"Es war sehr seltsam"

Eriksson: Klare Worte über 1860 in seinen Memoiren

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Sven-Göran-Eriksson bei einer Pressekonferenz zu seinem Buch.

München - Das Fast-Engagement von Sven-Göran Eriksson beim TSV 1860 war eines der weniger glanzvollen Episoden der jüngeren Löwen-Geschichte. Jetzt berichtet der 66-Jährige in einem Buch darüber.

Sven-Göran Eriksson ist der berühmteste Beinahe-Trainer der Löwen. Wochenlang wurde er als Wunschkandidat von Investor Hasan Ismaik gehandelt. Bis es am 14. Januar 2013 zu einem legendären XXL-Abend an der Grünwalder Straße kam.

Der Aufsichtsrat tagte bis tief in die Nacht hinein. Unsere Onlineredaktion war vor Ort, tickerte unverdrossen, schaute zwischendurch im Löwenstüberl unfreiwillig mit rund einem weiteren Dutzend anderer Journalisten das Dschungelcamp, fror sich zwischendurch vor der Tür in Erwartung der Verantwortlichen mehrere erdenkliche Körperteile ab und wartete. Bis die Bosse um 2.47 Uhr (!) vor die Presse traten und der damalige Aufsichtsratschef Otto Steiner verkündete: "Der Aufsichtsrat ist einverstanden, dass Sven-Göran Eriksson zum Trainerstab von 1860 hinzustößt. Alexander Schmidt wird Trainer bleiben. Robert Schäfer ist beauftragt, in den nächsten Tagen mit beiden Gespräche zu führen und die Aufgabenverteilung zu klären. Er wird sowohl mit Eriksson, als auch mit Schmidt reden. Ob das nächste Woche als Gespann losgeht oder übernächste, das wird sich in den Gesprächen zeigen."

Doch von wegen. Wenige Tage später sagte der vermeintliche neue 1860-Startrainer ab. Inzwischen hat der 66-jährige Schwede ein Buch veröffentlicht. "Sven - My Story" heißt es. Schon im November war es in England erschienen, ist aber in Deutschland kaum wahrgenommen worden. Amazon.de listet es nun auch in Deutschland, mit dem 5. Juni 2014 als Erscheinungstermin. Und mit der oben erzählten Episode im Hinterkopf fragt sich der Löwen-Fan natürlich: Was schreibt er über 1860?

"Ismaik wollte mir den Job geben"

Die Löwen kommen in dem bisher nur auf englisch erschienenen Werk lediglich auf zwei Seiten zur Sprache. Eriksson berichtet, dass es Gespräche über ein Engagement als ukrainischer Nationaltrainer gegeben habe. Und er in dieser Zeit auch über einen Job bei 1860 verhandelte. "Es war einmal, dass 1860 ein großer Klub gewesen war, eines der Gründungsmitglieder der Deutschen Bundesliga. In den jüngsten Jahren jedoch hatte das Team zu kämpfen und dümpelte jetzt in der zweiten Liga dahin. Das Ziel war, zurück in die Spitzengruppe zu kommen", schreibt er. "Der Klub hatte einen neuen Besitzer, den jordanischen Geschäftsmann Hasan Ismaik, den ich kannte. Ich war nach Abu Dhabi gereist, um ihn zu treffen und mit ihm über den München-Job zu sprechen. Er wollte ihn mir geben, aber ich war nicht sicher, dass die Deutschen im Vereinsgremium genauso überzeugt waren, dass ich der richtige Mann für den Job sei. Eines, was ich aus meiner Zeit in Mexiko gelernt habe, war, nie einen Job anzunehmen, wo man nicht wirklich erwünscht ist."

"Vielleicht steckte Politik dahinter"

Eriksson erzählt weiter von den Verhandlungen mit der Ukraine und dass ihm zudem ein Job als Sportdirektor beim Dubai-Klub Al Nasr angeboten worden sei. Dann erreichte ihn eine Überraschung aus München. "In den Zeitungen schrieben sie, dass ich nach München gehen werde. Dieses Gerücht wurde bestätigt, als plötzlich 1860 München auf seiner Homepage bekanntgab, dass es beschlossene Sache sei, dass ich Münchens neuer Manager (im englischsprachigen Raum oft als Synonym für Trainer gebraucht, Anm. d. Red.) werde. Das Problem ist, dass es nicht wahr war. Ich habe die Position nicht angenommen. Es war sehr seltsam, wie sie öffentlich sagen konnten, dass ich das akzeptiert hätte. Vielleicht war es kein Fehler. Vielleicht steckte Politik dahinter."

Eriksson war offenbar verdutzt - und berichtet von einem Besuch von Robert Schäfer, dem damaligen Geschäftsführer der Löwen. "Am nächsten Morgen kam ein Direktor des Klubs, Robert Schäfer, nach London, um mich zu treffen. Laut ihm war es ein Missverständnis, das dazu geführt habe, dass meine Ernennung offiziell bekanntgegeben worden war. Der Klub hoffte, dass ich den Job übernehmen würde. Aber es war unklar, was genau meine Arbeit beinhalten würde. Es gab Gespräche, den Chefcoach-Posten mit dem deutschen Trainer zu teilen, der zum Cheftrainer ernannt worden war, Alexander Schmidt. Ich war nicht daran interessiert. Das würde nur zu Problemen führen. Ich entschied mich, nein zu dem Job zu sagen und nach Dubai zu gehen, in die Vereinigten Arabischen Emirate."

Armin Linder

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