TSV 1860: Feine Spitzen, keine Scharmützel

Köllner zu Türkgücü-Transfers: „Die Frage ist ja immer: Ist zwei plus zwei vier?“

Merveille Biankadi setzt sich gegen zwei Spieler von Türkgücü durch
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Rot gegen Blau: 1860-Angreifer Biankadi beim 2:0-Auswärtssieg der Löwen gegen Türkgücü im April.

Nach dem gelungenen Saisonstart fiebert der TSV 1860 dem Derby gegen Türkgücü entgegen - wobei Trainer Köllner die Frage aufwirft: Ist das überhaupt ein Derby?

Bayern II: abgestiegen. Haching: abgestiegen. Der Kreis der Drittligisten im Münchner Raum hat sich halbiert, die stolze Anzahl an Derbys ist von zwölf auf zwei zusammengeschnurrt – wobei Michael Köllner unter der Woche die Frage aufwarf: Wie viel Derby steckt überhaupt in der Partie TSV 1860 gegen Türkgücü? „Für die einen ist es ein Derby, für die anderen nicht“, sagte er, was zu einer Pflicht-Nachfrage führte, die der Löwen-Coach am Freitag so umschiffte: „Es ist ein schweres Spiel für uns – so wie 37 andere auch in dieser Saison.“

Köllner spricht dem Lokalrivalen die Derby-Würdigkeit ab – fängt ja schon mal gut an, das Ballyhoo vor dem Spiel am Samstag (14 Uhr, BR und MagentaSport). Und geht auch gut weiter, indem Köllner bei aller Diplomatie auch viel unterschwellige Kritik in seine Aussagen packt. „Ich glaube, Türkgücü hat einen großen personellen Umbruch vollzogen, wieder einmal“, sagte er und betonte im Nachsatz, dass der Zukauf von 16 Spielern nicht der Philosophie seiner Löwen entspreche, wo man aus gutem Grund auf „Kontinuität, Identifikation und junge Spieler“ setze.

Kontinuität bei den Löwen, 16 neue Spieler bei Türkgücü

Mit anderen Worten: Dem 1860-Coach ist die Hire-and-fire-Politik des Emporkömmlings suspekt – was er noch mal unterstreicht, als die nächste Frage zum Gegner kommt. Jene nämlich, ob Türkgücü stärker geworden sei seit den Duellen der Vorsaison in Liga (2:2, 2:0) und Totopokal (0:1). In der ihm eigenen Art zerlegt Köllner die Personalpolitik des Kivran-Clubs – mit einem sympathisch-nerdigen Rechenexempel. „Es ist eine andere Mannschaft: Sie haben viel Qualität geholt, aber sicher auch gute Spieler abgegeben“, sagt er, um etwas kryptisch hinzuzufügen: „Die Frage ist ja immer: Ist zwei plus zwei vier? Ist zwei plus zwei drei? Ist zwei plus zwei fünf oder sechs? Eine Mannschaft, die eine Dysfunktion hat, kommt auf drei. Eine Mannschaft, die normal performt, liegt bei vier. Eine Mannschaft, die die Sachen gut zusammenbringt, liegt bei sechs oder sieben.“ Köllners Quintessenz: „Am Ende wird es bei denen drauf ankommen: Wie schnell schaffen sie es, eine Mannschaft zu werden? Das ist für uns aber eine nachgeordnete Frage.“

Wir sind ungeschlagen, in der Liga noch ohne Gegentreffer – von dem her freuen wir uns auf das Spiel.

1860-Trainer Michael Köllner

Lieber beschäftigt sich Köllner ohnehin mit seiner eigenen Mannschaft, die er auf einem guten Weg wähnt. Erfolgreich gestartet in die Liga (vier Punkte), den DFB- und den Totopokal (jeweils zweite Runde) – läuft bei den Löwen, die am Samstag vor allem eines im Sinn haben: einen aufmüpfigen Gegner in die Schranken zu verweisen. Köllners Konter auf die vollmundige Aussage von Kapitän Mergim Mavraj, Türkgücü befinde sich auf Augenhöhe mit den Löwen: „Dieser Interpretation möchte ich mich nicht anschließen. Mavraj hat eine beeindruckende Karriere hingelegt, der er gerne ein neues Kapitel hinzufügen will. Wir wissen aber auch, was wir können. Wir sind ungeschlagen, in der Liga noch ohne Gegentreffer – von dem her freuen wir uns auf das Spiel.“

4225 Fans sind am Samstag zugelassen

4225 Fans sind am Samstag zugelassen, was für Köllner Ansporn genug ist („Ein kostbares Gut“) – und für den Sportchef Anlass, das Derby resp. Stadt-Duell nicht über Gebühr anzuheizen. Losgelöst vom Wortgefecht Mölders/Kohtny nach dem Duell im April („Unmöglich, dass Sechzig abgelöst wird“) und dem von 1860 vor der Saison verweigerten Doppelinterview. Gefragt, ob Türkgücü der neue Erz- bzw. Lieblingsfeind sei, sagte Günther Gorenzel: „Wir konzentrieren uns nicht auf irgendwelche Scharmützel von außen, sondern ausschließlich auf unsere Leistung,“ Prinzipiell sei aber „jeder Gegner zu respektieren“. Alles weitere dann am Samstag auf dem Platz.

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