Wird er wieder Geschäftsführer?

Tag der Entscheidung: Ismaik spielt im Machtkampf die „Power-Karte“

Die Ismaik-Seite (in der Mitte: Yahya Ismaik, Bruder des Investors) will erneut den umstrittenen Anthony Power (r.) als Geschäftsführer einsetzen. 
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Die Ismaik-Seite (in der Mitte: Yahya Ismaik, Bruder des Investors) will erneut den umstrittenen Anthony Power (r.) als Geschäftsführer einsetzen. 

Heute, 15.30 Uhr entscheidet sich die Zukunft des TSV 1860. Wird Ismaik die 11 Millionen Euro überweisen, die für die Drittligalizenz nötig sind? Im Vorfeld tobt ein erbitterter Machtkampf: Ismaik will offenbar erneut Anthony Power als Geschäftsführer einsetzen.

München – Seit dem sportlichen Absturz am Dienstagabend gleicht die Geschäftsstelle des TSV 1860 einem Geisterhaus. Die noch da sind, blicken einer ungewissen Zukunft entgegen und sehen durch die Fenster dem Exodus zu. Am Mittwoch trug Torhüter Jan Zimmermann eine überdimensionale Tasche aus der Kabine, gestern tauchte Abdoulaye Ba noch mal auf, der wie der Co-Trainerstab Abschied zu nehmen schien. Auch Peter Cassalette ließ sich noch mal blicken. Der zurückgetretene Präsident war aber privat da, nicht in offizieller Mission.

Seine vorerst letzte Handlung im Auftrag des TSV 1860 nahm Cassalette am Mittwoch vor, als er versuchte, eine Sitzung des Geschäftsführungsbeirats einzuberufen, jenes Gremiums also, in dem die Vertreter beider Gesellschafter paritätisch über das Wohl der KGaA entscheiden: Hasan und sein Bruder Yahya Ismaik repräsentieren dort die Investorenseite, Cassalette vertrat mit Verwaltungsratschef Markus Drees die e.V.-Seite, ehe er Donnerstag Nachmittag von Robert von Bennigsen abgelöst wurde.

Beirat: Von Bennigsen ersetzt Cassalette

An aktuellen Themen für eine Beiratssitzung mangelte es nicht, schließlich entscheidet sich bis Freitag, 15.30 Uhr, ob der Zweitligaabsteiger eine Lizenz für die 3. Liga erhält. Grundvoraussetzung dafür ist, dass Ismaik fristgerecht 11 Millionen Euro auf das Konto der überschuldeten KGaA überweist. Ein zweites, nicht minder brisantes Thema hat Ismaik auf die Agenda gesetzt, eines, das zeigt, „dass er in all den Monaten nichts verstanden hat“, wie ein Insider stöhnt. Ismaik hat ernsthaft vor, erneut Anthony Power als Geschäftsführer einzusetzen. Zur Erinnerung: Power, das ist jener Maschinenbauingenieur, der es sich intern und extern mit praktisch jedem verscherzt hatte, ehe Ian Ayre für zwei Monate übernahm.

Es passt zur verworrenen Lage beim TSV 1860, dass niemand der Einladung zur Beiratssitzung gefolgt ist. Was anderes als ein Patt hätte auch herauskommen sollen? Die e.V.-Seite ist strikt gegen ein Comeback Powers (intern „Ismaiks Axt“ genannt). Und Ismaik ist eh bekannt dafür, stur seine Absichten zu verfolgen, nicht nur in der Causa Power.

Geld gibt‘s nur, wenn 1860 Ismaiks Wünsche erfüllt

Auch bezüglich seines Forderungskatalogs, den er Donnerstag mit einer Presseerklärung verteidigte. „Es ist zutreffend, dass wesentliche Änderungen der Struktur verlangt wurden“, ließ er mitteilen. Diese seien aber sehr wohl satzungskonform und im Februar mit den Vereinsvertretern verabredet worden. In der Weigerungshaltung sieht er „eine Gefährdung der KGaA und damit meines Investments“.

Dass er von keinem seiner Forderungen abrückt, unterstreicht die E-Mail seines Justitiars Andrew Livingston von Donnerstag. Inhalt sinngemäß: Geld gibt’s nur, wenn der Verein in allen Punkten auf Ismaiks Wünsche eingeht, so umstritten sie rechtlich auch sind. Auch die Pressemitteilung des Jordaniers zielt in diese Richtung: Er sei bereit, „meinen Teil beizutragen, um 1860 in dieser schwierigen Situation zu helfen – aber der e.V. muss zuerst seine Hausaufgaben erledigen“. Auf gut Deutsch: Rettung ja – aber nur zu Ismaiks Konditionen.

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Nach dieser Vorgeschichte ist heute praktisch jede Wendung denkbar. Meldet Finanzchef Michael Scharold bis 15.30 Uhr den Eingang der 11 Millionen, kann die Drittligaplanung starten – wer auch immer das dann in die Hand nimmt. Lässt Ismaik die DFB-Frist verstreichen, ist der Gang vors Amtsgericht unausweichlich. Pikant: Einreichen müsste den Insolvenzantrag Ex-Geschäftsführer Ian Ayre. Es sei denn, Ismaik setzt Power, der sich am Rande des Relegations-Rückspiels offenbar zu einem Handgemenge hinreißen ließ, doch noch kurzfristig durch.

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