TSV 1860: Sechser-Problem intern gelöst

Gorenzel zu Verzicht auf Rieder-Rückkehr: „Keinen Platz mehr für Tim gehabt“

Tim Rieder im Trikot des TSV 1860 bei einem Zweikampf mit einem Gegenspieler des FC Bayern II
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Künftig im Trikot des Lokalrivalen Türkgücü: Ex-Löwe Tim Rieder.

Am Ende ist Tim Rieder bei Türkgücü gelandet und nicht bei seinem Ex-Verein TSV 1860. Löwen-Sportchef Gorenzel erklärt, was gegen eine Rieder-Rückkehr sprach.

München - Was das offizielle Saisonziel angeht, haben die Löwen inzwischen ihre Zurückhaltung abgelegt. Hilft ja nix, wenn man als Vorjahresvierter ins Rennen geht und von 15 Drittligatrainern als Aufstiegsanwärter eingestuft wird (Quelle: liga3-online.de). 1860-Coach Michael Köllner benennt zwar andere Favoriten (Braunschweig, Lautern, Saarbrücken), verweist aber zugleich auf die eigenen Ambitionen. „Wir wollten schon letztes Jahr hoch“, gab er jüngst zu, „und so ist es auch dieses Mal.“ Selbst der zu verbaler Defensivtaktik neigende Günther Gorenzel redet kaum noch um den heißen Brei herum. „Das nächste Jahr wird für viele richtungsweisend in ihrem Karriereverlauf“, äußerte der Sportgeschäftsführer vielsagend

.Die Löwen wollen also rauf – und das deckt sich mit den Zielen von Tim Rieder, 27, den viele Fans gerne wieder im 1860-Trikot gesehen hätten. In den Trainingslager-Tagen von Windischgarsten verriet Gorenzel, dass es ernsthafte Überlegungen gab, in den Poker um den am Betzenberg unglücklichen Sechser einzusteigen. „Mit Tim Rieder haben wir permanent Kontakt gehabt“, bestätigte Gorenzel: „Deswegen weiß ich, dass er zurück nach München wollte.“ Rieder sei im Sommer 2020 schließlich nicht zum FCK gewechselt, „weil wir ihn nicht mehr haben wollten, sondern weil wir sieben Monate lang keine Budgetlösung gefunden haben, um ihn zu halten“.

TSV 1860: Moll und Dressel sind preisgünstigere Lösungen als Rieder

Mit Tim Rieder haben wir permanent Kontakt gehabt. Deswegen weiß ich, dass er zurück nach München wollte.

1860-Sportchef Günther Gorenzel.

Gerne sieht man es bei 1860 nicht, dass Mölders-Spezl Rieder am Ende beim Lokalrivalen Türkgücü gelandet ist. Eine interne Eignungsprüfung ergab allerdings, dass Trainer Michael Köllner inzwischen preisgünstigere Lösungen zur Verfügung stehen, um Rieders Qualitäten als Aufbauspieler zu ersetzen. Zum einen durch Quirin Moll, 30, bis zu seiner Kreuzbandverletzung der Chef im 1860-Mittelfeld. Zum anderen durch Dennis Dressel, 22, dem die Löwen auch wegen seiner Doppelbegabung als Achter und Sechser einen Wechsel nach Darmstadt verwehren. „Dennis hat sich gut entwickelt, mit Quirin haben wir eine Lösung gefunden – deswegen muss man ganz klar sagen, dass wir von der Kaderplanung her keinen Platz mehr für Tim gehabt hätten“, erklärte Gorenzel.

TSV 1860: Darmstadt wartet zähneknirschend ein Jahr auf Dressel

Ein Verzicht, der sich dominomäßig auf gleich drei Vereine auswirkte. Rieder wechselte zwei Stadtteile weiter zu Türkgücü. Dressel muss noch ein Jahr an der Grünwalder Straße bleiben – und Darmstadt sich nach einem anderen Kandidaten umsehen. Die Lilien scheinen das inzwischen akzeptiert zu haben – zähneknirschend, wie ein Statement des 98-Präsidenten verdeutlicht. „Dann behalten sie ihn halt und geben ihn nächstes Jahr ohne Geld ab“, wird Rüdiger Fritsch im „kicker“ zitiert: „So einfach ist das.“ Im Übrigen, fügte der Lilien-Boss schmallippig hinzu, sei „Herr Dressel“ gar kein echter Sechser, „sondern ein gelernter Achter“.

In der Sache mag Fritsch da Recht haben, doch die Einschätzung der Löwen ist eine andere: Sie wollen mit dem Sechser Dressel in die 2. Liga aufsteigen – und mit ihm auch die brisanten Hürden nehmen, die sich schon Anfang August auftun. Im DFB-Pokal gegen Darmstadt. Und in der Liga gegen Rieders neuen Club Türkgücü, der zumindest für Gorenzel ein ganz heißer Mitbewerber um die Aufstiegsplätze wird.

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