Die Erinnerung an 2018 spielt mit

Relegation reloaded

Blauer Überschwang: Mit Simon Seferings Tor zum 2:2 gegen Saarbrücken war der Aufstieg in die 3. Liga perfekt.
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Blauer Überschwang: Mit Simon Seferings Tor zum 2:2 gegen Saarbrücken war der Aufstieg in die 3. Liga perfekt.

Beim Wiedersehen mit Saarbrücken wollen die Löwen Tabellenplatz eins verteidigen.

Der 27. Mai 2018 – für jüngere Löwen-Anhänger so etwas wie das neue 1966. Die spontane Jubelfeier nach dem Aufstieg in die 3. Liga muss sich laut Zeitzeugen nicht vor dem Meister-Corso vor 54 Jahren verstecken, und in Fankreisen reicht 778 Tage danach ein Städtename, um all diese wohligen Erinnerungen wachzurufen: Saarbrücken! Das Hinspiel auswärts gewann die Bierofka-Elf mit 3:2, im Rückspiel drei Tage später schossen Mölders und Seferings den TSV 1860 ins Glück (2:2 nach 0:2) – und zurück in den Profifußball.

Vor dem Wiedersehen mit dem unterlegenen Gegner von damals ist es Jan Mauersberger, der stellvertretend für die Aufstiegshelden sein Kopfkino öffnet. „Als erstes fällt mir das Meer an Fans ein, der Platzsturm, die Feier am Candidberg“, sagt der Ex-Profi, der heute in der Marketingabteilung arbeitet: „Es war ein Wendepunkt in der jüngeren Geschichte von 1860 – und für mich noch emotionaler als der Zweitliga-Aufstieg mit Karlsruhe.“

Auch Michael Köllner, der Fußball-Junkie, ist an beiden Tagen im Mai 2018 vor dem Fernseher gesessen. Sein Eindruck: „Sechzig hat es am Ende dank einer brutalen Willens- und Mannschaftsleistung geschafft. Halb oder vielleicht ganz Giesing stand danach kopf. Das waren beeindruckende Bilder und Videos, die mir Freunde aus München von der Aufstiegsfeier zugeschickt haben.“

Bei der Neuauflage heute Abend wird es zwangsläufig weniger emotional zugehen. Fans bleibt derzeit nur der Kauf einer symbolischen Eintrittskarte („12. Mann-Ticket“ genannt) – und die Mannschaft muss selber für ihren Adrenalinkick sorgen, was aber nicht schwer fallen sollte bei der Konstellation Tabellenerster gegen Dritter. „Wir sind massiv froh, dass wir eine von drei ungeschlagenen Mannschaften sind“, sagt Köllner und erwartet, dass Saarbrücken nach dem Spiel nicht mehr zu diesen drei Mannschaften gehören wird: „Wir werden drei Punkte holen, weil wir wieder richtig Gas geben werden.“ Schon, um den Ausblick von ganz oben noch ein bisschen länger genießen zu dürfen.

„Die Tabelle kann gerne noch Monate so bleiben“, sagt Köllner grinsend, räumt aber ein, dass sie „womöglich nicht den aktuellen Leistungsstand in der 3. Liga widerspiegelt.“ Für den Coach ist es kein Problem zuzugeben, dass seine Löwen in Rostock (1:1) vom Glück begünstigt wurden. „Wir hätten auch 1:2, 1:3 verlieren können“, sagt er. Dank der neuen Tugenden – „Teamgeist, Geschlossenheit“ – sei es nicht so gekommen: „Letztes Jahr“, ist er sich sicher, „hätten wir keinen Punkt mehr geholt“.

Personell hat sich die Lage vor dem ersten Drittliga-Topduell mit Löwen-Beteiligung entspannt: Daniel Wein (Pferdekuss) ist zurück im Training – ebenso Leon Klassen, der den gesperrten Phillipp Steinhart ersetzen könnte. Ob er nur links hinten was ändert oder gleich eine neue Taktik wählt, wollte Köllner nicht verraten – eines aber verspricht er den Fans an den Fernsehern: „Es wird 90 Minuten richtig rappeln im Karton –- und dann schauen wir mal, was bei rauskommt.“

Für Jan Mauersberger steht fest, dass der 27. Mai 2018 auch am 21. Oktober 2020 eine Rolle spielen wird. „Natürlich freut man sich auf so ein Spiel mehr als auf andere – schon wegen der ganzen schönen Erinnerungen. Wenn ich noch Spieler wäre, würde mich das auf jeden Fall noch mehr motivieren.“

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