Sechzig im Trainingslager

Löwen-Keeper im Doppelinterview: "Keine Zeit für Sperenzchen"

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Konkurrenten im Training, entspannt beim Interview: Eicher und Ortega.

Estepona - Im Kampf um die Vorherrschaft im Löwen-Tor sind sie Kontrahenten. Grund genug für ein Doppelinterview mit Eicher und Ortega. Im Gespräch mit der tz sprachen sie über ihre Lage, die Neuzugänge und Selbsthypnose.

Ein Doppelinterview? So ganz wohl fühlen sie sich anfangs nicht, die beiden Kontrahenten um die Nummer eins im Löwen-Tor. Vitus Eicher (25) und Stefan Ortega (23) sitzen etwas verspannt in der Lobby des Fünf-Sterne-Mannschaftshotels „Elba“ in Estepona. Ein Zustand, der sich rasch ändern wird.

Herr Eicher, Herr Ortega, Trainer Benno Möhlmann hat den Kampf um die Nummer eins in der Winterpause neu eröffnet. Wie schätzen Sie die Lage aktuell ein?

Eicher: Im Profifußball musst du immer um deinen Platz kämpfen. Und jetzt in der Vorbereitung sowieso. Ich denke nicht, dass es irgendeinen Bonus gibt.

tz-Reporter Ludwig Krammer im Gespräch mit Vitus Eicher und Stefan Ortega.

Ortega: Ich denke, dass man beim letzten Test gegen Burghausen wissen wird, wo die Reise hingeht. Als Herausforderer baue ich natürlich auf solche Phasen wie jetzt. Es wird bei allen Spielern genau hingeschaut. Vitus und ich werden uns einen fairen Kampf liefern.

Eicher: Davon gehe ich aus. Wir kommen gut miteinander aus. Auf dem Platz und außerhalb. Natürlich ist es was Besonderes auf der Torhüterposition, wo nicht so oft gewechselt wird wie auf dem Feld. Aber wie Tego (Ortegas Spitzname, d. Red.) gerade gesagt hat: Das Entscheidende ist, dass alles sportlich fair abläuft.

Die bisherige Saisonbilanz ist ausgeglichen. Jeder hat gleich viele Siege auf dem Konto.

Eicher: (beißt die Zähne zusammen) Ja, stolze zwei.

Kollege Ortega brauchte dafür nur drei Pokalspiele und einen Liga-Einsatz (beim 1:1 in Bielefeld). Wie würden Sie sich beide selbst beurteilen?

Ortega: Ich denke, dass meine Leistungen gut waren, aber für meine Ansprüche war es natürlich zu wenig Spielzeit.

Eicher: Ich hatte 18 Einsätze, die Beurteilung überlasse ich anderen. Aber auf Tabellenplatz 17 kann natürlich keiner zufrieden sein.

Mit Sascha Mölders und Jan Mauersberger sind zwei erfahrene Spieler dazugekommen. Wie viel Hoffnung macht Ihnen das?

Ortega: Sascha ist vom Typ her wunderbar. Er gibt Vollgas im Training und ist nicht zum Eierschaukeln hier. Jan ist ja gerade erst dazugekommen. Mein erster Eindruck: ein einwandfreier Kerl. In unserer Lage und bei den Abgängen war klar, dass was passieren musste – und muss.

Heikle Frage, aber wenn Sie schon mal hier sind: Gibt es sportliche Fähigkeiten, die Sie vom jeweils anderen gerne hätten?

Eicher: Was soll ich sagen… Ich bin wie ich bin, Tego ist, wie er ist. Wir haben beide unseren Stil. Und jeder weiß, was er noch verbessern kann.

Sehr diplomatisch…

Ortega: (lächelt) Genau dieselbe Antwort hätte ich auch gegeben.

Eicher: "Wir glauben an uns und wollen's allen zeigen"

Wie lässt sich das vergangene Jahr aus dem Köpfen bekommen?

Eicher: Die Stimmung war zum Schluss schon sehr negativ. Dieses ganze Jahr mit der Relegation, der Unsicherheit im Sommer und der völlig danebengegangenen Hinrunde, da bleibt schon was hängen. Aber ich spüre jetzt ein positives Grundgefühl in der Mannschaft. Wir glauben an uns und wollen’s allen zeigen. Das erste Ziel ist, gegen Nürnberg mit Elan zu starten und den Schwung mitzunehmen.

Ortega: Es gibt nur eine Richtung, viel schlechter kann’s ja nicht werden. Das einzig Positive bisher war, dass es noch andere gibt, die unten mit drinhängen. Düsseldorf, Paderborn, wir und Duisburg werden auf Sicht jetzt mal die sein, die es untereinander ausmachen. Wir sind uns der Lage alle bewusst, es ist jetzt keine Zeit mehr für Sperenzchen. Jeder muss dem sportlichen Erfolg alles unterordnen. Wenn wir’s im Sommer geschafft haben, dann ist auch wieder Zeit für andere Dinge.

Bilder vom 1860-Trainingslager: Mit Mölders und Medizinbällen

Was machen Sie hier im Trainingslager, wenn nicht gerade trainiert wird?

Ortega: Maxi Wittek hat Spielkarten dabei. Ich lerne gerade Watten. Chris Schindler und Kai Bülow dazu, das ist unsere Runde.

Hatten Sie auch Bücher mit im Koffer?

Ortega: Ja, Die Selbsthypnose von Jan Becker – das hat mir mein Berater geschenkt.

Eicher: Nicht im Ernst! Das hab ich auch gelesen (lacht).

Kurze Zusammenfassung?

Ortega: Hauptsächlich geht’s darum, wie man es schafft, negative Sachen nicht so stark an sich heranzulassen.

Eicher: Ja, das Buch ist wirklich brauchbar. Es werden bestimmte Techniken zum Runterkommen erklärt. Ich hab‘s nicht bereut, es gelesen zu haben.

Welches Buch haben Sie dieses Mal dabei, Vitus?

Ortega: Shades Of Grey, oder? (grinst)

Eicher: Genau! (lacht) Nein, es ist etwas sehr Ernstes dieses Mal. „Was es heißt, ein Mensch zu sein“ von Henning Mankell. Seine Gedanken nach der Krebsdiagnose. Ein Buch, das einen nachdenken lässt über die Fragen des Lebens. Es ist ja nicht so, dass wir uns nicht auch mit anderen Dingen beschäftigen.

Genügend Schlaf bekommen Sie trotzdem?

Ortega: Die Kraft, bis in die Puppen aufzubleiben, hat hier niemand.

Eicher: (lacht) Glauben Sie mir, in der Vorbereitungszeit schläft man gut.

Interview: Ludwig Krammer

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