TSV 1860: Auf Augenhöhe mit der 2. Liga

Köllner nach Pokalkrimi gegen Zweitligist Darmstadt: „Kein Klassenunterschied erkennbar“

Marco Hiller und Stephan Salger umarmen sich nach dem erfolgreichen Elfmeterschießen gegen Darmstadt.
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Emotionale Pokalnacht: Marco Hiller und Stephan Salger, die 1860-Protagonisten beim Krimi am Elfmeterpunkt.

Am 5. September wird die 2. Runde im DFB-Pokal ausgelost. Die Löwen sind erstmals seit Jahren dabei, und sie haben viel Selbstvertrauen getankt gegen Darmstadt.

Es war schon nach Mitternacht, als Michael Köllners Geduld ein weiteres Mal auf die Probe gestellt wurde. Pressekonferenz zur Geisterstunde – und auch die ging in die Verlängerung, weil ein Darmstadt-Reporter Torsten Lieberknecht mit Detailfragen quälte. Köllner nebenan hörte zu und schmunzelte in sich rein. Kann man mal aushalten, so eine Sonderschicht, wenn das eigene Team zuvor 4158 Fans (minus Gäste-Anteil) und auch den eigenen Trainer glücklich gemacht hat. Als Lieberknecht dann endlich zum Bus durfte und Köllner dran war mit seinem Fazit, da sagte der 1860-Coach: „Wir hatten uns vorgenommen, im DFB-Pokal die zweite Runde zu erreichen. Uns war klar, dass Darmstadt ein machbares Los für uns ist – und ich denke, das hat sich heute auch gezeigt.“

Sicher: Der Zweitligist war geschwächt angetreten, weil eine halbe Mannschaft coronabedingt fehlte. Verschweigen sollte man auch nicht, dass die 1860-Führung durch Phillipp Steinhart glücklich war (75./Biankadi stand im Abseits und versperrte 98-Keeper Schuhen die Sicht), während sich bei Luca Pfeifers Ausgleich fünf Minuten später nicht nur Dennis Dressel etwas naiv hatte wegdrängen lassen. Festzuhalten ist auch, dass sich 1860 durch die Verlängerung schleppte, nachdem zahlreiche Routiniers entkräftet ausgewechselt wurden (u.a. Mölders, Moll, Lex, Bär). Aber, hielt Stephan Salger, der finale Schütze beim Elfmeterkrimi, fest: „Jeder hat gekämpft, geackert, sich in die Bälle reingeworfen. Das Weiterkommen war unser Ziel – und das haben wir geschafft.“

 Wir waren schon im Mittelkreis relativ optimistisch, dass ich gar nicht mehr schießen muss.

Stephan Salger, finaler 1860-Schütze im Elfmeterkrimi.

Das Wanken in der Schlussphase – zu vernachlässigen für Köllner, der die Auffassung vertritt: „Morgen fragt da kein Mensch mehr nach.“ Weil schließlich auch Glück und Geschick dazugehören, wenn man in der 119. Minute eine allerletzte Gäste-Chance schadlos übersteht, um am Punkt dann gleich beim ersten Gäste-Elfer die Richtung vorzugeben (jeweils Marco Hiller gegen Patric Pfeifer). „Wir waren schon im Mittelkreis relativ optimistisch, dass ich gar nicht mehr schießen muss“, berichtete Salger, der nach den souveränen Treffern von Steinhart, Tallig, Dressel und Staude den Schlusspunkt setzte. Hiller sagte zu seiner rettenden Vorleistung beim Kopfball des späteren Fehlschützen: „Es wäre wahnsinnig ärgerlich gewesen, wenn wir eine Minute vor Schluss 1:2 verlieren. Dann schauen wir uns alle an und wissen nicht, wie das passiert ist.“

Und so ging eine „lange Nacht in Giesing“ (Köllner) nahtlos in drei Erholungstage über. Der 1860-Coach weiß: So ein wilder Ritt über 120 Minuten plus Elferkrimi kostet Kraft. Und ebenso wusste er: Teil eins einer langen Saison, die Trainer und Team in kleine Etappen einteilen, haben die Löwen mit Erfolg hinter sich gebracht. Es klang wie ein Zwischenzeugnis, als Köllner zu nächtlicher Stunde anmerkte: „Ich denke, unter dem Strich war heute kein Klassenunterschied erkennbar.“ Was er nicht sagte, aber wahrscheinlich meinte: Auch schon beim 1:0 gegen Absteiger Würzburg und beim 0:0 gegen Vorjahresabsteiger Wehen hatten seine Spieler bewiesen, dass sie mithalten können, wenn sich ihnen Gegner mit Zweitliga-Aura in den Weg stellen.

So kann es weitergehen, findet auch „Hexer“ Hiller, der sich an Adrenalinbäder wie bei der langen Giesinger Pokalnacht gewöhnen könnte („Der Wahnsinn!“). Ein Kontrastprogramm gibt es bereits am Mittwoch: Auftaktrunde Totopokal beim unterfränkischen Kreisligisten SV Birkenfeld. Köllner sagte: „Auch im bayerischen Landespokal wollen wir seriös weiterkommen.“

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