tz-Interview

Löwen-Insider: "Mir geht echt die Düse"

+
Svend Friderici (hintere Reihe, Mitte), hier auf einem Archivfoto.

München - Svend Friderici, der seit über zwanzig Jahren immer ganz in der Nähe des jeweiligen 1860-Präsidenten Platz nimmt, macht sich ganz große Sorgen um seinen Verein: das tz-Interview.

Der Blick sagt alles. Apathisch, resignierend, vom Frust zermürbt verfolgt Svend Friderici am vergangenen Samstag im VIP-Bereich der Allianz Arena die fünfte Heimniederlage seiner Löwen in Folge. Vor ihm sitzt Investor Hasan Ismaik, der mit einem Kaffeebecher in der Hand die 2:3-Pleite des TSV 1860 gegen den Karlsruher SC relativ gelassen zur Kenntnis nimmt. Gelassenheit ist Friderici fremd geworden. Der Versicherungskaufmann (54) aus Dachau, der vor fünfzig Jahren sein erstes Löwen-Spiel live im Stadion gesehen hat und seit über zwanzig Jahren immer ganz in der Nähe des jeweiligen Präsidenten Platz nimmt, macht sich ganz große Sorgen um seinen Verein. Ihn treibt die Abstiegsangst um. Das tz-Interview.

Herr Friderici, wie ist das Befinden?

Friderici: Nicht so gut. Platz 16 ist der Wahnsinn. Vor allem, wenn man bedenkt, mit welchem Anspruch wir in die Saison gegangen sind, Wir stehen schlechter da als in der Abstiegssaison 2003/04, als wir zum gleichen Zeitpunkt vier Punkte mehr hatten. Mir geht inzwischen echt die Düse.

Sie sprechen von Ansprüchen. Welche meinen Sie?

Friderici: Na ja. Der damalige Trainer Ricardo Moniz hat doch Platz eins als Ziel ausgegeben. Aber ich bin auch der Meinung, dass du beim TSV 1860 jedes Jahr die Verpflichtung hast aufzusteigen.

Wie sehr beeinträchtigt die Erfolglosigkeit Ihres Vereins Ihr Privatleben?

Friderici: Das schlägt schon aufs Gemüt. Und dann noch die Kommentare von den Bekannten oder Kollegen. Die reden blöd daher oder tun auf mitleidig und fragen scheinheilig, wie 1860 gespielt hat. Das nervt. Aber mich haut das nicht um. Nach jeder Niederlage glaube ich an einen Sieg im nächsten Spiel.

Sie dürfen das, aber Sie bekommen im VIP-Raum auch die Reaktionen der Verantwortlichen mit. Wird der Ernst der Lage erkannt?

Friderici: Ich habe nicht den Eindruck. Da hört man immer „Des werd scho“ usw. Da herrscht eine Gelassenheit, die nicht angebracht ist.

Wie haben Sie Hasan Ismaik, der ja ganz in Ihrer Nähe saß, gegen den KSC wahrgenommen?

Friderici: Der war auch ganz entspannt und hat keine Emotionen gezeigt. Als Maxi Wittek das 1:0 für uns schoss, sind alle aufgesprungen, nur Ismaik ist sitzen geblieben. So, als wäre er ein neutraler Beobachter. Ansonsten hat er viel mit seinem Handy gefilmt. In der Pause habe ich mich mit ihm kurz unterhalten, er war wie immer sehr freundlich.

Wann haben Sie eigentlich das letzte Mal ein Spiel des TSV 1860 versäumt?

Friderici: Nachdem ich seit 1993 alle Eintrittskarten aufhebe, weiß ich, dass ich kein Heim- oder Auswärtsspiel seit 21 Jahren verpasst habe. Das letzte war wahrscheinlich die Partie gegen Memmingen 1984, da hatte mich jemand zum Formel-1-Rennen nach Spa in Belgien eingeladen. Mein allererstes Spiel live im Stadion war übrigens das Pokalfinale 1964, das wir in Stuttgart 2:0 gegen Eintracht Frankfurt gewonnen haben. Da war ich vier.

Wie wird es bei 1860 weitergehen, sollte der Verein absteigen?

Friderici: Dann, glaube ich, brechen immer mehr Fans weg. Dann haben wir wahrscheinlich keine 10 000 mehr. Und du weißt ja nicht mal, ob es dann in die Dritte Liga geht oder noch weiter runter.

Welche Fehler wurden in dieser Saison gemacht?

Friderici: Man hätte schon mal einen anderen Trainer als Ricardo Moniz holen müssen. Und dann diese Kaderplanung! Wenn ich im Sommer zehn Neue hole, und jetzt auf die Jugend setze, dann stimmt etwas nicht. Durch diese vielen Neuen aus aller Herren Länder ist auch eine ziemliche Grüppchenbildung entstanden. Ich sehe da keine Mannschaft. Übrigens hab’ ich da noch eine ganz nette Anekdote.

Ja?

Friderici: Zur Oktoberfestzeit saß ich mit einem Spieler und dessen Freundin im VIP-Raum und sagte ihm, dass ich eine schlechte Nachricht für ihn hätte. Er wollte natürlich wissen welche, und ich antwortete, dass ich jeden Tag mit seiner Freundin auf die Wiesn gehen würde.

Und?

Friderici: Der Spieler lachte und sagte: „Wenn’s weiter nichts ist. Ich hab’ schon befürchtet, wir müssten jetzt alle Spanisch lernen…“

tz

1860 geht unter die Haut: Tattoo-Bilder unserer Leser

1860 geht unter die Haut: Tattoo-Bilder unserer Leser

auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Ismaik deutet Trainingslager in Abu Dhabi an
Ismaik deutet Trainingslager in Abu Dhabi an
Rekord-Löwe Ribamar feiert Debüt - „Er hat’s gut gemacht“
Rekord-Löwe Ribamar feiert Debüt - „Er hat’s gut gemacht“
Dominik (6) aus Mörnsheim braucht Ihre Hilfe
Dominik (6) aus Mörnsheim braucht Ihre Hilfe
Lacazette: „Mein Ziel heißt Stabilität“
Lacazette: „Mein Ziel heißt Stabilität“

Kommentare