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„Total leer und traurig“: So fühlen sich die Löwen-Fans

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Von: Klaus Vick

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Richard Wagner.
Richard Wagner. © Schmidt

Am Dienstagabend verabschiedete sich der TSV 1860 München in die 3. Liga. Bei den Fans herrscht, Trauer, Wut und Frust.

München - Das Schlimmste ist wie immer der Tag danach. Wenn man aufwacht und sich die grausame Gewissheit einstellt: Ja, der Abstieg ist Realität. Daran ist nichts mehr zu ändern. Punktum. Der Löwe, ein ewiges Leiden – mit dem vorläufig traurigen Höhepunkt am Dienstagabend.

Mittwochmittag, Trainingsgelände des TSV 1860 an der Grünwalder Straße. Hier regiert Frust, Wut, Trauer, Enttäuschung. Von den Verantwortlichen und Spielern ist am Tag nach dem Abstieg natürlich weit und breit nichts zu sehen. Das Sichtfeld zum Trainingsplatz ist immer noch durch eine Plane verdeckt. Drei ältere Kiebitze schimpfen wie die Rohrspatzen: „Diese Abschottung hat nicht zu 1860 gepasst.“ Der Verein liegt in Trümmern. Das Trio kommt seit 50 Jahren zu den Löwen. Mit Bild und Namen wollen sie in der Zeitung nicht erscheinen. Sie sind maßlos empört. Wie es weitergeht? „Das weiß niemand. Wir sind kein normaler Verein mehr“, sagt einer.

Normal ist nichts bei den Löwen. Auch am Dienstagabend im Stadion nicht, als sich der Frust vieler Fans in übler Randale entlädt. Johannes Schencking ist mit seinen Freunden extra aus dem Münsterland angereist. Alle Löwenfans von Kindesbeinen an. Schencking sagt: „So ein Ende mit einem hässlichen Gesicht ist sehr schmerzhaft.“ Für die Ausschreitungen hat der 60-Jährige kein Verständnis. Der sportliche Niedergang sei Konsequenz eines schleichenden Prozesses, der sich über einige Jahre angekündigt habe, meint er. „Man hatte immer wieder die Hoffnung, dass sich die Situation durch personelle Rotationen bessern würde.“ Doch es funktionierte: Nichts! Schencking und seine Freunde Richard Wagner (54) und Helmut Schmidt (59) vom Fanclub Leo Westfalia plädieren für einen Neuanfang in der Dritten Liga. Und in die sportliche Leitung sollten Leute mit eingebunden werden, die mit dem Herzen an 1860 hängen und sich mit dem Verein identifizieren: „Miller, Trares, Störzenhofecker – das waren Typen.“ Da ist sich das treue Trio aus dem Münsterland einig.

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Katharina Höpfl war am Dienstag auch im Stadion. Die 65-Jährige ist „total leer und traurig“. Auf dem Platz habe keine Mannschaft gestanden: „Kein gemeinschaftlicher Wille, keine Konzentration, nur Fehlpässe.“ Ein älterer Herr am Nebentisch ruft herüber: „Das war die pure Arbeitsverweigerung, lauter Steher.“

Katharina Höpfl ist Mitglied auf Lebenszeit.
Katharina Höpfl ist Mitglied auf Lebenszeit. © Achim Schmidt

Zwei junge Fans, extra aus Freiburg angereist, äußern sich ähnlich: „So ein Spiel abzuliefern, ist eine Frechheit“, sagt Robin Becherer (22). Die Randale seien zu erwarten gewesen. „Es gibt immer ein paar Blöde.“ Der Frust habe sich über Jahre aufgestaut – und die Fans fühlten sich „verarscht“. Erklären können sich Robin Becherer und sein Bruder Lukas die sportliche Talfahrt nicht: „60 hat eine gute Fan-Basis und Geld.“ Alle Schuld auf den Investor zu schieben, sei zu einfach, sagen sie. Es solle nun mit Ismaik ein Neuanfang in der Dritten Liga erfolgen. Zwei andere Fans meinen, das beste wäre ein Neuanfang in der Regionalliga mit dem Trainer Daniel Bierofka. Sechzig – der gespaltene Verein.

Eines aber haben alle gemeinsam: Sie werden wieder kommen zu den Löwen. Die Fan-Basis beim TSV 1860, so scheint es, ist auch eine Geschichte für die Ewigkeit. Einmal Löwe, immer Löwe.

Alle Entwicklungen rund um den TSV 1860 finden Sie im News-Ticker.

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