Trauer um Löwen-Idol Peter Grosser

Köllner: „Er wird über sein Leben hinaus ein Löwen-Denkmal sein“

Michael Köllner und Peter Grosser halten ein 1860-Trikot in die Kamera.
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Nicht nur über die Löwen miteinander verbunden: 1860-Coach Michael Köllner hat häufig mit Peter Grosser telefoniert.

Die Nachricht von seinem Tod hat die Münchner Vereine lagerübergreifend erschüttert. Peter Grosser machte sich in der Jugend es FC Bayern einen Namen, stieg beim TSV 1860 zum Kapitän der Meisterelf auf und hatte in verschiedenen Funktionen auch bei der SpVgg Unterhaching Erfolg. Entsprechend emotional fallen die Reaktionen aus.

Michael Köllner (Cheftrainer TSV 1860): „Ich hab’s vor ein paar Minuten erfahren und bin immer noch schockiert. Das ist eine schlimme Nachricht für uns Löwen. Letzte Woche hatte ich noch mit ihm telefoniert, vor dem Derby. Er hat bei mir immer angerufen und sich über die Mannschaft erkundigt, weil wir uns ja nicht persönlich treffen durften. Seit Januar ist mir extrem aufgefallen, wie einsam er sich gefühlt hat in dieser Pandemie. Ich glaube, das sind die Schattenseiten von Corona: Wir tun alles für Impfschutz und Kontaktvermeidung, aber am Ende sind die Leute alleine zu Hause. Das hat ihm schwer zugesetzt, so war zumindest mein Eindruck. Ich hoffe, dass er jetzt seine Ruhe und seinen Frieden findet. Er war einer der größten Spieler, die der Verein je hervorgebracht hat. Für die Löwen wird er über sein Leben hinaus ein Denkmal sein.“

Franz Hell (Fanlegende): „Das macht mich sehr traurig. Ich hab den Peter zuletzt vor ein paar Wochen gesehen, da war er am Trainingsgelände, vermutlich wegen eines Interviews. Ich habe ihn gefragt, wie’s ihm geht. Da hat er gesagt: ,Weißt ja selber…‘ Auf mich hat er da schon einen etwas angeschlagenen Eindruck gemacht. Als Fußballer war er genial. Im entscheidenden Spiel zur Meisterschaft, 1966 in Dortmund, war er mit dem Radi (Petar Radenkovic/Red.) zusammen der überragende Spieler auf dem Platz. Er hat die Mannschaft geführt und ein Supertor ins Kreuzeck geschossen. Bis zuletzt war er großer Unterstützer des Profifußballs bei 1860. Er hat viele Spiele in den unterschiedlichen Stadien angeschaut, zusammen mit seinen Kollegen aus der Meistermannschaft. Peters Traum war immer, dass wir noch mal in die Bundesliga aufsteigen, zumindest in die zweite. Er war absolut volksnah, hat mit jedem gesprochen und Autogramme gegeben. Für mich ist und bleibt er eine Legende. Die Guten sterben aus – jetzt sind’s nur noch sechs (Radenkovic, Rebele, Reich, Patzke, Heiß, Küppers/Red.).“

Karsten Wettberg (Kulttrainer): „Peter Grosser war zweifellos einer der technisch besten Fußballer, die 1860 je gehabt hat. Er war auch mein Vorgänger als Trainer in Unterhaching, wo er mir eine Topmannschaft hinterlassen hat. Ich bin sehr traurig, dass wir uns nicht mehr gesehen haben. Er hatte in letzter Zeit ein bisschen den Kontakt gemieden, kam nicht mehr zum Stammtisch, der wegen Corona auch kaum noch stattfinden konnte. Seit dem Tod seiner Söhne war er nicht mehr der gleiche Mensch wie früher, das hat ihn sehr erschüttert – und mich auch. Bis zuletzt hat den Peter der Fußball und auch die Entwicklung seines Vereins nicht losgelassen. Die Meisterlöwen werden immer weniger, das ist ein Jammer, aber so ist das Leben. Trotzdem bleiben sie unvergessen.“

Manni Schwabl (Haching-Boss, Ex-1860-Kapitän): „Man kann’s fast so sagen: Der Sport hat ihm ein superglückliches Leben beschert, aber außerhalb des Sports musste er leider viele persönliche Schicksalsschläge hinnehmen. Himmelhoch jauchzend als Kapitän der Meisterlöwen, zu Tode betrübt, weil er gleich zwei erwachsene Söhne auf tragische Weise verloren hat. Licht und Schatten des Lebens spiegeln sich in diesen beiden Extremen wider. Wir haben immer Kontakt gehabt, nur zum Schluss leider nicht mehr, weil keiner mehr in den Sportpark kommen durfte wegen Corona. Der Peter hat Fußball in jeder Faser seines Körpers gehabt. Als Trainer war er ja maßgeblich daran beteiligt, dass das kleine Haching zum Gallischen Dorf wurde und sogar zwei Jahre in der Bundesliga gespielt hat. Später war er noch im Präsidium und ehrenamtlicher Schiedsrichterbetreuer. Er wird fehlen!“

Karl-Heinz Rummenigge (Vorstands-Chef des FC Bayern): „An einem Tag wie heute weicht die sportliche Rivalität unter Vereinen dem tiefen Respekt und ehrlichen Andenken an eine große Persönlichkeit des Fußballs. Peter Grosser schrieb Münchner Fußballgeschichte. Der FC Bayern ist in Trauer vereint mit seinen Angehörigen und allen Freunden unseres Sports. Wir werden ihn nie vergessen.“

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