„Ein Leben ohne 60 ist möglich – aber wozu?“

„Ein Verein voller Widersprüche“: Hubert Pöllmanns Löwen-Film startet im Kino

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Hubert ­Pöllmann (re.) mit Freund und Co-Darsteller „Jogi“ Jürgen Gsantner.

Der TSV 1860 kommt ins Kino: Hubert Pöllmann hat einen Film über seine Löwen gedreht. Viele 1860-Protagonisten kommen zu Wort. 

München - Löwenfan seit Jahrzehnten, regelmäßiger Gast bei Trainingslagern, Heim- und Auswärtsspielen – Hubert Pöllmann (65) liebt und lebt die Sechziger aus tiefstem Herzen. Jetzt hat der gelernte Lehrer und Gründer der Münchner Drehbuchschule seinen siebten Spielfilm fertiggestellt. 

Unter dem Titel Ein Leben ohne 60 ist möglich – aber wozu? feiert der Streifen am Freitag um 20.30 Uhr im Gabriel Filmtheater Premiere (Dachauer Str. 16, Restkarten an der Abendkasse). Eine weitere Vorführung findet am Sonntag zur selben Zeit statt, die DVD wird Anfang kommenden Jahres erhältlich sein.

Herr Pöllmann, sieben Jahre nach „Männer am Nachmittag“ gibt es nun die inoffizielle Fortsetzung. Was hat Sie zu diesem neuen Projekt veranlasst?

Hubert Pöllmann: Die Idee entstand im Sommer-Trainingslager in Obertraun letztes Jahr. Als ich den Daniel Bierofka gesehen hab, wie er dort nach dem Doppelabstieg mit seiner notdürftig verstärkten U 21 trainiert hat, hab ich ein furchtbar bedrückendes Gefühl bekommen. Ich hatte meine Kamera dabei und hab mir gedacht: Wenn du 1860 jetzt nicht irgendwie hilfst, dann wirst du dir ewig Vorwürfe machen. So hab ich angefangen, ein Konzept für einen neuen Film zu erstellen, dessen Erlös komplett dem Löwen-Nachwuchs zugute kommen wird. Die Jugendarbeit, einst unser großer Stolz, steht unter großem finanziellen Druck. Mein Traum ist es, eine hohe fünfstellige Summe zusammenzubekommen.

Daniel Bierofka und Hubert Pöllmann: Im Trainingslager in Obertraun entstand die Idee zum Film. 

Ich durfte den Film vorab sehen und war erstaunt über die Interviewszenen. Sie lassen 1860-Protagonisten wie Dr. Markus Drees, Jakob Kraus, Franz Hell und Claus Melchior teils extrem lange reden. Warum die Sparsamkeit beim Schnitt?

Pöllmann: Weil es mir wichtig war, die Leute ausreden zu lassen. Natürlich kommt es hier und da zu Widersprüchen, etwa bei der Stadionfrage oder beim Investor generell. Aber genau das wollte ich abbilden. Sechzig ist ein Verein voller Widersprüche. Im Grunde ein einziger Widerspruch aus Tradition und Moderne, der auch zur Metapher fürs Leben taugt.

Sie konnten beim Schreiben und Drehen nicht ahnen, dass die Regionalliga-Saison mit dem Aufstieg enden würde, weshalb die Dramaturgie von einer gewissen Sprunghaftigkeit geprägt ist. Würden Sie im Nachhinein anders vorgehen?

Pöllmann: Nein, wir haben den Film kurz nach dem Aufstieg abgeschlossen und so sollte er auch stehen bleiben. Wissen Sie, mich stört bei Dokus oft, dass sie aufgehen wie eine Gleichung. Aber das Leben ist in den seltensten Fällen eine Gleichung. Ich hatte beim Drehen kein Ergebnis im Kopf. Ehrlich gesagt habe ich zu Saisonbeginn eher geglaubt, dass wir fünf Jahre in der Regionalliga bleiben. Zum Glück ist es anders gekommen, auch wenn sich bis heute kein Löwenfan so recht erklären kann, warum das in der Relegation gegen Saarbrücken geklappt hat.

Ex-Präsident Gerhard Mayrhofer bekommt im Film einige verbale Ohrfeigen verpasst. War Ihnen das ein besonderes Anliegen?

Pöllmann: Diese Personen haben es genau so verdient, ohne dass ich jetzt inhaltlich zu viel verrate. Die Ismaik-Unterwürfigkeit von Peter Cassalette war eine Folge des Mayrhofer-Desasters, daraus folgte die Katastrophe des Doppel-Abstiegs. Jetzt sind wir zwar zurück in Giesing, aber die Grundfragen sind immer noch dieselben.

Als da wären?

Pöllmann: Ist Sechzig als Profiklub zukunftsfähig? Wo soll diese Zukunft stattfinden? Oder müssen wir uns davon verabschieden, perspektivisch zu denken – mit all den Konsequenzen.

Können Sie sich ein Leben ohne Sechzig vorstellen?

Pöllmann: Einfache Antwort: Ich will es nicht.

Ein Leben ohne 60 ist möglich – aber wozu? feiert der Streifen am Freitag um 20.30 Uhr im Gabriel Filmtheater Premiere (Dachauer Str. 16, Restkarten an der Abendkasse)

Interview: Ludwig Krammer

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