TSV 1860: Hiller-Vertreter überragt erneut

Köllner: „Tom hat zwei superstarke Spiele gemacht, aber Marco bleibt die Nummer eins“

Tom Kretzschmar macht sich ganz breit gegen Wehens Stürmer Maximilian Thiel.
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Krake Kretschmar: Auch Wehens Thiel konnte den jungen Löwen-Keeper nicht überwinden.

Erneut hielt Tom Kretzschmar das 1860-Tor sauber. „Das 0:0 verdanken wir einem sehr guten Torwart“, sagte Köllner, der trotzdem nicht an der Hierarchie rüttelt.

Wiesbaden - Mit einem mächtigen Hieb wurde ein Klappsitz auf der VIP-Tribüne ins Schwingen versetzt, danach klopften sich die beiden Gästefunktionäre jubelnd auf die Schultern. Ismaik-Vertreter Anthony Power und Löwen-Geschäftsführer Marc-Nicolai Pfeifer schienen in dieser 70. Minute beschlossen zu haben: Gegen diese Stürmer des SV Wehen brennt in der Schlussphase nichts mehr an. Erst recht nicht mit so einem Torwart hinten drin.

Ausgelöst hatte die emotionale Power/Pfeifer-Einlage eine Eins-zu-eins-Situation, in der sich Tom Kretzschmar, 22, vor dem freigespielten Thijmen Goppel aufbaute. Von der Brust des Hiller-Vertreters prallte der Ball ins Toraus, was den Gastgebern das letzte bisschen Zuversicht raubte und den Löwen ein 0:0 ermöglichte, „mit dem wir glücklich sind“ (Michael Köllner). Goppel fand im jungen 1860-Keeper ebenso seinen Meister wie vor der Pause Kevin Lankford (44.) und Maximilian Thiel in der Schlussphase. „Kretzsche hält uns einmal richtig gut im Spiel“, hatte Torjäger Marcel Bär nach dem Auftaktsieg gegen Würzburg geschwärmt. Am Samstag galt dieser Satz in mehrfacher Hinsicht.

Sämtliche Beobachter waren sich hinterher einig: Ohne Teufelskerl Kretzschmar wäre dieses Spiel anders ausgegangen – und zwar eher nicht zu Gunsten der Gäste. „Wir hätten heute mit drei Punkten nach Hause gehen müssen“, haderte Wehens Coach Rüdiger Rehm: „Gefehlt hat nur der letzte Punch in der Box. Die Löwen-Abwehr hat alles reingeworfen, was sie hatten.“ Allen voran besagten Kretzschmar, der auch sein zweites Spiel in der Startelf mit einer weißen Weste beendete. „Den Punkt haben wir einem sehr guten Torwart zu verdanken“, sagte Köllner erleichtert: „Tom war heute ein wesentlicher Faktor – neben den Fans, die wie ein Fels hinter uns gestanden sind.“ Gut die Hälfte der 2712 Zuschauer in der Brita-Arena waren dem Münchner Lager zugehörig. Schon vor Kretzschmars Großtaten feierten sie ein „Heimspiel in Hessen“. Beides – der Rückhalt im Tor und auf den Rängen – habe „extrem geholfen“ in einem „Drittligaspiel auf hohem Niveau“ (Köllner).

Tom war heute ein wesentlicher Faktor – neben den Fans, die wie ein Fels hinter uns gestanden sind.

1860-Trainer Michael Köllner.

Setzt man hohes Niveau mit Effektivität gleich, sind die Löwen auf einem guten Weg. Mit vier Punkten aus zwei Spielen ist Köllners Team ein Start wie im Vorjahr gelungen, bloß gegen etwas anspruchsvollere Gegner (damals Meppen/Magdeburg). Zu denken dürfte Köllner die kärgliche Torausbeute geben. Bär, der Held des Würzburg-Spiels, tat sich in Wiesbaden ebenso schwer wie Kapitän Sascha Mölders und Richard Neudecker, die ihre Form aus der Vorsaison suchen. Beachtlich hingegen ist die defensive Verantwortung, die alle elf Löwen auf dem Platz übernehmen – wobei Kretzschmar die wenigen Chancen wegmachte, die Salger und Co. in 180 Minuten zuließen.

Darf man so einen überhaupt rausnehmen? „Wir Trainer dürfen alles“, parierte Köllner die Frage mit Humor – keinen Zweifel daran lassend, dass Marco Hiller „die klare Nummer 1“ bleibt, unabhängig von „den zwei superstarken Spielen“, die Kretzschmar Platz 1 im Torhüter-Ranking des „kicker“ eintrugen (null Gegentore plus Topnoten). Immerhin: Der Hiller-Vertreter konnte sein internes Standing verbessern, wie Köllner tröstend anmerkte: „Das war ja nicht unbedingt zu erwarten, dass er beide Spiele auch mental so steht. Es ist super für uns, dass wir mit seiner Weiterverpflichtung offenbar alles richtig gemacht haben.“

Weiter geht’s für 1860 mit dem DFB-Pokalspiel gegen Darmstadt (Freitag, 20.45 Uhr) – mit Hiller im Tor. Kretzschmar wird dann wieder auf der Bank Platz nehmen – und von seinen „Riesenerlebnissen“ zehren. Bescheiden sagte er: „Ich spiele seit der U 8 für Sechzig – deswegen ist für mich ein Traum in Erfüllung gegangen.“

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