Heimspiel gegen Lübeck mit Zuschauern

1500 gegen den Phantomschmerz

Die Bilanz der Löwen in Spielen ohne ihren zwölften Mann ist überschaubar: Sieben Spiele mit einer Ausbeute von zehn Punkten (drei Siege, drei Niederlagen, ein Unentschieden). Am Samstag gegen Lübeck sind nun erstmals nach einem halben Jahr wieder Zuschauer zugelassen - wenn auch nur halb so viele, wie von 1860 erhofft und der Stadt in Aussicht gestellt. FDP-Politiker Martin Hagen kritisiert die Entscheidung, Köllner ist froh, dass sich überhaupt wieder was rührt in Giesing...

Vieles läuft nach Plan in der Amtszeit von Trainer Michael Köllner, der den TSV 1860 vor genau elf Monaten übernommen hat. Die Mannschaft legte auf Anhieb eine Serie hin (16 Spiele in Folge ohne Niederlage), präsentiert sich als Einheit, spielt dominanten Fußball und zeigt auch in engen Spielen Biss wie zuletzt in Zwickau (2:1). Nur eine Sache gibt es, der steht auch der ehrgeizige Köllner machtlos gegenüber: Der Bilanz in Spielen ohne Zuschauer. Seit Ausbruch der Corona-Pandemie traten die Löwen sieben Mal vor leeren Heimtribünen an und behielten dabei nur dreimal alle drei Punkte in Giesing.

„Fußball ohne Fans ist eine Katastrophe“, sagt Köllner, der vieles kann, aber nicht die Energie ersetzen, die von 15.000 Zuschauern im üblicherweise ausverkauften Grünwalder Stadion ausgeht. Beim letzten Heimspiel, dem 1:1 gegen Magdeburg, war dieser Phantomschmerz besonders spürbar. Nach dem 0:1-Rückstand kamen die Löwen in der 70. Minute zum Ausgleich. Normal der Aufbruch für 20 Schlussminuten voller Feuer, Dynamik und zitternden Gegnerbeinen. Diesmal jedoch nahm der Gegner einen Punkt mit. Würzburg, Rostock und Ingolstadt hatten am Ende der letzten Saison gleich drei Punkte in einer menschenleeren Löwen-Festung ergaunert.

Womöglich ist es kein Zufall, dass die Löwen ihre beiden Siege in der noch jungen Saison in Meppen und Zwickau holten – vor 500 bzw. 3600 Fans der jeweiligen Heimmannschaft. „Hauptsache, es rührt sich wieder was“, sagt sich Köllner und posierte nicht ohne Grund für eine Instagram-Kampagne, in denen die Löwen für eine „Rückkehr der Zuschauer“ trommeln. Zum Leidwesen der Löwen brachte die nur einen Teilerfolg. Obwohl der Inzidenzwert zuletzt unter 35 lag, dürfen die Löwen am Samstag gegen Lübeck nur 1500 statt 3000 Zuschauer begrüßen. FDP-Politiker Martin Hagen, Vorsitzender der Landtagsfraktion und bekennender 1860-Fan, teilt das Unverständnis des Vereins über die Entscheidung der Stadt. „Diese willkürliche Entscheidung ist für mich absolut nicht nachvollziehbar“, schimpft Hagen. „Wofür haben wir denn überhaupt Grenzwerte, wenn sie letztlich nicht maßgeblich sind? Diese kurzfristige Entscheidung der Stadt hat mit seriöser Politik nichts zu tun. Vereine und Fans verdienen Planungssicherheit. Herr Reiter, halten Sie sich bitte an die geltenden Regeln!”

Bei aller Enttäuschung dürfte bei Köllner die Freude überwiegen, dass sich am Samstag überhaupt mal wieder was rührt - nach einem halben Jahr Geisteratmosphäre in Giesing. Wie sagte er kurz vor dem Saisonstart? „Wir sind nicht dafür geboren, dass wir elf gegen elf fürs Fernsehen spielen - und am Rand steht dann ein Ordner und sagt: „Bitte setzen Sie die Maske auf!“

Auch interessant

Kommentare