Sportchef Poschner sieht sich blockiert

Alarmstufe 1: Fröhling fordert dringend Verstärkung

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Was nun? Sportchef Poschner (l.) und Trainer Fröhling leiden unter dem Stillstand an der Transferfront

Bodenmais - Löwentrainer Torsten Fröhling fordert nun ein, was "klar abgesprochen" war: vier, fünf Verstärkungen. Sportchef Poschner ist nicht sehr optimistisch.

Gerhard Poschner holte erst einmal ganz tief Luft, lauschte dem Zwitschern der Vögel, schaute angestrengt auf den Rasen des Glückauf-Stadions von Bodenmais, um sich schließlich Bedenkzeit zu erbeten. „Da muss ich erst einmal lange überlegen, um eine vernünftige Antwort zu geben. Das ist ganz schwierig“, sagte er. Die Frage, die den Sportdirektor des TSV 1860 arg zögern ließ, zielte auf den offenkundigen Stillstand der überfälligen Transferbemühungen. Eine heikle Sache, gerade für Poschner. Er gilt als komplett isoliert im Verein, im Grunde befindet er sich längst auf verlorenem Posten. Jedes falsche Wort kann in solch einem Fall die gleiche brandbeschleunigende Wirkung nach sich ziehen wie Öl, das man in längst hoch aufschlagende Flammen gießt. Somit hat es gestern ein wenig gedauert, bis Poschner mit der Sprache herausrückte. Seine Kernaussage hörte sich aber durchaus brisant an. „Das ist kein Zustand für die Mannschaft, die Spieler und den ganzen Verein“, sagte Poschner.

Noch deutlicher wurde Trainer Torsten Fröhling: „Wir brauchen jetzt unsere vier, fünf Verstärkungen, die wir klar abgesprochen haben. Sonst wird es ganz schwierig. Es ist wichtig, dass es ganz schnell geht – weil es geht nicht anders.“ Das klang nach Alarmstufe eins. Schließlich sind die Sechziger bereits seit vier Tagen wieder im Training – Neuzugänge konnten noch keine vermeldet werden. Obwohl die letzte Horrorsaison offenbarte, dass dringend Verstärkungen vonnöten sind. Mit Außenverteidiger Tim Hoogland (früher Schalke, zuletzt Fulham) schien man sich zwar bereits so gut wie einig zu sein. „Ich hätte ihn gerne gehabt“, so Fröhling. Der Niederländer entschied sich aber für den Ligakonkurrenten VfL Bochum. „Er hat uns gesagt, es hätte ihm mit uns zu lange gedauert“, sagte Fröhling.

Womit man wieder bei Poschner wäre. Der sieht sich derzeit in seiner Handlungsfreiheit offenbar stark eingeschränkt. Für Transfers benötigt er die Zustimmung des Not-Präsidiums. Siegfried Schneider, der zusammen mit Karl-Christian Bay die neue Übergangs-Doppelspitze bildet, ist aber ein erklärter Gegner des auch bei den Fans in Ungnade gefallenen Sportchefs. Zudem lässt sich das Führungsduo seit Montag von drei prominenten Sechzigern beraten, die Poschner nicht gerade wohl gesonnen sind. Mit Peter Grosser (76), Karsten Wettberg (73) und Thomas Miller (52) haben sich klangvolle Namen aus der 1860-Historie als Beirat zusammengefunden; das Trio verbindet auch, dass sie bei der Anti-Poschner-Demonstration vor knapp zwei Wochen auf dem 1860-Trainingsgelände eindeutig Stellung gegen den Sportchef bezogen haben. Klar, dass Poschner das als Affront sieht. Wettberg betonte gestern allerdings: „Wir sind keine Verhinderer, wir wollen das Beste für den Verein.“

Drei Altlöwen als Kontrolleure

Offenkundig ist dennoch, dass die jetzige 1860-Führung dem Geschäftsführer Sport zutiefst misstraut. Kein Wunder nach einer Katastrophensaison. Und es ist sicher nachvollziehbar, dass die Vereinsoberen alles daran setzen, Poschner aus seinem Amt zu entfernen. Doch der 45-Jährige macht keine Anstalten, auch nur einen Millimeter zu weichen. Die einzige Möglichkeit, den Sportchef zu entlassen, böte die 50+1-Regel der Deutschen Fußball-Liga (DFL). Investor Hasan Ismaik, Poschners Schutzheiliger, ließe sich auf diese Weise überstimmen. Nur droht den Löwen dann womöglich der Ruin, indem der Jordanier seine Darlehen zurückfordert. Von Ex-Präsident Gerhard Mayrhofer stammt der Satz: „Ismaik könnte uns platt machen – so schnell können wir gar nicht schauen.“

Eine verfahrene Situation also. Ein Ausweg ist derzeit nicht in Sicht. Hinzu kommt, dass erst noch ein neues Präsidium gefunden werden muss. „Wir haben in der wichtigsten Phase der Saison wichtige Zeit verloren, um die Weichen für dieses Spieljahr zu stellen,“ erklärte Poschner, „die Leidtragenden sind der Trainer und Mannschaft.“

Tatsächlich drängt sich auch die Vermutung auf, dass das Arbeitsplatzprofil, das 1860 derzeit zu bieten hat, nicht gerade anziehend wirkt. Sogar Felix Magath, der monatelang als künftiger Trainer und Sportdirektor der Löwen gehandelt wurde, ließ nach langem Schweigen in der „Sportbild“ zum 1860-Chaos verlauten: „Die Situation ist völlig irre.“ Poschner jedenfalls führt das offenbar schwindende Interesse von potenziellen Neuzugängen auf die jüngsten Turbulenzen zurück: „Es ist mehr als nachvollziehbar, dass Spieler so lange warten, bis Klarheit besteht, was bei 1860 passiert, wer der Trainer ist, wie sich die politische Lage entwickelt.“ Poschners Schlussfolgerung: „Unklarheit ist das Schlimmste, das uns passieren konnte.“ Eine Aussage, die sich auch auf die aktuelle 1860-Mannschaft bezieht. Kapitän Christopher Schindler deutete in Bodenmais bereits an, dass er seinen Verbleib bei den Löwen davon abhängig macht, wie sich die Dinge in den nächsten Wochen entwickeln. Fröhling hierzu: „Unsere Spieler wollen Klarheit haben. Das Theater der letzten Wochen ist auch an ihnen nicht spurlos vorübergegangen. Seine Forderung: „Es wäre besser, wenn man nun eine klare Linie fährt.“

Neue Hoffnung schöpfte Fröhling zumindest aus einem Telefonat, das er am Dienstag mit Not-Präsident Siegfried Schneider führte: „Er hat mir zugesichert, dass es jetzt ganz schnell mit Neuverpflichtungen geht – und davon gehe ich aus.“

Unterdessen gab der TSV 1860 bekannt, dass Schneider und Bay noch heute Bodenmais kommen werden. Eine überraschende Aktion. Der Grund: Das Führungsduo will sich in einer Pressekonferenz den Medien stellen. Man darf darauf gespannt sein, was sie zu sagen haben.

Armin Gibis

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