Vorsicht! Henkel ruft Putzmittel zurück - Gesundheitsgefahr

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EX-Löwe Thomas Richter

Von Werner Lorant sabotiert

Thomas Richter kam 1998 zu den Löwen. In der Rückrunde setzte ihn Trainer Lorant vor die Tür. Ein Leidensweg begann.

Pipinsried - Werner Lorant setzte ihn 1999 vor die Tür. Heute hat Thomas Richter sein Glück beim FC Pipinsried gefunden. Hinter ihm liegt ein Leidensweg, der die Schattenseite des Profifußball erzählt.

Es war der 11. April 1999. In der Partie des TSV 1860 München gegen den VfL Bochum sind nur noch wenige Minuten zu spielen. Die Löwen liegen 0:1 zurück. Thomas Richter steht an der Seitenlinie, er soll für Michél Dinzey eingewechselt werden. Der Schiedsrichter gibt das Zeichen. In der 78. Minute betritt der Spieler mit der Nummer 14 den Rasen – die große Bühne Fußballbundesliga. Es war das letzte Mal.

Thomas Richter sitzt an einem kleinen Tisch, nippt am Kaffee. In der Ecke seiner Ein-Zimmer-Wohnung steht die Sporttasche mit den Fußball-Schuhen, auf dem Fernseher liegt unter einem Stapel Briefe noch eine Autogrammkarte. Sonst erzählt nichts in diesem Raum von seiner Karriere als Fußballer. „Es bringt einfach nichts, zurückzuschauen. Das zieht einen nur immer wieder runter“, meint der gebürtige Schwabe trocken. Richter war ganz oben. Er war Fußballprofi. In der Bundesliga schnürte er nicht nur für die Löwen, sondern auch für den 1. FC Nürnberg, Greuther Fürth oder die Stuttgarter Kickers die Schuhe. In 47 Partien trat er allein in der ersten Liga gegen den Ball, schoss dabei zwei Tore.

In seinen besten Jahren als Fußballer folgte der Blondschopf im November 1998 dem Ruf von Werner Lorant aus München, der mit den Löwen damals in der ersten Liga auf dem dritten Tabellenplatz lag. Heute, knapp zehn Jahre später, spricht er vom größten Fehler seines Lebens: „Ich hatte auch ein Angebot aus Hamburg, habe mich aber aus privaten Gründen für den Wechsel nach München entschieden.“ Die Karriere von Thomas Richter zeigt die Schattenseite des Traums, Fußballprofi zu sein. Sie ist eine Geschichte der Rückschläge, der menschlichen Sabotage und der Angst, vor dem „Danach“.

Als Richter 1998 zu den Löwen kam, verlief der Anfang zunächst wie im Bilderbuch. 60 mischte vor der Winterpause in der Tabelle ganz vorne mit, und auch der damals 28-Jährige fand sich sofort im Team zurecht. Doch wie beim Verein wendete sich auch bei Richter in der Rückrunde das Blatt. Nach einem Spiel in der Vorbereitung im Wintertrainingslager warf Werner Lorant ihm nach einem Fehler vor der ganzen Mannschaft Arbeitsverweigerung vor, ließ den Spieler in der Folge nur noch mit der Reserve trainieren.

Bei den Vereinen angeboten wie saures Bier

Was dann kam, kann sich Thomas Richter bis heute nicht erklären. Nach einem Fehler im Spiel gegen Bochum suspendierte ihn Lorant und schloss den Mann für die linke Seite aus der Mannschaft aus. „Ich hab’ mich nur noch mit der Mannschaft warmmachen dürfen, dann musste ich laufen gehen“, so Richter. Selbst bei Trainings- oder Freundschaftsspielen durfte der Schwabe nur zuschauen. Für einen Fußballspieler die Höchststrafe. Auch ein Wechsel war schwierig, da das Management den Spieler „wie saures Bier“ bei allen erdenklichen Vereinen anbot, und sich deren Interesse folglich in Grenzen hielt.

Auch in der Zeit danach hatte Richter kein Glück im Profigeschäft. Nach seinem Wechsel in die Regionalliga zum FC Magdeburg folgte ein Engagement bei Greuther Fürth. Auf Grund einer Verletzung lief der Fußballer aber nicht ein Mal für die Kleeblätter auf. Sein Vertrag wurde nicht verlängert. „Ich habe dann immer noch versucht, Fußball zu spielen. Eine Zeit lang habe ich halt immer noch gehofft, dass es klappt“, meint der 38-Jährige zurückblickend.

Heute steht der Beruf an erster Stelle

Mit 33 Jahren wusste Richter dann, dass es kein Zurück mehr in den Profibereich geben würde. Zwischenzeitlich stand er ohne Verein da, musste sich arbeitlos melden. Das DSF drehte eine Reportage über seine Geschichte. Vom Fußball kam er trotzdem nicht los. Als Spielertrainer heuerte er in Rohrbach und Ingolstadt an. Dort jobbte er bei Arbeitsstellen, die ihm der Verein vermittelt hatte. „Heute weiß ich, dass ich mir zu spät Gedanken gemacht habe, den Fußball wegzulassen, und den Beruf an die erste Stelle zu setzen.“

Nachdem er zu Beginn der Saison bei Türkisch SV Ingolstadt das Amt als Spielertrainer niederlegen musste, folgte ein Wechsel nach Pipinsried – für Richter ein Segen. „Mir macht es im Moment wieder unglaublich Spaß.“ Auch beruflich sind bessere Zeiten in Sicht. Er ist jetzt an den Punkt gekommen, an dem er unabhängig vom Fußball sein möchte. Derzeit bewirbt sich der Ex-Profi um eine Ausbildungsstelle als Versicherungskaufmann. Wann er seine Fußballschuhe an den Nagel hängt, weiß er noch nicht. „Wenn ich mit dem Fußball abschließe, dann endgültig“, betont Thomas Richter. „Im Moment ist aber nur wichtig, dass ich meine Ausbildung bekomme.“

Christoph Seidl

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