Schlaflose Nacht im Hamburger Hotel

Tschauner und die Masochisten-Masche

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Auweia. Tschauner machte beim HSV "das schlechteste Spiel meiner Karriere".

Die Nacht war kurz für Philipp Tschauner. "Ich habe keine Minute geschlafen, das Spiel hat mir keine Ruhe gelassen".

Video: Das Pokal-Aus hat Tschauner um den Schlaf gebracht

So berichtete der Löwen-Keeper am Mittwochmorgen im Hamburger Flughafen der tz.

Drei Gegentore. An allen beteiligt. Ein Waterloo für jeden Torwart. Tschauner nahm die Bewältigung auf seine Weise in Angriff. Mit der Masochisten-Masche. Während Zimmerkollege Julian Baumgartlinger im Nebenbett schlummerte, sah sich der Torwart auf dem Laptop den neuen Will Smith Film an; „Sieben Leben“, ein düsteres Drama um Schuld und Sühne. Als Vorspeise kredenzte er sich einen Horror-Streifen: DFB-Pokal, HSV gegen Sechzig. In der Hauptrollen: Ivica Olic – und Philipp Tschauner.

Die Löwen beim HSV: Einzelkritik und weitere Bilder vom Spiel

Die Löwen beim HSV: Einzelkritik und weitere Bilder vom Spiel © 
Teil 1 der "Münchner Woche" haben die Hamburger gut überstanden. Am Freitag gegen den FC Bayern wird's vermutlich nicht ganz so locker laufen wie gegen die Löwen. © dpa
Sascha Rösler beim Kopfballduell mit Guy Demel. © fishing4
Durcheinander vor dem Löwen-Tor: In dieser Szene behält Tschauner aber die Oberhand. © fishing4
Ivica Olic auf dem Weg zum 1:0. © fishing4
Zack, der Ball ist versenkt. © fishing4
Die Bayern dürfen sich auf einen starken Stürmer freuen. © fishing4
Mladen Petric schirmt den Ball gegen Lars Bender ab. © dpa
David Jarolim beglückwünscht Olic zu dessen Treffer zum 2:0. © dpa
Der Mann des Spiels: Ivica Olic. © dpa
Löwen-Keeper Tschauner vor Guerrero am Ball. © fishing4
Stefan Aigner bedrängt Marcell Jansen... © fishing4
... doch der Hamburger schirmt den Ball geschickt ab. © fishing4
Alle wollten sie den Ivi herzen... © fishing4
Mathieu Beda hat gegen Jose Paolo Guerrero das Nachsehen. © dpa
Die Einzelkritik: Philipp Tschauner: Der Keeper erlebte einen schwarzen Abend. Rettete zwar in Durchgang zwei gegen den durchgebrochenen Petric, wirkte aber oft unsicher. Sein fahrlässiges Abspiel auf Berhalter leitete kurz vor der Pause das 0:1 ein. Ein Tor, dem Schiedsrichter Weiner wegen klarer Abseitsstellung freilich die Anerkennung hätte verweigern müssen! Note: 5 © fishing4
Markus Thorandt: Ließ auf seiner rechten Seite lange nichts anbrennen, kompensierte technische Mängel mit Laufstärke und Einsatzwillen. Gegen Olic sah er vor dem 0:2 freilich nicht gerade glücklich aus. Note: 3 © fishing4
Mathieu Beda: Im defensiven Mittelfeld ist der Franzose keine Verstärkung, in der Innenverteidigung durchaus zu gebrauchen. Ohne größere Fehler im Stellungsspiel, nach vorne allerdings viel zu zaghaft. Wird zu kämpfen haben, wenn Kollege Ghvinianidze wieder fit ist. Note: 4 © fishing4
Gregg Berhalter: „Petric und Olic sind mindestens so gut wie Toni und Klose", hatte der Abwehrchef im Trainingslager auf Teneriffa gewarnt. Gestern bekam er die Bestätigung. Berhalters Leistung war nicht übel, bei Olics 0:3 reagierte er zu langsam. Note: 4 © dpa
Fabian Johnson: Hatte einen schweren Stand auf links gegen Trochowski & Co. Nicht immer Herr der Lage. Ob ihm das Glück auch gegen Freiburg hold ist? Note: 4 © dpa
Sven Bender: Rackerte wie ein Berserker im defensiven Mittelfeld, erkämpfte Bälle, stellte Passwege zu. Reife Leistung. Note: 3 © dpa
Lars Bender: Sein Einsatz war wegen der gerade erst auskurierten Innenbandzerrung im Knie lange ungewiss, zahlte sich jedoch aus. Stark als Balleroberer, umsichtig als Passgeber. Unverzichtbar für die Löwen. Note: 3 © fishing4
ab 76.: Pourie: o.B. © Sampics
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Stefan Aigner: Ein frecher Hund, nicht nur mit dem Mundwerk. Der Urbayer aus Lochham bei Holzkirchen hat die darbende rechte Seite der Löwen wieder zum Leben erweckt. Schön herausgespielte Chance nach acht Minuten, Hamburgs Aogo bekam ihn nie richtig in den Griff. Das Foul gegen HSV-Keeper Rost und die gelbe Karte hätte sich Aigner freilich sparen können. Note: 2 © fishing4
ab 86.: Holebas: o.B. © Sampics
Daniel Bierofka: Mit Fäden in der noch nicht ganz verheilten Ferse lieferte der Kapitän gegen die starke rechte Seite der Hamburger eine ordentliche Partie. Die Belohnung: das Tor zum 1:3. Zur Galaform fehlt noch ein Stück (Fitness). Note: 3 © Sampics
Sascha Rösler: „Er ist der Typ Drecksack auf dem Platz, den wir brauchen", freute sich Daniel Bierofka über die Verpflichtung des Oberschwaben. Kostproben gab’s gestern einige zu sehen. Mit Demel und Mathijsen lieferte sich Rösler heftige Wortgefechte. Spielerisch blieb sein Beitrag allerdings doch sehr übersichtlich. Note: 4 © fishing4
Benny Lauth: Mangelnde Durchsetzungskraft hat ihm HSV-Legende Uwe Seeler in der tz bescheinigt. Gestern war Benny an alter Wirkungsstдtte viel unterwegs, konnte aber keine entscheidenden Akzente setzen. Note: 4 © Sampics

