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Den Löwen fehlen sieben Punkte und neun Tore

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Von: Uli Kellner

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1860-Stürmer Marcel Bär hat einen Ball unter dem Trikot versteckt und freut sich.
Die neue Wampe von Giesing? Nein, hier freut sich Marcel Bär, der sich als werdender Papa einen Ball unters Trikot gesteckt hat und mehr Hinrundentore geschossen hat als jeder andere 1860-Profi. © Imago

Früher war alles besser? Von wegen. Beleuchtet man die Hinrunde der Löwen, fällt auf: Köllners Team hat abgebaut - bei den Punkten, Toren und in der Tabelle.

Früher war die Sache so einfach wie übersichtlich: Nach Abschluss der Hinrunde wurde ein Cut gemacht, dann kam Weihnachten, eine längere Winterpause – und wenn der erste Schnee fiel, startete eine Fußballsaison traditionell in die Rückrunde.

Das mit dem späten Schnee mag eine subjektive Wahrnehmung sein, der Rest hatte jedoch eine lange Tradition. Als noch nicht so viel in Spielpläne reingepackt werden musste, war der Herbstmeister zugleich der Wintermeister. Ein guter Hinrundenabschluss hatte somit psychologische Relevanz – weil das Ergebnis nach der ersten Halbserie stehen blieb und auch mit in die Januar-Vorbereitung genommen wurde.

Und in der Neuzeit? Auch wegen des coronabedingt späten Starts erfolgte der Cut vorige Saison erst Mitte Januar – nach den Nachzügler-Runden 18 und 19. Heuer ist es wieder so wie in den Vor-Pandemie-Jahren: Wenn schon die meisten Kerzen am Adventskranz brennen, wird noch schnell der erste Rückrundenspieltag reingequetscht. Ehe es also verwischt wird, sei festgehalten: Magdeburg ist Halbzeitmeister in der 3. Liga, die ersten Verfolger sind Braunschweig (Platz 2) und Mannheim – 1860 dagegen ist Neunter.

Für die Löwen steht damit fest: Der Zusatz-Spieltag vor dem Fest kann genutzt werden, um Tabellenkosmetik zu betreiben, drei Punkte in Würzburg vorausgesetzt (Montag, 19 Uhr). An der Wahrheit jedoch führt kein Weg vorbei. Sie lautet: Letztes Jahr war alles besser, wie unser Hinrunden-Vergleich schonungslos offenlegt.

Punkte/Platzierung

Sieben Punkte in der Englischen Woche vor Weihnachten, dazu die sechs Derbypunkte Anfang Januar (2:0 gegen Bayern II, 1:0 gegen Ingolstadt) – der Jahreswechselbooster hat den Löwen vorige Saison viel Rückenwind im Kampf um den Relegationsplatz beschert. Achtbare 33 Zähler standen nach 19 Runden zu Buche – ein Rekordwert für 1860 in der 3. Liga. Dagegen die aktuelle Hinrundenbilanz: sieben Punkte weniger, die sich natürlich auch tabellarisch auswirken. Statt von Platz drei muss das Team von Michael Köllner diesmal von Platz neun aus in die zweite Saisonhälfte starten. Auffällig: Die Differenz lässt sich auf eine schwächere Auswärtsausbeute zurückführen (11 Punkte statt 17) – sie wäre noch eklatanter ausgefallen, hätte sich 1860 nicht wenigstens zuletzt noch zu zwei Advents-Dreiern in Havelse und Dortmund aufgerafft.

Torausbeute

Was ein Torjäger in Topform wert ist, haben die Löwen vor einem Jahr erfahren. Bereits nach der Hinrunde standen für Sascha Mölders 13 Treffer zu Buche (am Ende dann 22) – an diesen Wert kam er nicht annähernd ran bis zu seinem Aus vor dem Dortmund-Spiel (18 Einsätze, 5 Tore). Was aber gerne übersehen wird: Von den 38 Hinrundentoren in der zurückliegenden Saison gingen immerhin 25 auf das Konto von Spielern, die nicht Mölders heißen. Heuer dagegen: Nur 29 Mal haben alle Löwen zusammen getroffen. Neuzugang Marcel Bär liegt bei sechs Treffern, Stefan Lex bei fünf, gefolgt von Fabian Greilinger und Richard Neudecker mit schon jeweils nur zwei Toren. Nicht ohne Grund sagte der neue Kapitän Lex nach dem 2:0-Sieg in Dortmund: „Es sollte immer so sein, dass jeder von uns ein Tor schießen kann.“

Defensivleistung

Immerhin: Sehr viel häufiger als voriges Jahr verlieren die Löwen nicht (5 statt 4 x). Und was die Anzahl der Zu-Null-Spiele angeht, steht es sogar 5:5 im Hinrundenvergleich. Das war’s dann aber auch schon mit guten Nachrichten von der Defensivfront. Insgesamt 27 Mal musste Marco Hiller hinter sich greifen (meist schuldlos) – achtmal häufiger als in den ersten 19 Spielen der zurückliegenden Saison. Kollektive Schludrigkeit, die die Löwen abstellen sollten, damit in der Rückrunde noch was geht.

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