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Köllner nach 0:4 in Magdeburg: „Wir werden unsere Lehren aus diesem Spiel ziehen“

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Von: Uli Kellner

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Die Mannschaft des TSV 1860 nach der 0:4-Niederlage in Magdeburg.
Statisten – im Spiel und bei Magdeburgs Meisterparty: Die mit 0:4 unterlegene Mannschaft des TSV 1860. © Sampics / Stefan Matzke

Kein Mumm und als Quittung vier Gegentore. Magdeburgs Wucht hat 1860 nichts entgegenzusetzen. Das Aufstiegswunder bleibt aus, und sogar Platz 4 wackelt jetzt.

Auch bei diesem letzten Magdeburger Vorstoß gab es keinen nennenswerten Widerstand der Münchner Reisegruppe. Im Trubel der Meisterfeier fiel FCM-Stürmer Sirlord Conteh ein, dass er seine Zahnbürste in der Auswärtskabine liegen hatte (warum auch immer). Prompt öffneten die Löwen die Tür zu ihrem Revier – wie zuvor viermal in einem Duell zwischen einer entfesselten Partytruppe und (zu) braven Gästen. Condé hatte in der 51. Minute den Torreigen eröffnet, später trafen noch Ito (75.), Atik (90.+1) und Kwarteng (90.+3). Fertig war eine 0:4-Klatsche, die den Tabellenvierten aus den letzten Relegationsträumen riss. Bitter aus 1860-Sicht: Die Niederlage fiel ähnlich deutlich aus wie im Hinspiel (2:5), das den gesamten Verein in eine Sinnkrise gestürzt hatte. Noch bitterer: Alle Ergebnisse hätten am Ende für ein „blaues Wunder“ gepasst (Braunschweig 2:3 in Meppen, Kaiserslautern 0:2 in Köln), nur das der Löwen nicht.

Alle spielen für 1860, nur 1860 selber nicht

Die schmerzhafte Frage lautete diesmal: Ist der souveräne Drittligameister leistungsmäßig so weit vom drittbesten Rückrundenteam entfernt, wie es an einem sonnigen Samstag auf der Magdeburger Feierbühne den Anschein hatte? Wer nur den 1860-Auftritt an diesem vorletzten Spieltag in die Bewertung einfließen lässt, konnte analog zum Ergebnis eine weitere 0:4-Niederlage registrieren. In einem ohrenbetäubenden Stadion (0:1) spielte Magdeburg hinreißenden Offensivfußball (0:2), mit dem Meisterkicker ohne Mentalauszeit (0:3), viele von ihnen aus unteren Ligen kommend (0:4), für Begeisterung sorgten, auch beim neutralen Publikum. 1860 dagegen: Am Samstag hasenfüßig unterwegs, ohne Mumm, ohne Glaube an das Wunder, das Michael Köllner im Vorfeld heraufbeschwören wollte.

 Ich weiß nicht, ob die bisher gar nicht gefeiert haben – zumindest wirkte es so.

1860-Kapitän Stefan Lex über die Dominanz der Magdeburger Meisterkicker.

Der Trainer muss sich die Frage gefallen lassen: War es wirklich sinnvoll, die zuletzt bestens funktionierende Grundordnung (4-1-4-1) zugunsten einer neu formierten Fünferkette über den Haufen zu werfen und dafür einen formstarken Spieler wie Erik Tallig zu opfern? Kapitän Stefan Lex räumte die Überlegenheit des Meisters unumwunden ein. „Ich weiß nicht, ob die bisher gar nicht gefeiert haben – zumindest wirkte es so“, sagte er, attestierte sich und seinem Team „Angst vor der eigenen Courage“ und gab zu: „Die steigen völlig zurecht auf, muss man sagen. Es ist die einzige Mannschaft, die in beiden Spielen klar besser war als wir. Das müssen wir leider akzeptieren.“

Köllners Erklärungen dagegen klangen wie eine nachträgliche Kapitulation. „Wenn du hier was gewinnen willst, musst du selber in Führung gehen“, sagte er: „Durch Biankadi hatten wir eine klare Torchance, haben es aber leider nicht geschafft. In der zweiten Hälfte hat man dann gesehen: Wenn wir das Feld aufmachen, dann läufst du extrem hinterher. Das wollten wir vermeiden.“ Auf die Frage, ob Magdeburg – beide Spiele zusammengenommen – wirklich sieben bzw. 9:2 Tore besser sei, sagte er: „So viel besser, glaube ich nicht. Aber natürlich hat man gesehen, dass wir gegen solche Mannschaften einen Toptag erwischen müssen. Das ist uns in beiden Spielen nicht gelungen. Magdeburg ist eine Übermannschaft in dieser Saison gewesen – das muss man leider auch anerkennen.“

Jetzt geht es darum, dass wir noch unser Nahziel, den vierten Platz, erreichen. Ich möchte schon, dass der Verein nächste Saison wieder im DFB-Pokal spielt.

1860-Trainer Michael Köllner

Am Ende, urteilte Köllner, „spielen wir trotzdem eine sehr gute Rückrunde. Jetzt geht’s für uns darum, dass wir den vierten Platz im eigenen Stadion klarmachen.“ Gegner im Saisonfinale dahoam ist Dortmund II (Samstag, 13.30 Uhr) – und durch die Ergebnisse der Konkurrenz ist der Druck ähnlich hoch wie in Magdeburg. Am Samstag waren die Löwen nur Statisten – das soll sich nicht wiederholen, sagte Köllner, während hinter ihm die MDCC-Arena brodelte: „Wir werden unsere Lehren aus diesem Spiel ziehen. Die Dinge sind in der Planung. Jetzt geht es darum, dass wir noch unser Nahziel, den vierten Platz, erreichen. Ich möchte schon, dass der Verein nächste Saison wieder im DFB-Pokal spielt.“

Mit ihm? Es sieht danach aus. Köllner: „Normal geht dieses Spiel 0:2 aus.“ Aus seiner Sicht wäre es „fatal“, Entscheidungen zu revidieren, „weil in der 90+3. Minute noch zwei Tore fallen“.

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