Video: Tschauner patzt - Spielt jetzt Hofmann?

„Ich habe mir vom Verein die DVD geben lassen und das ganze Spiel nochmal angeschaut“, berichtete Tschauner. „Speziell natürlich die Gegentore. Mit Zurückspulen. Damit ich alle Fehler nochmal vor Augen habe.“

Verstehen um zu vergessen? „Das ist meine Art, die Dinge aufzuarbeiten“, sagt Tschauner. „Du kannst aus allem lernen.“ Altmeister Michael Hofmann stimmt zu: „Ehrlichkeit zu sich selbst ist das Wichtigste in diesem Beruf. Philipp ist ein junger Torwart, er wird aus diesem bitteren Abend gestärkt hervorgehen.“

Moralischer Beistand vom Konkurrenten? „Michi und ich haben ein gutes Verhältnis“, sagt Tschauner, „das ist nicht mehr nur oberflächlich. Er kann sich durch seine Erfahrung in mich reinversetzen und weiß, aus welchen Holz Torhüter sind. Wir analysieren Spiele gemeinsam und er gibt mir Tipps wo er kann.“ Auf weitere Hilfe aus dem Kollegenkreis könne er allerdings verzichten. „Ich bin ein Typ, den solche Auftritte ganz alleine zum Arbeiten zwingen. Am Sonntag gegen Freiburg werde ich eine andere Partie abliefern.“

Auch wenn ihm Trainer Marco Kurz den Rücken stärkte („Es gibt überhaupt keine Torwartdiskussion!“) – Tschauner spürt den gestiegenen Druck. „Ich stehe jetzt in der Schuld“, sagt er, „ich will auf dem Platz was zurückzahlen.“ So wie in der Hinrunde beim 1:0 in Rostock, als er mit Glanzparaden den Sieg ermöglichte. Tschauner: „Ganz klar. So ein Spiel wie in Rostock bin ich der Mannschaft jetzt schuldig.“

Quelle: tz

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