TSV 1860 - FC Bayern II

Jan Mauersberger und Nicolas Feldhahn: Ja, es ist ein Derby!

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Jan Mauersberger (32) und Nicolas Feldhahn (31) im Derby-Interview.

Am Sonntag um 15 Uhr steigt das Stadtderby im Grünwalder Stadion. Vor dem Duell sind sich Jan Mauersberger (32) und Nicolas Feldhahn (31) in einem Punkt einig. Lesen Sie hier das ganze Derby-Interview.

München - Blau gegen Rot – dieses Duell elektrisiert die Fans, auch wenn es nur in der Regionalliga stattfindet. Die Löwen empfangen die kleinen Bayern zum Derby. 

Wir berichten hier im Live-Ticker vom brisanten Aufeinandertreffen auf Giesings Höhen

Doch vor dem Duell TSV 1860 - FC Bayern II trafen wir die beiden gebürtigen Münchner und Routiniers der Mannschaften Jan Mauersberger (32) und Nicolas Feldhahn (31) zum Derby-Interview.

Servus, die Herren! Ist das Spiel am Sonntag ein richtiges Derby?

Nicolas Feldhahn: Unsere Fans sind am Dienstag nach dem Spiel in Rosenheim auf uns zugekommen und haben uns klipp und klar gesagt: Das ist jetzt kein Amateur-Derby mehr, wir spielen gegen die erste Mannschaft der Blauen. Von daher: Ja, wir sehen es als richtiges Derby an.

Jan Mauersberger: Es ist ein Stadtduell und dementsprechend kann man schon von einem Derby sprechen. Die Bayern sind ein Liga-Konkurrent und wir wollen das Spiel gewinnen. Man kann sich vielleicht auf ein halbes Derby einigen (lacht).

Welche Bedeutung hat das Derby für die Spieler?

Feldhahn: Dieses Duell ist bei uns in der Mannschaft schon lange Thema. Das zeigt den Stellenwert. Es geht damit los, dass man für Familien und Freunde schlechter Karten bekommt als gewohnt. Wir Spieler wissen um die Brisanz. Alleine wegen der Zuschauerzahl: Vor so einer Kulisse spielen wir selten.

Sie haben schon mehrmals gegen die Löwen-Reserve gespielt. Wo wird am Sonntag der Unterschied zur ersten Mannschaft liegen?

Feldhahn: Die Rollen haben sich geändert. In den letzten Jahren waren wir stets Favorit und der Sieg wurde von uns erwartet. Sechzig wurde schneller von den Fans bejubelt und die waren zufrieden, wenn die Punkte geteilt wurden – vorausgesetzt, die Mannschaft hat gekämpft. Jetzt marschieren die Löwen in der Tabelle vorne weg und sind der große Favorit. Da können wir als FC Bayern nur gewinnen.

Nehmen Sie die Favoriten-Rolle an, Herr Mauersberger?

Mauersberger: Wir sind ja eh in jedem Spiel Favorit (lacht), das bringt dieser Doppel-Abstieg eben mit sich. Dieser Rolle sind wir bisher meistens gerecht geworden. Aber ich muss sagen: Die aktuelle Tabelle spiegelt die Qualität des Bayern-Kaders nicht wider.

Es kommt wohl nicht oft vor, dass der FC Bayern den Löwen gegenüber so tief stapelt.

Mauersberger: Das ist wohl die gängige Taktik vor diesem Spiel. Die Bayern sind sehr spielstark und haben daher keinen Grund sich zu verstecken. Wir werden sie nicht unterschätzen und uns bestmöglich vorbereiten.

Bei Bayern II läuft es in dieser Saison noch nicht wie gewünscht. Inwiefern ist dieses Derby die Chance, den durchwachsenen Start vergessen zu machen?

Feldhahn: Die Saison verläuft nicht so, wie wir es uns gewünscht haben, keine Frage. Wir können mit einem Derby-Sieg relativ viel gut machen. Wenn wir ein Spiel remis spielen und eins gewinnen würden, wären die Fans mit der Saison zufrieden. Bei den Blauen sehe ich das genau andersrum. Im Prinzip solltet ihr nicht verlieren. Aber wenn es so wäre und ihr steigt auf, interessiert eine Derby-Pleite auch nicht mehr.

Aufstieg vor Derbysieg, Herr Mauersberger?

Mauersberger: (lacht) Ihr wollt doch nur eine Schlagzeile haben! Für die Fans hat das Spiel einen enormen Stellenwert. Wir sind in einer guten Phase in dieser Saison. Wir müssen dran bleiben. In Augsburg haben wir Punkte liegen gelassen und müssen schauen, dass wir wieder in die Spur kommen. Den Vorsprung, den wir uns verdient haben, wollen wir nicht mehr hergeben. Über die höheren Ligen wurde aber bei 1860 in den letzten Jahren zu viel gesprochen. Deswegen sage ich: Wir konzentrieren uns auf das Hier und Jetzt und sind auf einem guten Weg.

In Ihren Mannschaften gehören Sie beide zu den Routiniers. Werden Sie die jungen Kollegen vorm Anpfiff daran erinnern, Temperament und Emotionen zu zügeln?

Feldhahn: Bei uns ist es so, dass die Einstellung der Jungs manchmal etwas zu locker ist. Deswegen werde ich sie wohl eher nicht bremsen, sondern darauf hinweisen, sich den Respekt vor der beeindruckenden Kulisse und die Brisanz in ihre Köpfe zu rufen. Das Feuer für ein erfolgreiches Derby haben sie definitiv!

