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Gute Transfers, schlechte Transfers

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Von: Ludwig Krammer, Uli Kellner

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Sportchef Günther Gorenzel und 1860-Trainer Michael Köllner
Auch der Trainer ist ein Gorenzel-Transfer: Der Sportchef mit Michael Köllner. © Stefan Matzke / Sampics

Der Wirbel um die Mölders-Suspendierung lenkt bei 1860 von einem anderen Problem ab: Gorenzels Personalpolitik. Ist die Kritik an seinen Transfers berechtigt? 

Sascha Mölders: suspendiert. Co-Trainer Oliver Beer: weggelobt. Bei den Löwen wird Tabulara rasa gemacht, und es stellt sich die Frage: Welche weiteren Opfer wird die sportliche Fehlentwicklung fordern? Nachdem sowohl das Präsidium als auch die Investoren-Seite am Wochenende des 2:5-Desasters gegen Magdeburg bemüht waren, Michael Köllner aus der Schusslinie zu nehmen („Der Trainer steht nicht zur Disposition“), drehen sich die Debatten im Hintergrund um Sportgeschäftsführer Günther Gorenzel, den Mehrheitseigner Hasan Ismaik bei seinen Vertrauensbekundungen nicht erwähnt hatte.

Noch steht eine Entscheidung aus, ob Gorenzels zum Saisonende auslaufender Vertrag gekündigt wird. Wir liefern einen Überblick über die wichtigsten Transfers, seit Gorenzel im Januar 2018 installiert wurde – zunächst als Sportlicher Leiter neben Trainer Daniel Bierofka. Im Februar 2019 folgte auf Initiative von Ismaik die Beförderung zum Geschäftsführer.

Gute Griffe

Explizit zuzurechnen sind Gorenzel die Verpflichtungen von Merveille Biankadi, Richard Neudecker und Allrounder Yannick Deichmann, die trotz aller Leistungsschwankungen unter dem Strich als Verstärkungen durchgehen. Bitter natürlich, dass Deichmann ausgerechnet bei seinem ersten Einsatz auf seiner angestammten Offensiv-Position gegen Magdeburg den bislang schwächsten Auftritt im 1860-Trikot ablieferte. Weitere wichtige Kräfte, die unter Gorenzel kamen: Stefan Lex (Ingolstadt), Marius Willsch (Schweinfurt), Efkan Bekiroglu (Augsburg II) und das Leih-Duo Tim Rieder/Simon Lorenz (Augsburg/Bochum). Beide konnten mangels Etat/Aufstieg nicht gehalten werden.

Solide Griffe

Stephan Salger, vorige Saison ein Stabilitätsanker, verleiht der Defensive aktuell keine Sicherheit. Der Vertrag des Routiniers läuft aus. Marcel Bär, im Sommer aus Braunschweig gekommen, zeigt gute Ansätze. Der erhoffte Torjäger ist er mit seinen fünf Treffern (noch) nicht.

Spezialgriffe

Mit Adriano Grimaldi schien Gorenzel 2018 richtig zu liegen (fünf Tore und sechs Assists bei 19 Einsätzen). Nach Hierarchie-Konflikten mit Sascha Mölders zog der „Tor-Fürst“ zur Rückrunde weiter nach Uerdingen. Nicht zu vergessen: Gorenzel war es, der Dennis Dressel in dessen Reservisten-Zeit unter Bierofka stützte und früh das Potenzial von Niklas Lang erkannte.

Verlegenheitsgriffe

Wenn die Geldnot mal wieder groß war und der Gesellschafterkonsens klein, kam er als Transfer-Feigenblatt daher: Prince Osei Owusu. Zweimal lieh 1860 den Modellathlet von Arminia Bielefeld aus – Bündnisse auf Zeit, an denen sich die Fan-Geister schieden. Die einen kritisierten Eigensinn und Körpersprache. Andere denken lieber an die Last-Minute-Tore gegen Fortuna Köln (Klassenerhalt), Chemnitzer FC (4:3/letztes Heimspiel vor der langen Corona-Pause) und MSV Duisburg (3:2/Spiel eins nach dem Komplett-Shutdown).

Fehlgriffe

„Gemeinsam“ ist das Wort, das Gorenzel inflationär benutzt, und es stimmt schon: Kein Transfer geschieht ohne Rücksprache mit dem jeweiligen Trainer und den Segen beider Gesellschafter. Und trotzdem: Abwehrrocker Dennis Erdmann, Kurzzeit-Flop Martin Pusic und Keanu Staude waren Transfers, die es nicht gebraucht hätte.

FAZIT: Im Rahmen seiner eingeschränkten Möglichkeiten sind hoffnungsvolle Spieler gekommen. Dass viele nur eingeschränkt zünde(te)n, ist nicht allein Gorenzels Schuld. Stichwort: Gemeinsam. Es ist halt auch nicht leicht im speziellen Kosmos 1860, stabil zu performen.

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