Endspurt: 1860 in Mannheim - zeitgleich mit den Aufstiegsrivalen

Köllners Scheuklappen-Einstellung: „Was die anderen machen, hat nullkommanull Einfluss“

Sascha Mölders bejubelt einen Hattrick.
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Schlägt er heute wieder zu? Beim 5:0-Sieg im Hinspiel glänzte Sascha Mölders mit einem Hattrick.

In den 80er-Jahren und ohne Corona wäre das ein klarer Fall gewesen: Parallel zum Spiel der Löwen in Mannheim treten auch die drei Mitbewerber um den Aufstieg an: Rostock in Meppen, Ingolstadt gegen Zwickau – und auch Dresden greift nach erfolgreicher Teamquarantäne wieder ein (daheim gegen Halle).

Früher hätte man am Samstag Fans in den Kurven gesehen, die sich das Kofferradio ans Ohr halten, um informiert zu sein, was auf den anderen Plätzen passiert. 2021 ist beides anders: Fans in den Kurven gibt es nicht mehr – und das gute alte Kofferradio ist Smartphones gewichen, die in Echtzeit sogenannte Live- oder Blitztabellen anzeigen.

Michael Köllner wirkt nostalgisch berührt, als er vier Jahrzehnte zurückdenkt, an die Samstagnachmittage daheim in der Oberpfalz. „Ich bin auch so ein Kofferradio-Typ gewesen“, gesteht der 1860-Coach gegenüber unserer Zeitung: „Mein Vater stand samstags häufig in der Garage, da hab ich assistieren müssen. Es war völlig normal, dass da das Radio mit der Bundesliga-Konferenz lief. Bayern 1 mit ,Heute im Stadion’ war Pflicht – auch wenn wir an schlechten Tagen in der Küche waren.“

Ein Tag fürs Kofferradio

Und diesen Samstag? Wird Köllner auch da ein Auge oder Ohr bei der Konkurrenz haben, wenn seine Löwen versuchen, bei gebeutelten Mannheimern (zuletzt 0:5 in Saarbrücken) ihre stolze Erfolgsserie (zuletzt 13 von 15 möglichen Punkten) fortzusetzen? „Nein“, sagt Köllner und lacht: „Das wird keine Rolle spielen. Ich bin bei eigenen Spielen nie so richtig informiert. Was auf den anderen Plätzen passiert, erfahre ich teilweise erst, wenn ich vom Magenta-Interview komme.“ Köllners Begründung: „Ich hab ja mit unserem eigenen Spiel zu kämpfen. Was die anderen machen, hat nullkommanull Einfluss. Am Ende würde es noch auf die Mannschaft abfärben. Ob ich es fünf Minuten nach dem Schlusspfiff erfahre oder erst nach einer Stunde – die Ergebnisse werden sich deswegen ja nicht verändern.

Setzt er seinen Lauf mit 1860 fort? Erfolgstrainer Michael Köllner.

Anders dürfte es im Umfeld der Giesinger laufen, wo ja seit einiger Zeit eine freudige Aufstiegserwartung herrscht. Liveticker werden am Samstag Rekord-Klickzahlen verzeichnen, der Konferenz-Alarm bei MagentaSport häufiger als sonst abgerufen werden. Köllner freut sich über die Begeisterung, die er mit seinen Löwen geweckt hat – sie bestätigt ihn darin, dass sein Saisonplan aufgegangen ist. Zur Erinnerung seine Zielsetzung aus dem Sommer 2020: „Wir gehen mit einer jungen, spannenden Mannschaft in die Saison. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass wir uns Woche für Woche entwickeln müssen. Was am Ende möglich ist, wird sich zwischen dem 32. und 38. Spieltag entscheiden.“

Ich warne davor, sich nur mit den Plätzen 1, 2, 3 zu beschäftigen. Ich hab keine Lust, dass wir am 8. Mai in Wehen ein Endspiel um Platz 4 haben.

1860-Coach Michael Köllner

Jetzt steht Spieltag 34 an. Punktlandung. Als Zwischenfazit hält Köllner fest: „Am Ende ist jeder Spieler eine Aktie, und wir haben den Wert unserer Spieler verändert – zum Positiven.“ Es gefällt ihm, dass seine Löwen aus einer gewissen Lauerstellung abwarten können, was an den letzten fünf Spieltagen möglich ist. „Wir sind in Schlagdistanz“, sagt Köllner, „aber wir haben nicht die Mannschaft dafür, dass wir da jetzt eine Kampfansage machen. Wir bleiben lieber schön auf dem vierten Platz, fahren nach Mannheim – und dann sehen wir weiter.“

Bloß nicht zu früh aus der Deckung wagen: „Ich warne davor, sich nur mit den Plätzen 1, 2, 3 zu beschäftigen. Ich hab keine Lust, dass wir am 8. Mai in Wehen ein Endspiel um Platz 4 haben. So was ist schnell passiert. Ich bleibe da lieber wachsam und sage: Wir haben noch fünf hammerharte Spiele vor der Brust.“ Seine Zielsetzung für den Samstag des Synchron-Aufstiegskampfs: „In Mannheim wollen wir bestätigen, dass wir die beste Auswärtsmannschaft sind. Mit diesem Selbstverständnis gehen wir auf den Platz.“ Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

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