Löwenfan und Ex-Minister im tz-Interview

Waigel über 1860: "Entzieht sich jedem rationalen Gedanken"

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Ex-Finanzminister Theo Waigel.

München - Ex-Finanzminister Theo Waigel ist Löwen-Anhänger und leidet mit aufgrund der aktuellen Situation. Im tz-Interview spricht er über den Sechzger-Absturz.

In zwei Wochen, am 22. April, feiert Theo Waigel seinen 76. Geburtstag. Ob ihm sein Herzensverein, der TSV 1860, bis dahin ein Geschenk in Form von ein paar Punkten macht? Der ehemalige CSU-Bundesfinanzminister ist in großer Sorge um seine Löwen. Nur noch ein Zähler trennt die Sechziger vom Abgrund.

Herr Waigel, wie groß ist Ihre Hoffnung auf den Klassenerhalt nach dem 0:1 gegen Erzgebirge Aue noch?

Waigel: (seufzt) Auch wenn es eine eigentlich kostenpflichtige Phrase ist, aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Noch stehen wir ja über dem ominösen Strich in der Tabelle. Aber mit dieser Heimschwäche… Ich verstehe es nicht. Ich verstehe es einfach nicht. Das entzieht sich jedem rationalen Gedanken, wie man mit dieser Mannschaft daheim so erfolglos spielen kann.

Von den letzten zehn Heimspielen gingen sieben verloren, in 14 Arena-Partien gab’s nur zwei Siege…

Waigel: Eine niederschmetternde Bilanz. Einmal kannst du Pech haben, auch zweimal. Aber so eine Serie hat andere Ursachen, die ich mir nicht erklären kann. Du holst beim Spitzenreiter in Ingolstadt nach einem Rückstand noch einen verdienten Punkt, kannst in Darmstadt gewinnen, wenn der Elfmeter reingeht, schlägst Fürth mit 3:0. Und daheim? Fürchterlich.

Wem geben Sie die Hauptschuld an dem Schlamassel?

Waigel: Für Schuldzuweisungen bin ich der falsche Ansprechpartner. Ich habe selber kein Amt bei Sechzig übernommen, als mich Stefan Reuter (Ex-Manager bei 1860, d. Red.) damals gefragt hat, von daher steht es mir nicht zu, jetzt über andere zu urteilen.

Ist der Kader einfach nicht stark genug, um in der Zweiten Liga zu bestehen?

Waigel: Das Potenzial reicht sicher nicht für den Aufstieg, da fehlt dann doch einiges. Aber um den Abstieg zu vermeiden? Also bitte… Von den Vereinen, die jetzt hinten mit drinstehen, hat doch niemand einen höheren Etat. Und wir verlieren gegen Sandhausen beide Spiele, gegen Aue beide Spiele und holen gegen Aalen einen Punkt. Nein, da darf sich keiner wundern, wenn’s am Ende nicht reicht.

Macht es Ihnen Hoffnung, dass es bei den nächsten Gegnern um nicht mehr allzu viel geht?

Waigel: Na ja, für Braunschweig geht es um die letzte Chance, nochmal oben ranzukommen, aber dann… Bochum, Düsseldorf, Union Berlin, Frankfurt… tja, da weißt du nicht, ob die es austrudeln lassen oder ganz befreit aufspielen. Es geht ja auch um Prämien für die Spieler. Also diese Hoffnung habe ich nicht. Ich hoffe eher, dass sich unsere Mannschaft gegen mitspielende oder spielbestimmende Gegner leichter tut.

Wirklich zuversichtlich klingen Sie nicht.

Waigel: Wie gesagt: Ich hoffe. Aber viel mehr leide ich. Ich bin jetzt seit 70 Jahren Löwe. Aber so was Trostloses wie in dieser Saison habe ich selten gesehen. Ich hatte am Sonntag eigentlich gute Laune. Aber nach diesem 0:1 gegen Aue war Ostern schon sehr eingetrübt. Das 4:0 von St. Pauli am Montagabend war dann der passende Abschluss.

Wie schwer würde Sie als Löwen-Fan ein Abstieg treffen?

Waigel: Mein Herz würde schon sehr bluten. Das wäre ein ganz bitterer Moment, den man, wenn man auf die Achtzig zugeht, eigentlich nicht mehr erleben möchte. Aber Löwe bleibt man ein Leben lang. Egal in welcher Liga.

So wurde Waigel zum Sechzger

Wie Waigel Fan des TSV 1860 wurde, erklärte er 2014 in einem Interview anlässlich seines 75. Geburtstages in der Augsburger Allgemeinen: „Ich habe schon als Kind in Oberrohr gerne gelesen, und außer der Zeitung gab es nach dem Krieg ja nichts. Anfangs habe ich mir immer den Sportteil geschnappt, und da ist mir der Name 1860 München aufgefallen. Und irgendwann habe ich im Radio ein Spiel gehört: 1860 gegen Frankfurt. Die Sechzger führten 4:0. Und am Ende hieß es 4:4. Das hat mich so erschüttert, dass ich gesagt hab: Die musst du unterstützen. Angesichts des Spielverlaufs hätte ich natürlich schon damals ahnen können, dass das eine Himmel- und Höllenfahrt wird.“

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Interview: lk

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