TSV 1860: Vier Reservisten sagen Servus

Instagram-Abschied mit Teufel-Emoji: „Niemand bringt den Earthman um!“

1860-Sportchef Günther Gorenzel überreicht vier scheidenden Profis um Dennis Erdmann ein Abschiedsbild.
+
Servus Sechzig: Sportchef Gorenzel verabschiedete am Sonntag Dennis Erdmann (2.v.l.) und die drei Junglöwen Leon Klassen, Ahanna Agbowo und Matt Durrans (v.l.).

Vor einem Jahr waren es 17 scheidende Löwen-Profis, am Sonntag vor dem Derby wurden nur vier verabschiedet. Einer von ihnen: Dennis Erdmann.

Es wäre ein XXL-Schnappschuss geworden, vergleichbar mit einem Mannschaftsfoto im „kicker“-Sonderheft. Gleich 17 Profis haben die Löwen am Ende der Saison 2019/20 verlassen, und vor dem Hintergrund des Massen-Exodus aus Giesing war es eine kluge Entscheidung der Vereinsführung, vor dem letzten Heimspiel 2020 auf offizielle Würdigungen zu verzichten. Die Begründung damals: Jeder Verzicht auf Kontakte ist in Corona-Zeiten ratsam. Für die 17er-Riege um Ex-Kapitän Felix Weber und Timo Gebhart bedeutete das am 4. Juli 2020: Raus durch die Hintertür – ohne warme Abschiedsworte und Erinnerungssouvenir.

Früher wurden bei 1860 scheidende Spieler mit einem Porzellanlöwen in die Vertragslosigkeit entlassen. Aus dem Staubfänger für die Vitrine wurde ein gerahmtes Erinnerungsbild – und nur vier Spieler waren es vor dem Heimspielfinale 2021, die auf diese Weise geehrt wurden: Abwehrrocker Dennis Erdmann, 30, Linksverteidiger Leon Klassen, 20, Defensivtalent Ahanna Agbowo, 19 und der kanadische Nachwuchsstürmer Matt Durrans, 22.

Während von den drei jungen Löwen Klassen noch am häufigsten eingesetzt wurde (in dieser Saison in sieben Spielen), durfte sich Erdmann als erweitertes Mitglied der Stammelf fühlen – zumindest bis zum 0:1 in Duisburg, bei dem er mit einem ungestümen Elfmeterfoul inklusive Platzverweis in Ungnade fiel (vorher 1224 Minuten eingesetzt, danach nur noch 27). Ob Zufall oder nicht: Die 0:1-Pleite am 6. März war der Ausgangspunkt der Löwen-Aufholjagd, die Köllners Team mit dem 2:2 gegen Bayern auf elf Spiele ausweitete.

Via Instagram nahm Erdmann am Montag Abschied vom Giesinger Kultverein. Gewohnt pathetisch schrieb er, neben einem Bild, auf dem man seine verschränkten, großflächig tätowierten Arme sieht: „Der Earthman ist stolz, auch für diesen Traditionsverein gespielt zu haben! Ich bin stolz auf meine Karriere. Druck, Angst, Enttäuschung. All das gehört zum Fußball beim Traditionsverein dazu, dem stelle ich mich seit Jahren und auch weiterhin! Danke an meine Mannschaft, Trainer und Staffmitglieder, dass ihr mich so genommen habt wie ich bin. Und an all die Leute die den Earthman hassen: Niemand bringt den Earthman um.” Dahinter ein Teufel-Emoji.

Sportchef Günther Gorenzel hatte Erdmann vor zwei Jahren als „Topverstärkung“ gepriesen, doch so richtig ist der spielerisch limitierte Abwehrrocker nie bei 1860 angekommen. Wo es ihn nun hinzieht? Ungewiss. In einem Interview mit MagentaSport sagte er: „Als Fußballer sollte man immer Augen und Ohren offen haben.“ Es scheint ihn nach einem Abenteuer zu gelüsten: „Als Fußballer habe ich Lust aufs Ausland und von daher bin ich natürlich gespannt, was passiert.“

Nach seinem Karriereende, das aber noch bis Mitte 30 Zeit hat („Ich habe echt noch Bock, ein paar Leute auf dem Platz zu ärgern“), will der Rheinländer etwas grundlegend anderes machen, wie er unlängst durchblicken ließ: auswandern – oder eine Partei gründen. Am Samstag könnte der scheidende Profi aber noch mal im Löwen-Trikot gebraucht werden: Semi Belkahia ist gelbgesperrt, Michael Köllner hat eine Stelle in der Innenverteidigung zu vergeben - ein Fall für den „Earthman“?

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Kommentare