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Ober-Löwe gibt sich wehrhaft

1860-Präsident Reisinger: „Mit mir fährt niemand Schlitten“

Robert Reisinger
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Robert Reisinger.

Robert Reisinger ist übergangsweise neuer Präsident des TSV 1860. Doch wer ist der Mann, der das Erbe von Peter Cassalette antritt? Der 53-Jährige setzt auf Bodenständigkeit.

München – Der Ton, der momentan in und um den TSV 1860 vorherrscht, klingt bisweilen schon fast kriegerisch. So ließ Peter Cassalette, der Ex-Präsident, im ersten Interview nach seinem an eine Flucht erinnernden Rücktritt verlauten: „Der TSV 1860 zerstört sich leider von innen.“ Schwere rhetorische Geschütze werden da derzeit in den Turbulenzen um den Münchner Traditionsklub aufgefahren. Und allein schon insofern ist es erstaunlich, dass Robert Reisinger, Vize des 1860-Verwaltungsrates, sich für das Amt des Übergangspräsidenten der Sechziger zur Verfügung gestellt hat. 

Gut vier Wochen sind es bis zur Mitgliederversammlung (2. Juli), bei der ein neuer Vereinschef gewählt wird. Für den 53-Jährigen gilt es, in dieser knappen Zeitspanne die wohl größte Krise in der krisenreichen Geschichte des Vereins einigermaßen in den Griff zu bekommen. Reisinger weiß natürlich, worauf er sich da eingelassen hat: „Vergnügungssteuerpflichtig ist die Aufgabe sicher nicht. Aber ich bin Löwe und kann mich nicht einfach wegducken, wenn mein Verein mich in schwerer Stunde braucht.“

Für die breite Öffentlichkeit ist Reisinger, seit 22 Jahren 1860-Mitglied, bislang nicht groß in Erscheinung getreten. Im Verein ist er jedoch keineswegs ein Unbekannter. Von 2009 bis 2013 war er Leiter der – vornehmlich für den Nachwuchs – zuständigen 1860-Fußballabteilung. Auch als Mitglied der „Freunde des Sechzger Stadions“ hat er im internen Diskurs mitgemischt. Auch kann ihm nicht nachgesagt werden, er hätte sich jemals für das Investoren-Modell begeistern können. Er ist damit mehr der Gegenentwurf von Cassalette, dem das Image der von Ismaik gesteuerten Marionette anhing. Nach fast einwöchigem Schweigen hat sich der Ex-Präsident nun bezeichnenderweise in einem Interview einem Fan-Blog anvertraut, der traditionell eine ungenierte Pro-Ismaik-Propaganda pflegt. Seinem Freund Hasan hält Cassalette also immer noch eisern die Treue. 

Über alle Entwicklungen beim TSV 1860 informieren wir Sie in unserem News-Ticker

Reisinger, der Ober-Löwe auf Zeit, versucht nun offenbar, einen pragmatischen Kurs durchzusetzen. Im Interview mit dem Münchner Wochenanzeiger erklärte er: „Das Allerwichtigste ist, dass der Verein, seine Profi-Fußballtochter und alle im Umfeld schnellstmöglich die Situation in der Regionalliga Bayern annehmen. Und zwar organisatorisch und mental. Jetzt heißt es, den Kopf hochzunehmen und die anstehenden Aufgaben anzugehen.“ Über seinen Führungsstil sagte Reisinger zudem: „Ich stehe für Dialogbereitschaft. Ich bin ein großer Freund des miteinander Redens. Aber mit mir fährt niemand Schlitten, das kann ich versprechen, und mich schüchtert auch keiner ein.“ Ein Löwe also, der bei Bedarf auch geneigt ist, die Krallen auszufahren. 

Eine erste Kostprobe für seine energische Grundhaltung gab Reisinger mit seinem Aufruf an die ebenso aufgeregte wie gespaltene Fanszene: „Ich appelliere an alle Mitglieder und Fans, bei aller verständlichen Emotionen und sicher auch unterschiedlichen Ansichtigen, sich fair und vernünftig mit Argumenten zu begegnen. Wer Hass schürt, Prügelknaben und Prellböcke präsentiert und gegen Funktionäre unseres Vereins hetzt, kann kein Teil der Löwenfamilie sein.“ Rein sportlich gesehen wird es unter Reisinger einen – auch aus der Not geborenen – Kurswechsel geben: „Mein Ziel ist es, mit Hilfe unserer exzellenten Jugendarbeit den Erwachsenenbereich wieder aufzubauen.“ Reisinger setzt also verstärkt auf die dem Verein abhanden gekommene Bodenständigkeit. Für die erste Saison in der Viertklassigkeit verspricht er: „Sie dürfen fest davon ausgehen, dass die erste Mannschaft in der Regionalliga Bayern ein bayerisches Gesicht haben und von Menschen mit hoher sportlicher Kompetenz trainiert und betreut wird, die sich hundertprozentig mit dem TSV 1860 München identifizieren.“

Löwen-Präsidenten in der Ära Ismaik 

Dieter Schneider 7. Februar 2011 – 31. März 2013 

Hep Monatzeder 1. April – 15. Juli 2013 

Gerhard Mayrhofer 15. Juli 2013 – 19. Juni 2015 

Siegfried Schneider 20. Juni – 15. November 2015 

Peter Cassalette 16. November 2015 – 2. Juni 2017 

Robert Reisinger (kommissarisch) seit 3. Juni 2017

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