TSV 1860: Mühsamer Arbeitssieg im Totopokal

Von Köllner auf der Toilette stark geredet: Birkenfelds Torwart ärgert 1860

1860-Angreifer Johann Djayo im Duell mit einem Kreisliga-Spieler des SV Birkenfeld
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Der Einsatz hat gestimmt: Doppeltorschütze „Hansi“ Djayo im Duell mit SVB-Vorstand Philipp Schebler.

Erst sechs Stunden im Stau - und dann war auch der Weg zum Tor des Kreisligisten Birkenfeld lange nicht frei. Djayo und Cocic erlösen Köllners Bubi-Löwen spät.

Birkenfeld - 343 Kilometer einfach sind es von der Grünwalder Straße 114 in München-Giesing bis ins unterfränkische 2000-Seelendorf Birkenfeld. Selbst bei halbwegs flüssigem Verkehr benötigt man knapp vier Stunden auf der stauträchtigen A 9 – zumindest für Michael Köllner, den stets positiv denkenden Trainer des TSV 1860, keine vergeudete, sondern eine gewonnene Zeit. „Ich fahre gerne mit unserem Bus“, sagte er vor dem am Mittwochabend mühsam mit 3:0 (0:0) gewonnenen Totopokal-Auftaktspiel beim Kreisligisten SV Birkenfeld, listig einen Gruß an den Fahrzeug-Sponsor einflechtend: „Dank unserem Partner MAN haben wir einen sehr angenehmen Bus. Ich nehme da was zu lesen mit, schlafe oder nutze meinen Platz als Büro.“ Zu erledigen ist schließlich immer was, zum Beispiel die Spielvorbereitung für das Derby gegen Türkgücü am Samstag (14 Uhr, Grünwalder Stadion).

Statt der veranschlagten vier hatte Köllner überraschend sogar sechs Stunden Zeit für seinen Trainer-Bürokram. Dem modernen 1860-Bus erging es nicht anders als den normalen Pkw mit Nummernschildern aus halb Europa. Es ist Ferienzeit – vom Teamorganisator des Drittligisten offenbar halbherzig berücksichtigt. Um 18 Uhr war der Anpfiff in Birkenfeld geplant, bei einem Kreisligaverein, der seit der Auslosung keine sieben Tage Zeit hatte, um eine perfekte Organisation hinzukriegen. Um 18.08 Uhr fuhr der stark verspätete Löwen-Bus am Sportgelände vor, der Anpfiff wurde auf 18.45 Uhr verlegt. Immerhin: Die nur mit 14 Spielern angereiste Köllner-Truppe brauchte dann gerade mal sieben Minuten, um in ihrer dunkelblauen Auswärtsmontur zum Warmmachen auf den Platz zu joggen. Fliegendes Umziehen – passend zum sympathischen Provinzambiente.

Im Spiel war zunächst nichts von dicken 1860-Beinen zu spüren. Bereits nach einer Viertelstunde waren sich die Einheimischen auf der Naturtribüne hinter der Lärchen-Baumreihe einig: Als Mann des Spiels kommt nur SVB-Keeper Julian Konrad in Frage, ein bekennender Bayern-Fan. Im Minutentakt parierte der 27 Jahre alte Elektroniker ein halbes Dutzend Kopfbälle und Schüsse von Tim Linsbichler, Lorenz Knöferl, Kevin Goden und Co.. Es war ein unterhaltsamer Auftakt – und passend dazu tauchte die Abendsonne den idyllischen Dorfplatz in ein fast kitschiges Spätsommerlicht.

Birkenfeld feiert Keeper Julian Konrad, einen bekennenden Bayern-Fan

Jedoch: Je mehr Konrad gefeiert wurde, desto unzufriedener wurde Köllner vor den Bierbänken des Mittelranges. Die limitierten Feierabendkicker des SV Birkenfeld schafften es tatsächlich, ihr Tor bis zum Halbzeitpfiff sauber zu halten. Mit donnerndem Applaus wurden die Gastgeber in ihr Sportheim begleitet, bei 1860 hingegen sah man ratlose Gesichter – und einen humpelnden Linsbichler. Der Stürmer, den Köllner nach einjähriger Verletzungspause „integrieren“ wollte, musste vorzeitig raus. Bereits nach einer halben Stunde lag er auf dem Rasen, sich den Oberschenkel reibend. Aber: Nur eine Prellung, halb so wild. Neben der Bandage trug der Österreicher zur Pause auch den Behälter mit den Trinkflaschen zur Kabine.

Auffälligster Akteur in Köllners U 22-Auswahl: Leandro Morgalla, das 16 Jahre alte Innenverteidigertalent. Den erlösenden Doppelpack schoss dann aber ein anderer: „Hansi“ Djayo, einmal im Fallen abstaubend (53.), einmal per Kopf (60.) gegen müde gespielte Dorfkicker. Der für Linsbichler eingewechselte Cocic machte im Dämmerlicht den Deckel drauf (86.) – ein 3:0-Arbeitssieg, aber alles andere als eine Glanzleistung von Köllners Bubi-Löwen.

Gefeiert wurden dann auch zu Recht die Gastgeber – mit Ehrenrunde und Flaschenbier zu Discomusik. Köllners Fazit: „Wir hatten uns das heute ein bisschen anders vorgestellt. Leider habe ich vor dem Spiel auf der Toilette den Birkenfelder Torwart getroffen und ihm ein bisschen zu viel Mut zugesprochen.“ Im Totopokal geht’s für 1860 nächste Woche im Frankenland weiter – mit einem Ausflug zur BSC Saas Bayreuth.

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