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Nonverbale Grüße an den Ex-Kapitän

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Von: Uli Kellner

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Nach ihrem 2:0-Sieg in Dortmund feiern die 1860-Profis mit La-Ola-Jubel vor den Fans.
Grauer Löwen-Jubel im Stadion Rote Erde: Die 1860-Profis feiern ihren 2:0-Sieg in Dortmund. © Imago

Kampf, Leidenschaft, Geschlossenheit, Teamgeist. Nach ihrem Befreiungsschlag in Dortmund betonen die Löwen auffällig das neue Wir-Gefühl.

Nach dem Schlusspfiff herrschte Hochbetrieb auf dem Rumpelrasen im geschichtsträchtigen Dortmunder Stadion Rote Erde. Dort, wo die Löwen in den goldenen 60er-Jahren ihre Meistervisitenkarte abgaben, galt es nun, einen Befreiungsschlag in der 3. Liga zu feiern. Der zuletzt glücklose Trainer Michael Köllner wurde nach dem 2:0 (1:0)-Sieg von Ismaik-Vertreter Anthony Power geherzt. Auch Präsident Robert Reisinger lief gratulierend durch die Reihen – bis sich die Spieler vor der Sandgrube zum La-Ola-Jubel mit den Fans formierten. Gelächter, Gelöstheit, nicht enden wollende Gesten der Erleichterung. Der ausgemusterte Kapitän Sascha Mölders, sofern am TV dabei, dürfte wehmütig zugesehen haben. Und bestimmt wäre auch Hasan Ismaik gerne vor Ort gewesen.

Der meldete sich über die sozialen Netzwerke zu Wort – zufrieden auch er mit dem, was er in Spiel eins nach Sascha Mölders gestreamt hatte. Alle auf dem Platz hätten „wie echte Löwen performt“, schwärmte der Investor, der den Ex-Kapitän nur indirekt erwähnte – in der Passage danach, als er über die veränderte Körpersprache der diesmal nur optisch grauen Blauen urteilte: „Kämpferisch, leidenschaftlich, entschlossen, erfolgsorientiert. Zu jedem Zeitpunkt stand eine Mannschaft auf dem Platz, die mir in ihrer Geschlossenheit und ihrem Teamgeist gefallen hat – und vor allem von unserem Trainer Michael Köllner sehr gut eingestellt war.“

Kampf, Leidenschaft, Geschlossenheit, Teamgeist. Wer wollte, konnte die Betonung der wiedergewonnenen Tugenden als Nadelstiche gegen Mölders auslegen. Namentlich erwähnt wurde der Ex-Kapitän nur von Richard Neudecker, der die beiden Tore von Stefan Lex (25.) und Marcel Bär (49.) aufgelegt hatte – und auch nur „zum Thema Sascha“ Auskunft gab, weil der erstarkte Zehner vor laufenden Magenta-Kameras keine andere Wahl hatte. „Es war eine anstrengende, turbulente Woche für den Kopf“, sagte der Offensivschalthebel der Löwen im ungewohnt defensiven 3-4-1-2-System. Drei Punkte zu holen, hätte im letzten Spiel der Hinrunde „oberste Priorität“ gehabt. Und auf Nachfrage: „Ich habe mich gut mit Sascha verstanden. Ich mag ihn nach wie vor. Mehr habe ich dazu aber nicht zu sagen.“

Ich habe mich gut mit Sascha verstanden. Ich mag ihn nach wie vor. Mehr habe ich dazu aber nicht zu sagen.

1860-Spielmacher Richard Neudecker über Ex-Kapitän Mölders.

Bezeichnend war ja am Samstag vor allem, was die mölderslosen Löwen nonverbal ausdrückten – mit ihrer Körpersprache in einer Partie, die nur am Anfang – bis zu einer von Marco Hiller vereitelten BVB-Doppelchance (4.) – auf der Kippe stand. Lex, der neue Kapitän, betonte: „Wir wollten als Mannschaft geschlossen auftreten – das haben wir geschafft.“ Aus Neudeckers Mund klang es so: „Wir wussten insgeheim, dass wir eine Mannschaft sind, dass wir alle zusammen kämpfen und Verantwortung übernehmen müssen.“ Das jedoch sei auch vorher „allen schon klar“ gewesen – „in der Theorie“, schwang da mit.

Für Köllner überwog am Samstag, dass sich die Mannschaft vorbildlich an seine Safety-first-Marschroute gehalten hatte, dass sie auch nach der Führung konzentriert blieb – und dass sie den jungen Dortmundern so auf die Nerven ging mit ihrer Hier-brennt-nix-an-Aura, dass sich zum Schluss noch eines der BVB-Talente einen Frust-Platzverweis einhandelte (Tachie-Grätsche gegen Greilinger/88.). Köllners Fazit: „Wir haben eine gute Mannschaft, gute Charaktere. Am Ende ist es darum gegangen, das Thema auszublenden. Wenn du zweimal zu Hause verloren hast, ist es wichtig, dass du sofort zurückkommst. Heute haben sich alle in den Dienst der Mannschaft gestellt.“

Weiter geht’s am Montag vor Weihnachten in Würzburg. Spiel zwei nach Sascha Mölders. Im Mannschaftskreis nach dem Schlusspfiff sagte Köllner: „Da könnt’s genauso weitermachen!“

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