Bei den Löwen knallt's

"Wollte nicht, dass sie zusammen den Platz verlassen"

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Torsten Fröhling (l.) schaltete sich schnell in den Zwist ein.

München - Bei den Löwen knallt's: Im Training kam es zu einem Eklat, und von Karsten Wettberg, Michael Hofmann und auch Christopher Schindler gab es deutliche Worte.

So richtig hingelangt haben die Löwen erst mit einem Tag Verspätung. Nach ihrer unterirdischen Leistung beim 0:2 in Karlsruhe, die am Ende dann doch noch zur Teilnahme an den Relegationsspielen gegen Holstein Kiel reichte, flogen am Montag im Training die Fetzen. Torhüter Stefan Ortega hatte Stürmer Rodri bei einer Grätsche schmerzhaft am Schienbein verletzt, der Spanier revanchierte sich postwendend mit einer Watschn. Kurzer Tumult auf dem Rasen, dann wurden die Streithähne getrennt. Ob es das war, was Christopher Schindler unmittelbar nach dem Schlusspfiff in Karlsruhe gefordert hatte? „Bei uns muss es jetzt knallen. Jeder sollte den Schuss gehört haben.“

Trainer Torsten Fröhling bezeichnete den Trainingsvorfall als „normal in dieser Phase. Alle sind enttäuscht. Da liegen die Nerven blank.“ Dass nur Ortega sofort von ihm in die Kabine geschickt wurde, erklärte Fröhling so: „Ich wollte nicht, dass die beiden zusammen den Platz verlassen.“ Ortega und Rodri erhalten als Strafe eine Abmahnung und eine Geldbuße.

Trainingszoff zwischen Rodri und Ortega: Bilder

Trainingszoff zwischen Rodri und Ortega: Bilder

Die hätte man auch der gesamten Truppe für die an Arbeitsverweigerung grenzende Leistung in Karlsruhe verpassen können. Kein Wille, kein Engagement, fußballerisch ein absolutes Nichts, kein Hauch einer Torchance – es war unfassbar. Nicht einmal die Aussicht, den gebuchten Urlaub rechtzeitig antreten zu können, setzt bei diesen Herrschaften Energien frei.

Es war der vorläufige Schlusspunkt unter eine total in die Binsen gegangene Saison. In der sage und schreibe 34 Spieler zum Einsatz kamen – der letzte war am Sonntag Vladimir Kovac – das sagt alles über den TSV 1860 2014/15. „Der Hauptschuldige dafür ist eindeutig Gerhard Poschner“, schoss der einstige Aufstiegstrainer Karsten Wettberg im BR in Richtung des Sportdirektors. „Die Mannschaft ist völlig falsch zusammengestellt worden. Aber Ratschläge hat Poschner ja nie annehmen wollen.“

Und der Herr Präsident? Milch und Honig hat Gerhard Mayrhofer den Mitgliedern bei seiner Wahl im Sommer 2013 versprochen, „Rock ’n’ Roll“ hatte er angekündigt, Schluss sein müsse „mit dem Löwen-Blues“. Dann soll er mal die Fans fragen, worauf die am Sonntagabend getanzt haben…

Torhüter-Legende Michael Hofmann, der schon seit Langem gerne einen Job beim TSV 1860 übernehmen würde, gab Präsidium und sportlicher Leitung ebenfalls bei Blickpunkt Sport kräftig eine mit: „Vielleicht war es doch ein Segen für mich, dass ich mit diesen Leuten nicht zusammenarbeiten musste.“

Jetzt klammern sich alle mehr oder weniger hilflos an die Relegation. „Wenn wir aber in Kiel wieder so auftreten wie in Karlsruhe, dann kriegen wir auch dort auf die Fresse“, sagte Christopher Schindler. „Wir hätten uns ja eigentlich mit der Leistung, die wir gegen den KSC gezeigt haben, gar nicht beschweren dürfen, wenn wir schon jetzt keine Chance mehr hätten. Es kotzt mich einfach nur an. Aber jetzt haben wir noch eine Chance geschenkt bekommen, und die müssen wir nutzen. Reserven müssten ja noch da sein, wenn man sich vor Augen hält, was wir heute abgeliefert haben.“ Oder ­besser: nicht abgeliefert haben…

Und die Fans hoffen weiter. Am Montag begann der Vorverkauf für das Heimspiel am Dienstag gegen Kiel. Und die Schlange vor dem Ticketschalter war bereits um halb neun in der Früh 200 Meter lang…

tz

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