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TSV 1860: Abwehr wieder dicht, Sturm treffsicher - 2022 kann kommen

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Von: Uli Kellner

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Anthony Power hält im Mannschaftskreis der Löwen eine Ansprache.
Auf ein erfolgreiches 2022: Ismaik-Mann Anthony Power als Motivator im Mannschaftskreis der Löwen. © Stefan Matzke / Sampics

Mit zwei Zu-null-Siegen endete das Löwen-Jahr 2021. Der Neuanfang ohne Sascha Mölders weckt Hoffnung, auch bei Hasan Ismaik, der sagt: „Alles ist noch möglich.“

Montagabend in der Würzburger Flyeralarm Arena: Ismaik-Mann Anthony Power steht inmitten der erneut siegreichen 1860-Profis (3:0) und hält eine kurze, emotionale Ansprache. Eine Szene, die als Sinnbild taugt: Die Löwen – sie haben nach turbulenten Wochen doch noch einen versöhnlichen Jahresabschluss hinbekommen. Alle feierten zusammen – und alle eint die Hoffnung, dass 1860 ohne Sascha Mölders wieder zu einer Einheit geworden ist, der 2022 einiges zuzutrauen ist. Sieben Punkte trennen den Tabellenzehnten von der Aufstiegszone – und mindestens sieben Mutmacher nimmt 1860 mit ins neue Jahr.

Die Null steht wieder

15 Gegentore in fünf Spielen – am Ende ihrer Novemberkrise, die noch in den Dezember ausstrahlte (2:5 gegen Magdeburg), war den 1860-Bossen klar: So geht’s nicht weiter! Sportlich wurde ein Neuanfang ohne Kapitän Mölders beschlossen, ebenso wichtig war aber Köllners Umstellung auf ein laufintensives, kompaktes Spielsystem (3-4-1-2), das in Würzburg Umschalttore wie aus dem Lehrbuch ermöglichte. 3:0 in Würzburg, zuvor 2:0 in Dortmund – die Null steht wieder an der richtigen Stelle.

Sturmduo Lex/Bär

One-Man-Show war gestern – seit dem Abpfiff für Mölders haben die Löwen zwei Torjäger, die die 3. Liga rocken. Stefan Lex und Marcel Bär glänzten in beiden Spielen der Post-Mölders-Ära als variables Sturmduo, das in Dortmund Köpfchen bewies und sich in Würzburg die Tore gegenseitig auflegte. „Dass die Stürmer jetzt treffen, passt irgendwie“, sagte Goalgetter Bär (Quote 8/19) und fügte eilig hinzu: „Ich persönlich find’s schade, dass Sascha nicht mehr da ist.“

Köllners Kreativität

Selbst an den treuen Biersponsor dachte Köllner nach dem 3:0-Sieg in Würzburg („Jetzt trinken wir im Bus noch ein schönes Hacker Pschorr“), doch das ist nur eine von vielen Facetten, die den Oberpfälzer für 1860 so wertvoll machen. Was ebenfalls für Köllner spricht, ist seine Gabe, Krisen als Chancen zu begreifen. Anstatt Ausfälle zu bejammern, verschiebt er so lange Spieler im schmalen Kader, bis das Puzzle wieder passt. Zehner Yannick Deichmann half lange als Rechtsverteidiger aus, Stürmer Fabian Greilinger wurde zum Linksverteidiger umgeschult – und am Montag durfte Tim Linsbichler auf der ungewohnten Neudecker-Position hinter den Spitzen ran (was nur so mittel klappte). Köllner ist selten um eine kreative Lösung verlegen – zur Not lässt er sich halt taktisch was einfallen.

Enge Tabelle

Weihnachten auf Platz zehn – für den Vorjahresvierten 1860 keine schöne Momentaufnahme, aber eine, die erträglich wird, wenn man die Tabelle etwas genauer studiert. Nicht nur der tiefblaue Löwen-Fan denkt sich da: Meppens Höhenflug wird enden, auch der Zweite Braunschweig ist nur sieben Punkte weg – und dazwischen parken jede Menge ambitionierte Clubs, die sich die Punkte gegenseitig abnehmen werden. Schon Wehen, zwei Plätze und einen Zähler besser als 1860 dastehend, wird beim 2022-Startschuss am 15. Januar ein Schlüssel(heim)spiel.

Wintertransfer

Holen die Löwen trotz leerer Kassen einen Ersatz für Ex-Kapitän Mölders? Köllner schien mehr zu wissen, als er im Interview bei MagentaSport sagte: „Wir haben eine gute Vereinsführung. Bis jetzt wurden mir alle Wünsche erfüllt.“

Ruhe im Verein

Das Problem Mölders wurde am Nachmittag des vierten Advents gelöst – mit warmen Worten und rechtzeitig genug, um das heikle Thema nicht mit in die Weihnachtspause zu schleppen. Hätten die Löwen das früher auch so geräuschlos hingekriegt? Zweifel sind erlaubt – wie das neue 1860 überhaupt eine professionelle Harmonie ausstrahlt. Passend dazu schrieb Hasan Ismaik nach dem Jahresabschlusssieg: „Das habt ihr gut gemacht. Mit großem Teamgeist und veränderter Taktik habt ihr aus den letzten zwei Spielen sechs Punkte geholt und kein Gegentor zugelassen. Das ist 1860, wie wir es uns alle wünschen. Mit diesem Willen ist in der Rückrunde alles möglich.“

Vorbild Kickers

Mut macht ausgerechnet der unterlegene Gegner vom Montag. Als die Liga vor zwei Jahren Pause machte, hatten die Kickers 27 Punkte auf dem Konto und überwinterten auf Tabellenplatz 13. Am Ausgang der Story ziehen sich die Löwen mit ihren jetzt 29 Punkten hoch: Würzburg kam nach den Winterferien ins Rollen, holte 37 Punkte in den verbleibenden 18 Spielen und eroberte nach einem hochdramatischen Saisonfinish den zweiten Aufstiegsplatz (hinter Bayern II).

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