TSV 1860: Dämpfer in Duisburg

Rot und Elfer als „Doppel-Handicap“ - Erdmann zieht die Löwen runter

Dennis Erdmann blickt frustriert zu Boden.
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„Taktisch nicht gut verhalten, das weiß er selbst“: Michael Köllner über Dennis Erdmanns Sinnlos-Foul, das zu einem „Doppel-Handicap“ führte.

War‘s das für den TSV 1860 im Aufstiegskampf? Die 0:1-Niederlage in Duisburg wirft die Löwen in der Tabelle zurück und sorgt für Frust. Michael Köllners Team war lange gut im Spiel - bis das Strafraum-Gezerre von Dennis Erdmann alles änderte...

  • Rot für Erdmann, Elfmeter für Duisburg - „quasi ein Doppel-Handicap“ (Köllner).
  • Der Rückstand auf den Relegationsplatz wächst.
  • Kreuzbandpatient Quirin Moll nicht zu ersetzen, war womöglich ein Fehler.

In der 52. Minute wurde die Aufstiegshoffnung der Löwen in den matschig-braunen Rasen der Schauinsland-Reisen-Arena gezogen. Dennis Erdmann war es, der den Arm seines Gegenspielers Aziz Bouhaddouz einklemmte und den Sturmhünen nach ein paar Metern Paarlauf endgültig zu Fall brachte. So unnötig das Foul war, weil Marco Hiller schon aus seinem Tor geeilt war, so eindeutig war das Strafmaß: Rote Karte für Erdmann und Strafstoß für den MSV Duisburg. Moritz Stoppelkamp schnappte sich den Ball und verwandelte sicher. 1:0 hieß es nun in einem Spiel, das die Löwen vor der Pause dominiert hatten. Es blieb dabei, weil Erdmanns Eselei die Statik des Spiels veränderte.

Da muss er vorher den Ball schon löschen oder wegbleiben.

1860-Coach Michael Köllner über Dennis Erdmanns ungestümes Foul an Aziz Bouhaddouz.

Immerhin: Erdmann war anständig genug, sich nach seiner Sinnlos-Aktion zügig aus dem Staub zu machen. Er reichte Bouhaddouz die Hand – und überließ die Bewertung seinem Trainer, der mit bewundernswertem Gleichmut auf die Folgen der Notbremse hinwies. „Das war quasi ein Doppel-Handicap für uns“, sagte Michael Köllner und beließ es vor der Magenta-Kamera bei einem milden Tadel: „Dennis hat sich in dieser Szene taktisch nicht gut verhalten, das weiß er selbst. Da muss er vorher den Ball schon löschen oder wegbleiben.“ Dass Erdmann seinem Team damit einen Bärendienst erwiesen hatte, sagte Köllner zumindest indirekt: „Im Nachhinein war das spielentscheidend, obwohl wir alles versucht haben.“

Ein bisschen trauerte Köllner noch der Kopfballchance von Semi Belkahia nach, den er als Psychotrick noch vor Ausführung des Strafstoßes eingewechselt hatte. Es war die einzige Chance zum Ausgleich (59.), denn viel ging nicht mehr in Unterzahl. Und es kam sogar noch dicker für 1860, weil das Glück, das man selber nicht hatten, anderswo für späte drei Punkte sorgte. In der sechsten Minute der Nachspielzeit erzielte Rostock den 2:1-Siegtreffer gegen Kaiserslautern, der die Löwen in der Tabelle noch weiter zurückwirft. Sechs Punkte beträgt der Rückstand auf Platz drei, der heute bei einem Ingolstadt-Sieg gegen Türkgücü auf sieben anwachsen kann. Viel Holz ist das, zumal auch Köllner erkennen dürfte, dass seine Löwen schon vor Wochen die Qualität und Aura eines Spitzenteams eingebüßt haben.

Er fehlt den Löwen sehr: Mit Quirin Moll als Taktgeber holten die Löwen 17 Punkte aus sieben Spielen, ohne ihn weniger als die Hälfte.

Es rächt sich jetzt, dass die Sportliche Leitung nicht oder nur unzureichend nachgelegt hat, als sich in Quirin Moll der Kopf der Mannschaft in den Krankenstand verabschiedete. Im letzten Hinrundenspiel gegen Ingolstadt zog sich Moll einen Kreuzbandriss zu. Mit Glück, Moral und einem Mölders-Tor kam 1860 damals noch zu einem 1:0-Sieg, der im Nachhinein das Ende des Jahreswechsel-Höhenflugs markiert. Mit Moll als Taktgeber im Mittelfeld hatten die Löwen bis Ende Januar einen bemerkenswerten Zwischenspurt angezogen: 13 Punkte aus fünf Spielen. Ohne Moll kamen seither nur noch acht Punkte aus sieben Spielen hinzu.

Aus der Bilanz eines Aufsteigers wurde die Quote eines Absteigers

Aus der Bilanz eines Aufsteigers wurde die Quote eines Absteigers – weil die Löwen in der Winterpause am falschen Ende gespart haben? Weiter geht’s am Samstag beim Tabellenzehnten Halle – in der aktuellen Form ein Gegner auf Augenhöhe.

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