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„Linsi“-Kult: Null Tore, aber schon Löwenliebling

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Von: Uli Kellner

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1860-Stürmer Tim Linsbichler rennt energisch über den Platz.
Stark im Kommen: Sturmtalent Tim Linsbichler, 21. © Stefan Matzke / Sampics

Nach einem Seuchenjahr läuft es jetzt für Tim Linsbichler: Obwohl er erst einmal in der Startelf stand, feiern ihn die Fans. „Taugt mir“, sagt der junge Wiener.

Woran erkennt man, dass die Löwen auf bestem Wege sind, die Ära Sascha Mölders, 36, hinter sich zu lassen? Sie haben ein neues Sturmduo, das in zwei Spielen fünf Tore erzielte. Stefan Lex traf als neuer Kapitän zweimal, Marcel Bär dreimal, Und, Erkenntnis der Tage in Belek: Die Fans haben einen neuen Liebling, der dem Kult um seine Person etwas ratlos gegenübersteht.

Im Winter-Trainingslager, das am Samstag endete, war es der Running Gag schlechthin auf der Fantribüne: Wann immer Tim Linsbichler, 21, ein Tor schoss oder anderweitig auf dem Rasen auffiel, brandete Jubel beim mitgereisten Anhang auf. Warum ihn die Fans so lieben? „Diese Frage stelle ich mir auch“, sagte der junge Wiener zum Abschluss des Belek-Camps: „Das hat angefangen, als wir im Sommer in Windischgarsten waren, ausgelöst wahrscheinlich durch die österreichischen Löwen-Fans. Dass sich das jetzt über das halbe Jahr durchgezogen hat, überrascht mich.“ Aber, fügte „Linsi“ lächelnd hinzu: „Es taugt mir. Ich find’s selber auch witzig. Es ist schon ein cooles Gefühl, wenn die Fans nach jedem Tor im Training deinen Namen rufen.“

Es ist schon ein cooles Gefühl, wenn die Fans nach jedem Tor im Training deinen Namen rufen.

Tim Linsbichler, der neue Publikumsliebling beim TSV 1860.

Wenig überraschend sorgt der Linsi-Kult auch in der Kabine für jede Menge Schmäh. „Die anderen Spieler fragen natürlich, wie ich das angestellt habe, dass mich die Fans so feiern.“ Verletzungsbedingt konnte das Sturmtalent bisher wenig sportliche Argumente liefern. Im ersten Jahr nach seinem Wechsel aus Hoffenheim setzte ihn eine Schambeinentzündung außer Gefecht. Seine ersten Einsätze hatte er im Sommer im Toto-Pokal, später kamen Joker-Einsätze in der Liga hinzu, gipfelnd im Startelfdebüt beim Vorweihnachtssieg in Würzburg (3:0). „Das Jahr habe ich in der Reha begonnen und mit einem Stadioneinsatz beendet. Das war schon ein geiles Ende“, blickt das Ex-Sorgenkind zurück.

Mangelnde Erfahrung auf der ungewohnten Neudecker-Position als Zehner machte Linsbichler in Würzburg mit Eifer wett („Klar, dass ich Richie nicht eins zu eins ersetzen kann“). Wären Zuschauer zugelassen gewesen, hätte es vermutlich lautstarken Applaus gegeben, als der neue Fanliebling Räume zurannte und nach 70 Minuten erschöpft ausgewechselt wurde. Nicht belegt, aber auf der Hand liegend ist zudem, dass der Kult um den Wiener auch in dessen auffälligem Äußeren begründet liegt.

Stelzen aus Wien statt „Wampe von Giesing“

Zum einen ist da der Zopf, über den der Blondschopf sagt: „Der ist entstanden, als während Corona die Frisöre zu waren. Viele sagen, ich muss ihn unbedingt abmachen. Ich sage: auf keinen Fall. Mir taugt er.“ Zum anderen ist da Linsbichlers spargelartiger Körper. Eine Statur, die man selten sieht im Mucki-Business Profifußball: 1,93 m Körpergröße bei 81 Kilo Lebendgewicht, getragen von dürren Beinen, die schon im Kindesalter ein Markenzeichen waren. „Ich war schon immer eher ein großgeschossener junger Mann, schlanker als die anderen“, berichtet der Hüne und lacht: „Aber ich hab’s irgendwie geschafft, dass ich’s von der Koordination her hinkriege.“

Es sieht so aus, als hätten die Fans nach der Wampe von Giesing großen Gefallen an den Stelzen aus Wien gefunden. Der in der Liga noch torlose Linsbichler sagt über seine Chancen, Mölders zu beerben, als Zentralstürmer und Westkurvenliebling: „Ob ich in die Fußstapfen vom Sascha treten kann, weiß ich nicht. Aber ich glaube, so einen Spielertypen wie mich – groß und vorne drin – den haben wir nicht wirklich. Abschlüsse im Strafraum sind meine Stärke, ansonsten gibt es überall Luft nach oben – auch am Ball muss ich noch etwas ruhiger werden.“

Der Linsi schießt uns nauf!

Allesfahrer Roman Wöll.

Für positive Unruhe sorgt bereits der Personenkult um den langen Wiener, der am Tag vor dem Wiesbaden-Heimspiel 22 Jahre alt wird. Angesprochen auf das Phänomen Linsbichler, sagte Allesfahrer Roman Wöll, 67: „Warum wir den Linsi so feiern? Weil er uns naufschießt in die 2. Liga!“ Den Namen jenes Stürmers, der die Löwen in die aktuelle Liga geschossen hat, hört man übrigens immer seltener im Umfeld der Löwen.

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