Mauersberger: In beiden Teams gibt es viele Talente, die hoffentlich mal den Sprung in den Profi-Fußball schaffen. Dementsprechend müssen sie sich an so eine Kulisse und die Zuschauer gewöhnen.

Ist die Stimmung aktuell schon angespannt?

Feldhahn: Es ist eine Vorfreude. In Rosenheim hatten die Fans schon ein Banner aufgehängt und uns damit klargemacht, dass wir am Sonntag alles geben müssen. Als wir danach im Bus Richtung München saßen, hat man gemerkt, dass dieser Appell die Jungs beeindruckt und mitgenommen hat.

Mauersberger: Wir haben jetzt viele Münchner bei uns im Team. Da ist ja automatisch eine persönliche Brisanz gegeben. In meinem Freundeskreis sind sowohl Rote als auch Blaue – da will man natürlich gut ausschauen. Von dem her ist es kein Spiel wie jedes andere!

Feldhahn: Da kann ich nur zustimmen. Von daher hoffe ich, dass ich nach dem Spiel weniger Sprüche einstecken und mehr austeilen kann (lacht).

Was haben Sie für Erinnerungen an frühere Derbys?

Feldhahn: Als ich bei 1860 in der Jugend gespielt habe, haben wir bei einem Derby im Olympiastadion zugeschaut. Plötzlich hat Oliver Kahn einen eigentlich unhaltbaren Schuss mit einer großartigen Parade gehalten. Dann ist ein Mitspieler, der wie ich Bayern-Fan war, aufgesprungen und hat Kahn abgefeiert. Die Reaktionen im Löwen-Block kann man sich vorstellen…

Es wird Zeit für den Sieg!

Herr Mauersberger, was haben Sie für Erinnerungen an frühere Derbys?

Mauersberger: Ich erinnere mich an ein Amateurderby, plötzlich artete es von Zuschauerseite her aus – leider. Wir mussten die Partie unterbrechen. Daher kann ich nur an unsere Fans appellieren, sich zu benehmen und sich auf den tollen Support, wie in den vergangenen Heimspielen, zu besinnen. Pyrotechnik und Gewaltausbrüche sind trotz aller Rivalität einfach Gift für den Münchner Fußball.

Sie beide haben jeweils schon für die andere Farbe gespielt. Was haben Sie für Erinnerungen an Ihre rote, beziehungsweise blaue Vergangenheit?

Feldhahn: Ich habe mir schon gedacht, dass die Frage kommt (lacht). Ich hatte damals die Möglichkeit von einem kleinen Verein zu 1860 zu gehen. Das war der richtige Schritt, sonst wäre ich nie Profi geworden. Die Zeit dort war anstrengend. Am Ende habe ich auch nicht mehr gespielt und bin zur SpVgg Unterhaching gewechselt. Da habe ich nicht so glücklich auf meine Löwen-Zeit zurück geschaut. Heute sage ich, dass 1860 mir auf dem Weg in die Profikarriere geholfen hat – es war aber nur ein Schritt.

Mauersberger: Meine Zeit war positiv. Ich habe eine sehr gute fußballerische Ausbildung bekommen und zwei deutsche Meistertitel in der Jugend gewonnen. Der einzige Wermutstropfen war 2005 mein Kreuzbandriss. Der hat meinen Sprung in die Bundesliga verhindert und mich nur in die zweite Liga geführt. Auch die Zeit unter Hermann Gerland möchte ich nicht missen.

Warum schwärmen so viele Spieler von Hermann Gerland?

Mauersberger: Er ist einfach eine ehrliche Haut und sagt dir direkt ins Gesicht, was er erwartet. Ich glaube gerade in dem Alter, wo man als junger Spieler sein erstes Geld verdient, ist es gut, wenn du jemanden hast, der dich wieder auf den Boden holt. Er ist vielleicht nicht der größte Taktiker – seine Einstellung und sein Demut vor dem Sport und dem Geschäft vermittelt er aber grandios.

Feldhahn: Ich glaube, diese Meinung vertreten die meisten erst später. Viele erzählen, wie sie gelitten haben und im Nachhinein war es eine super Zeit. Er bereitet dich darauf vor, wie es im Profi-Sport abgeht.

Apropos Profikarriere: Herr Mauersberger, Sie sind dort schon seit Jahren aktiv, haben aber noch nie im Profi-Bereich gegen den FC Bayern gespielt.

Mauersberger: Das stimmt. Im Pokal stand ich im Kader von Greuther Fürth. Da haben wir 2:6 verloren, obwohl wir zur Halbzeit 2:1 geführt haben.

Sie, Herr Feldhahn, haben schon öfter gegen die Löwen gespielt. Einmal mit Haching 5:1 gewonnen, einmal 0:1 verloren. Dazu gab’s ein 0:5 im Trikot von Aue.

Feldhahn: Mit Haching – das waren meine ersten Spiele als Profi. Das war mein dritter oder vierter Einsatz in der zweiten Liga und wir haben direkt 5:1 gewonnen. Dafür habe ich ja auch mit Aue einmal fünf Kisten bekommen. Danach hat dann der Trainer das Handtuch geworfen. Bei den Amateur-Derbys habe ich auch noch nie gewonnen – es wird also Zeit.

Interview: Florian Fussek, Manuel Bonke

So sehen Sie TSV 1860 München gegen den FC Bayern II live im TV und im Live-Stream

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