1860-Tief: Erst einmal in der 3. Liga so wenige Punkte

Ismaik baut geknickte Löwen auf: „Wir müssen lernen, mit Rückschlägen umzugehen“

Köllner mag gar nicht mehr hinschauen, die ausgewechselten Spieler (Belkahia, Lex) blasen Trübsal.
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Löwen-Blues: Köllner mag gar nicht mehr hinschauen, die ausgewechselten Spieler (Belkahia, Lex) blasen Trübsal.

Da waren mal wieder 10.000 Fans im Stadion, und dann das: 0:2 gegen Zwickau. „Zum Kotzen“, fluchte Yannick Deichmann. Coach Köllner gab zu: „Ekelhaftes Gefühl.“

Marco Hiller stand vor einer gut besuchten Westkurve. Erstmals seit Februar 2020 war wieder eine fünfstellige Zuschauerzahl im Grünwalder Stadion zugelassen – trotzdem dürfte sich der Löwen-Torwart in dieser 63. Minute wie der einsamste Mensch auf dem Planeten Giesing vorgekommen sein. Hiller wusste: Der Treffer von Yannik Möker zum 2:0 für Zwickau war so etwas wie die Vorentscheidung. Ebenso wusste er, dass er diesen Sonntagsschuss an einem guten Tag gehalten hätte.

Am Samstag war für 1860 und Hiller kein guter Tag. „Wir woll’n Euch kämpfen sehen!“, brüllten einige der 10 000 Fans – ungewohnte Töne in der Löwen-Festung. Ebenfalls ungewohnt war die Reaktion der 1860-Profis auf den Gegentreffer zum 0:2. Keiner ging auf Hiller zu, um den geknickten Torwart aufzurichten. Mit gesenkten Köpfen schlurften zehn Feldspieler auf ihre Positionen zurück – Energie für eine überzeugende Schlussoffensive brachten sie nicht mehr auf.

Aus Yannick Deichmann sprachen Frust und Ratlosigkeit, als er nach dem Schlusspfiff sein Innerstes nach außen kehrte. „Das ist natürlich unfassbar sch..., dass wir hier jetzt wieder 0:2 dastehen“, schimpfte er ins Magenta-Mikrofon: „Wir fangen ordentlich an, spielen uns Chancen raus (...) – und dann kriegen wir mit einem Ding wieder das 0:1. Es ist echt zum Kotzen gerade.“

Besagtes Ding hatte Semi Belkahia Mitte der ersten Halbzeit verschuldet. Im Infight mit Johann Gómez verlor der lange verletzt gewesene Innenverteidiger die Kontrolle, ging zu Boden – und sah von dort zu, wie der U 20-Nationalspieler der USA zum 0:1 vollstreckte. „Das war natürlich sicherlich sein Tor, keine Frage“, tadelte Michael Köllner den Sünder, ungewohnt deutlich: Belkahia habe zuvor „schon ein- bis zweimal drum gebettelt“. Generell fand der 1860-Coach den Nachmittag „enttäuschend“ – man sah ihm das auch an. Erfrischend ehrlich fügte er hinzu: „Solche Niederlagen fühlen sich ekelhaft an.“

 Das war natürlich sicherlich sein Tor, keine Frage. Er hatte schon zuvor ein- bis zweimal drum gebettelt.

Michal Köllner über Semi Belkahia, der vor dem 0:1 folgenschwer patzte.

Besonders eklig macht das Ergebnis der Rahmen, in den es sich einfügt. Zwar hatten die Löwen auch bei ihrer letzten Heimniederlage gegen Zwickau verloren (0:1 am 31. Januar), damals allerdings nach turmhoher Überlegenheit in der ersten Halbzeit. Bemerkenswert ist auch, dass Köllners Team erneut einem kriselnden Gegner zu seinem ersten Saison-Dreier verhalf (zuvor 0:3 in Lautern, das erst gestern wieder siegte). Nach einem Viertel der Saison kann man weiterhin von einem ungünstigen Trend sprechen – oder aber von einer alarmierenden Entwicklung.

Elf Punkte aus den ersten neun Spielen entsprechen der schlechtesten Ausbeute, die 1860 zu diesem Zeitpunkt als Drittligist aufwies. Zwölf sammelte 1860 als frisch gebackener Aufsteiger, 17 waren es vor einem Jahr. Elf (bei einem etwas schlechteren Torverhältnis) standen nur 2019/20 zu Buche – sechs Wochen, bevor Daniel Bierofka die Brocken hinwarf und ein neuer Trainer die Trendwende schaffte: Michael Köllner.

Vor einem Jahr hatten die Löwen sechs Punkte mehr nach neun Spielen

Erfreulich für den aus der Quarantäne zurückgekehrten Coach: Trotz der Stagnation auf dem Spielfeld und in der Tabelle muss Köllner nicht fürchten, dass auch ihn ein Herbststurm davonwehen könnte. Wenige Stunden nach dem Schlusspfiff formulierte Hasan Ismaik einen Treueschwur. Köllner und die Spieler „genießen weiterhin mein absolutes Vertrauen“, schrieb der Investor bei Facebook und riet: „Wir müssen lernen, bei unserem Weg mit Rückschlägen umzugehen.“

Köllner indes hofft, dass der „Grip“ schon in der bevorstehenden Trainingswoche zurückkehrt – spätestens aber am Samstag, beim Auswärtsspiel in Verl (14 Uhr).

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