TSV 1860: Ernüchternde Zwischenbilanz

Elf Plätze runter: Vor einem Jahr war (fast) alles besser...

Die 1860-Profis Dennis Dressel und Phillipp Steinhart wirken frustriert.
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Sie treffen nicht mehr: Die Löwen haben erst neun Tore erzielt (hier: Dennis Dressel und Phillipp Steinhart).

Die Tabelle lügt nicht - ein typischer Trainersatz, der mit jedem Spiel wahrer wird. Zehn sind absolviert, und die Zwischenbilanz dürfte Köllner nicht gefallen.

Werner Lorant war ein in jeder Hinsicht besonderer Löwen-Trainer – auch was seinen Blick auf eine lange Fußballsaison anging. Selbst „Werner Beinhart“ misslang so mancher Saisonstart – eine Diskussion darüber war jedoch schnell beendet. Nach seinem Standard-Einleitungssatz („Interessiert mich nicht“) pflegte Lorant zu sagen: „Die ersten beiden Spieltage gehören bei mir zur Vorbereitung.“ Gefolgt von einer Belehrung für die ahnungslose Presse: „Erst nach zehn Spielen hat eine Tabelle eine gewisse Aussagekraft.“

  Zumindest im letztgenannten Punkt würde Michael Köllner, 51, dem Starkstrom-Trainer der Goldenen 90er-Jahre nicht widersprechen. Vor dem Auswärtsspiel beim SC Verl (1:1) gab Köllner zu, dass keine Tabelle lügt, wenn ein Viertel der Saison absolviert ist. Also, Löwen: Was läuft besser als vor einem Jahr, was schlechter? Spoiler: Es wird eine etwas einseitige Gegenüberstellung.

Punkte und Platzierung

17 Punkte, fünf Siege, Tabellenplatz zwei. Nach zehn Spieltagen der Saison 2020/21 war 1860 ein Spitzenteam in der 3. Liga. Ein Jahr später hat Köllners Team gerade mal zwei Siege zustande gebracht, dank einer Häufung von Unentschieden 12 Punkte zusammengekratzt und sich auf Position 13 eingefunden – elf Plätze schlechter als zum Vergleichszeitpunkt. Ein Absturz, der zu denken gibt, schließlich hat sich das Gerüst der Mannschaft kaum verändert. Und: 1860 hat noch mit keinem der vier Spitzenteams die Klingen gekreuzt.

Offensivflaute

Löwen-Spiele waren nicht selten ein Spektakel in der zurückliegenden Saison. 69 Tore standen nach 38 Spieltagen zu Buche (Ligabestwert), und bereits nach zehn Runden hatte Köllners Team 21 Treffer geschossen – deutlich mehr als sämtliche Aufstiegskandidaten. Und heute? Die neun gefühlt herausgewürgten Tore werden nur von vier Mannschaften unterboten, Aufsteiger Viktoria Berlin, der nächste Gegner (Samstag, 14 Uhr, Grünwalder Stadion), hat zwölf Tore mehr erzielt. Bitter ist das vor allem für die Löwen-Fans, denn im Corona-Geisterspieljahr gab es schon zu Beginn das eine oder andere Schützenfest: 4:1 gegen Lübeck, 6:1 gegen Halle. Jetzt dagegen, da die Ränge wieder gefüllt sind und Giesinger Heimspielpartys möglich wären (im Rahmen der Hygienebestimmungen), stockt die weißblaue Offensive. Oder besteht da etwa ein Zusammenhang? Stichwort: Aufstiegsdruck, der womöglich in Heimspielen zu schweren Beinen führen kann.

(Verhinderte) Torjäger

Gründe für die Torarmut der Löwen sind schnell gefunden: Zum Vergleichszeitpunkt waren Dennis Dressel (6) und Sascha Mölders (5) ganz vorne in der Liste der Liga-Ballermänner dabei. Aktuell haben nicht nur der Kapitän und der verhinderte Darmstädter Ladehemmung, auch die Reihe dahinter – Richard Neudecker, Stefan Lex, Phillipp Steinhart – trifft nicht mehr. Und überhaupt haben es die Löwen erst einmal geschafft, in einem Spiel mehr als ein Tor zu erzielen (beim 3:0 gegen Viktoria Köln).

Stabile Defensive

Dass die Löwen trotz dieser Werte noch nach oben schielen dürfen, hat zwei Gründe. Erstens: Es ist weiterhin schwer, Köllners Team zu besiegen (nur Lautern und Zwickau haben es geschafft). Zweitens: Es ist weiterhin schwer, überhaupt ein Tor gegen die Löwen zu erzielen. Was die Defensivleistung angeht, stehen Marco Hiller und Co. sogar besser da als vor einem Jahr (10 Gegentore gegenüber 12). Selbst Werner Lorant wäre mit so einer Bilanz zufrieden gewesen.

  Fun Fact vor dem wegweisenden Spiel morgen: Gegner Berlin weist nach zehn Runden eine nahezu identische Bilanz auf wie 1860 vor einem Jahr: Tabellenplatz zwei mit fünf Siegen, 17 Punkten und 21 geschossenen Toren. Nur die Abwehr des Aufsteigers hat ein Tor mehr reingelassen. Und: Die Formkurve der Berliner zeigt nach unten (zuletzt 0:2 in Freiburg, 3:4 gegen Havelse). Chance für 1860 zur Trendwende?

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