1. tz
  2. Sport
  3. 1860 München

TuS Feuchtwangen: Pokalhelden freuen sich auf den TSV 1860 - „Nur nicht zweistellig“

Erstellt:

Von: Uli Kellner

Kommentare

Pokalhelden: Video-Interview mit Feuchtwangen-Torwart Jens Lindörfer und Steven Bartels, dem Torjäger der TuS. ulk
Pokalhelden: Video-Interview mit Feuchtwangen-Torwart Jens Lindörfer und Steven Bartels, dem Torjäger der TuS. ulk © ulk

Ein Bezirksligist aus Mittelfranken mischt den Totopokal auf. Der TuS Feuchtwangen kegelte Haching raus und trifft jetzt auf den TSV 1860 München.

München – Nach dem Erstrunden-Coup gegen Regionalliga-Tabellenführer Unterhaching (5:3 n.E.) hat der letzte verbliebene Kreissieger TuS Feuchtwangen sein Wunschlos bekommen und will an diesem Dienstag (18.30 Uhr) auch die Münchner Löwen aus dem Wettbewerb kegeln. Unser Interview mit Torhüter Jens Lindörfer, 22, und Stürmer Steven Bartels, 30, die dank ihrer Nervenstärke für Schlagzeilen gesorgt haben.

Steven, Jens, wie lebt es sich als Pokalhelden?

Bartels: Ich spiele jetzt seit 20, 25 Jahren für diesen Verein – und das ist ganz klar der Höhepunkt. So eine Sensation zu schaffen, ist schon ein echt gutes Gefühl.

Lindörfer: Da kann ich mich anschließen. Ich spiele auch schon seit 17 Jahren beim TuS und habe Zweifel, ob in naher Zukunft noch mal etwas Vergleichbares kommt. Selbst ehemalige Spieler im Alter von 50, 60 Jahren haben gesagt: So etwas ist einmalig. Es hat ein bisschen gedauert, bis man’s realisiert, aber es ist schon nicht verkehrt.

Wird man seither anders wahrgenommen?

Lindörfer: Das nicht, aber es kommen viele Sprüche – auf lockerer Ebene. Nachteile bringt’s keine mit sich.

Sie, Jens, brachten Unterhachings Stürmer mit mehreren Paraden zur Verzweiflung. Sie, Steve, haben den entscheidenden Elfmeter versenkt. Sind Sie immer so cool?

Bartels: Was heißt cool? Ganz ehrlich: Da ging mir schon was in die Hose rein, als ich den fünften Elfer schießen musste. Das war schon krass. Auch, dass jetzt wirklich die Sechzger kommen. Ich glaub, das wird noch mal eine ganz andere Hausnummer.

Lindörfer: Eigentlich war ich recht entspannt gegen Haching. Keiner hat irgendetwas von uns erwartet. Viele haben vorher gesagt: Wenn’s gut läuft, verlieren wir 1:4 – und 0:8, wenn es schlecht läuft. Unsere Devise war: Raushauen, was drin ist, und schauen, was geht. Was uns jetzt am Dienstag erwartet, übersteigt aber alles . . .

Vermutlich herrscht Ausnahmezustand im 12.500-Seelen-Städtchen. Wie macht sich das im Vorfeld bemerkbar?

Lindörfer: Extrem! Es melden sich Leute, von denen man Jahre nichts gehört hat: Wo krieg’ ich Karten her und so.

Bartels: Ähnlich wie bei mir. Kunden, die in Günzburg oder Ulm wohnen, haben mich angeschrieben: ,Ist es wahr, dass Ihr gegen 1860 spielt?’ Verrückt, was das für Kreise zieht. Ich fahre jeden Tag mit dem Rad zur Arbeit und sehe hier Plakate, dort Plakate – immer mit uns drauf, wie wir als Mannschaft jubeln. Ausnahmezustand trifft es recht gut.

Wird die Hütte voll?

Bartels: Definitiv. Ich rechne mit 2500 bis 3000 Leuten.

Die TuS war ja schon bei der Auslosung der ersten Runde heiß auf die Löwen. Gibt es so viele 1860-Fans im Team oder ist gar das Gegenteil der Fall?

Lindörfer: (lacht) Ich sag’s mal so: Bei uns in der Mannschaft sind fast alle Bayern-Fans – außer ein paar komischen Leuten, die für Dortmund oder den Club sind. Warum wir die Löwen wollen? Ganz einfach: Es war der größte, populärste Name im Lostopf. In der Gegend gibt es viele Sechzig-Anhänger, sogar einige Fanclubs. 1860 ist kein unwichtiger Verein hier.

Wenn man den Spitzenreiter der Regionalliga Bayern rausgehauen hat: Was gehört dazu, um auch den Tabellenführer der 3. Liga zu schlagen?

Bartels: Wie Jens vorhin sagte: Wir wollen es wie gegen Haching als Mannschaft angehen. Auf unserer Ebene funktioniert es nur über Geschlossenheit und Kampf. Spielerisch, da brauchen wir uns alle nichts vormachen, wird uns 1860 haushoch überlegen sein. Abschießen lassen will sich aber keiner von uns, das steht fest.

Gibt es eine Wunschmarke beim Ergebnis?

Bartels: Nicht zweistellig . . . Und das Hauptziel ist, dass alle unverletzt bleiben, gerade jetzt in der Ferienzeit.

Lindörfer: Eine Freundin von mir hat am Dienstag Geburtstag. Sie wünscht sich ein 2:1. Alles klar, hab ich gesagt, ich geb’s weiter. Und realistisch betrachtet: Fünf, sechs werden wir kriegen. Wenn’s weniger sind, nehmen wir das gerne mit. Hauptsache, wir verkaufen uns gut.

Angenommen, die TuS schafft die nächste Sensation: Dann ist der Weg in den DFB-Pokal frei, oder?

Lindörfer: Ne (lacht). Denn so wie ich uns kenne, verlieren wir dann gegen irgendeinen Landesligisten.

Das Interview führte Uli Kellner.

Auch interessant

Kommentare