann der Fußball eindeutig lieber!

 

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