Phänomen Mölders und Transferpolitik als Trümpfe

Vorrunden-Analyse des TSV 1860: Das macht die Löwen so stark

Schnell angekommen: Winter-Neuzugang Merveille Biakadi (Nummer 19) überzeugte auf Anhieb. 
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Schnell angekommen: Winter-Neuzugang Merveille Biakadi (Nummer 19) überzeugte auf Anhieb. 

Der Traum von der Rückkehr in die 2. Bundesliga lebt beim TSV 1860. Eine Analyse zur starken Drittliga-Vorrunde der Löwen in der Saison 2020/21. 

  • Nach dem Abschluss der Vorrunde steht der TSV 1860 in der Tabelle der 3. Liga auf dem Relegationsaufstiegsplatz zur 2. Bundesliga
  • Seit Trainer Michael Köllner im Amt ist, zeigt die Kurve der Löwen kontinuierlich nach oben. 
  • Die große Analyse zur ersten Saisonhälfte der Blauen in der Saison 2020/21.

München – Das Flutlicht im Grünwalder Stadion war bereits am Erlöschen, da strahlten Michael Köllners Augen noch immer. „Nach so einem Spiel bin ich mehr Fan als Kritiker“, sagte der 1860-Coach über den hart erkämpften 1:0-Sieg gegen den Aufstiegsrivalen aus Ingolstadt, mit dem sich die Sechziger die gewünschte Kirsche auf ihre 33 Punkte hohe Hinrunden-Torte setzten. Köllners launiges Fazit zum blauen Bergfest: „Wenn ich Anfang August gesagt hätte, dass wir nach der Hinrunde zwei Punkte hinter dem Tabellenführer liegen, dann hätt’s geheißen, der hat die Sommerpause nicht gut verkraftet und ein paar zu scharfe Tabletten eingeworfen.“ Was die Löwen in dieser Saison so stark macht? Unsere Zeitung öffnet die Giesinger Pillendose.

Kein Ballast für Trainer Michael Köllner

Während Köllner in der Vorsaison die Hypothek des schwachen Starts unter Daniel Bierofka mitschleppen musste (17 Punkte nach 14 Spielen) und eine Stilkorrektur im laufenden Betrieb vorzunehmen hatte, ist die Mannschaft heuer seit Beginn auf Selbstbewusstsein steigerndem Erfolgskurs. Im Vergleich stehen nach 19 Spieltagen nicht nur sieben Punkte mehr zu Buche, sondern auch ein um 20 Treffer besseres Torverhältnis. Und das ganz ohne Zuschauer.

Stabilität und Balance der Mannschaft 

Aus ihrer Mini-Krise im Spätherbst mit drei Unentschieden und zwei Niederlagen gegen Dynamo Dresden und Viktoria Köln haben die Löwen die richtigen Lehren gezogen. Nach Führungen wird nicht mehr zurückgeschaltet und um Gegentore gebettelt, sondern weiter konzentriert und mutig gearbeitet. Der Lohn: souveräne Siege gegen schwache Gegner wie Mannheim (5:0) und Kaiserslautern (3:0), verdiente, wenngleich auch etwas glückliche Siege gegen starke Gegner wie Bayern II und Ingolstadt. Dazwischen ein Sieg der Moral beim 2:2 nach 0:2 gegen Wehen. Köllner: „In fünf Spielen viermal zu null, das ist schon eine Hausnummer.“

Spieler wie Weber, Paul, Karger, und Gebhart wurden aussortiert, weggebrochene Stützen wie Rieder und Bekiroglu bislang gut kompensiert. Stephan Salger etablierte sich rasch als Abwehrchef, Richard Neudecker ist als wuseliger Ideengeber kaum mehr wegzudenken. Schon lange hat die Zu-/Abgangs-Bilanz bei 1860 nicht mehr so positiv ausgesehen. Und auch Winter-Neuling Merveille Biankadi kommt schnell in die Gänge. Gegen Bayern II sorgte er mit seinem Tor zum 2:0 für die Entscheidung, am Montag schickte er Sascha Mölders auf die Reise zum Siegtreffer. „Welcher Neuzugang hilft dir in den beiden ersten Spielen schon zu sechs Punkten?“, lobte Köllner. „Aber Merv weiß auch, dass er noch arbeiten muss. Wenn du in jedem Training siehst, dass noch Luft ist, dann bist du automatisch geerdet.“

Das Phänomen Sascha Mölders

Köllner machte das Meringer Mentalitätsmonster zum Kapitän, der fast 36-jährige Mölders zahlt mit Leistung zurück. 13 Tore sprechen für sich. Dass Mölders’ Motivation auch aus der Abneigung gegen angeblich neunmalkluge Medien gespeist wird? Ja mei. „Ihr habt uns alle als Abstiegskandidaten gesehen“, raunzte er dem Magenta-Reporter am Montag ins Mikrofon. „Deshalb sind wir froh, dass wir Dritter sind.“ Gern geschehen. 

(LUDWIG KRAMMER)

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