Löwen-Legende redet Klartext

Miller zur Sechser-Position: "Stahl muss spielen"

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Auf ihn müssen die Löwen im Abstiegskampf bauen: Dominik Stahl.

München - Ex-Löwe Thomas Miller äußert sich zur Sechser-Position bei 1860 München. Er sieht viele Fehleinkäufe und einen Spieler, den er für die Idealbesetzung hält.

Dass man beim TSV 1860 in dieser Saison meilenweit hinter den Erwartungen und Sehnsüchten seiner Fans zurückgeblieben ist und sich lieber dem Abstiegskampf verschrieben hat, das hat viele Gründe. Es ging schon mal bei der Wahl der Trainer los, setzte sich fort über einen ziemlich planlos zusammengewürfelten Kader, aus dem mittlerweile bereits 32 Spieler (!) in 22 Zweitliga-Partien auf dem Spielfeld standen - und hat seine Ursache auch darin, dass die sportliche Leitung mit einer ganz entscheidenden Position immer ziemlich danebengelegen ist: der des Sechsers. „Es ist sogar die wichtigste Position im modernen Fußball“, sagt Thomas Miller, der diese Rolle Anfang der Neunzigerjahre selbst mit viel Kampfkraft, Leidenschaft und Hingabe erfüllt hat.

Thomas Miller spricht Klartext.

Das Dilemma begann schon im vergangenen Sommer mit der Verpflichtungdes Spaniers Ilie Sanchez. Er und kein anderer sollte die neue Nummer sechs im Löwen-Team sein, obwohl man mit Yannick Stark einen durchaus anerkannten Spezialisten für diese Position besaß. Egal. Sanchez spielte. Und das meistens nicht gut. Stark wurde demontiert, dann – wen wundert’s? – als lustlos abgestempelt, ehe er die Flucht nach Darmstadt antrat. Miller: „Du hattest eigentlich den passenden Mann gehabt. Es war eigentlich alles da...“

In Sachen Sanchez sorgte der neue Trainer Torsten Fröhling, der dritte in dieser Saison, vor dem Heimspiel gegen St. Pauli für einen Paukenschlag. Er strich den Spanier aus dem 18er-Kader. Ein Beleg dafür, dass Fröhlings Ansage zum Einstand („Wenn ich den Hintern hinhalten muss, treffe ich auch die Entscheidungen“) keine leeren Worte waren.

"Sanchez nicht auf Forderungen eingegangen"

Miller gefällt diese knallharte Seite an Fröhling. „Da hat der Trainer gleich mal schön aufgeräumt, indem er Sanchez nicht berücksichtigt hat“, sagte der 52-Jährige, der den Mann von Barcelona B für absolut entbehrlich hält: „Sanchez ist einfach nicht auf die Anforderungen der 2. Liga eingegangen. Er wollte sein Spiel machen, das heißt, den Ball hin- und herschieben. Den Zweikampf wollte er nicht. Wenn das noch was werden soll, muss er die 2. Liga annehmen.“

Ähnlich düster fällt Millers Urteil über Anthony Annan („Der ist keinen Deut besser als Sanchez“) aus, der erst im Winter aus Helsinki geholt wurde - als Alternative auf der sechs, was der Ghanaer bei seinen ersten drei Einsätzen aber überhaupt nicht rechtfertigen konnte. Miller: „Annan hat viel zu viele Ballverluste vor der Abwehr, das geht bei einem Sechser überhaupt nicht.“

Seine Lösung: Dominik Stahl. Der hat zwar nach siebenmonatiger Verletzungspause erst einen Kurzeinsatz, aber Miller plädiert vehement dafür, dass der 26-Jährige schon in Ingolstadt die Aufgabe im defensiven Mittelfeld übertragen bekommt: „In Ingolstadt wirst du eh kaum was gewinnen, also soll sich der Domi dort einspielen auf die folgenden Partien, das sind alles Endspiele. Wie das nächste Heimspiel gegen Sandhausen. Jetzt brauchst du die Leute für den Abstiegskampf. Und Stahl bringt alle Tugenden für einen überdurchschnittlichen Zweitligaspieler mit. Außerdem ist er ein Löwe durch und durch.“ Und nicht nur ein Sechser...

tz

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