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1860-Abwehrboss Jesper Verlaat: Haarreifen von Amazon und das Reizwort „Softie“

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Von: Uli Kellner

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Sunnyboy: Jesper Verlaat sorgt bei 1860 für holländische Lockerheit. Alle
Sunnyboy: Jesper Verlaat sorgt bei 1860 für holländische Lockerheit. © sampics / Stefan Matzke

Einer strahlt auch, wenn es in Windischgarsten regnet: Jesper Verlaat, 26, der neue Abwehrchef der Löwen.

Windischgarsten – „Ich wurde schon in der Schule als Spaßvogel betitelt“, verrät der Sohn des früheren Bundesligaprofis Frank Verlaat (54, u.a. Stuttgart, Bremen). „Klar: Jeder hat mal schlechte Tage, aber Holländer sind generell locker drauf, offen und ehrlich.“

Wie er als Sportler und Mensch tickt – darüber und über vieles mehr äußerte sich der Ex-Mannheimer in einer Presserunde. Verlaat über . . .

 . . . 1860 statt 2. Liga: „Ich hab mir alles angehört, vieles angeguckt, um ein Gefühl zu entwickeln. Das ist ein Tipp, den mir meine Eltern mitgegeben haben. Damit man die Menschen kennenlernt, mit denen man täglich zu tun hat. Am Ende ist es schöner, bei etwas Großem mitzuwirken, als krampfhaft in die 2. Liga zu wechseln, als Nummer zwei oder drei. Es hat sich mit 1860 gut angefühlt, deswegen habe ich keinen Grund gesehen zu pokern.“

TSV 1860: Auch Vater Verlaat war auf dem Sprung zu den Löwen

 . . . Trainer Michael Köllner: „Als ich ihn das erste Mal am Trainingsgelände gesehen habe, da kam er mit dem Fahrrad an, direkt aus dem Spanien-Urlaub, braun gebrannt, hellblaue Badehose, weißes T-Shirt, Flipflops. Mein Gedanke war: Wow, entspannter Typ! Was er erzählt hat, hat Sinn gemacht für mich, seine Philosophie, wie er trainiert, was er fordert von Spielern. Ich wollte einen neuen Reiz haben – und er hat mir das Gefühl gegeben, dass es passt.“

 . . . seinen Vater Frank, der 2004 auch kurzzeitig auf dem Sprung zu 1860 war: „Ich hab gelesen, dass er zu 1860 kommen sollte. Natürlich hab ich ihn gefragt: Was war denn da los? Hat er gesagt: Die konnten mich damals nicht bezahlen (lacht). Ich weiß nicht, ob das stimmt, aber er hat schon auch bestätigt, dass das ein schöner Verein ist. Eine große Rolle hat das aber nicht gespielt für mich.“

 . . . seinen freiwilligen Abstieg aus der 2. Liga: „Im ersten Jahr in Sandhausen habe ich 29 von 34 Spielen gemacht, im zweiten haben sie einen anderen Innenverteidiger geholt – der hat dann gespielt. Wenn man realistisch ist: Wo willst du dann hingehen in der 2. Liga, wenn du ein Jahr nicht gespielt hast? Mir war klar, dass ich einen Schritt zurück machen und mich wieder anbieten muss.“

 . . . Heimatgefühle: „Ich habe nur ein Jahr in Holland gelebt, 1999 glaube ich. Da ist mein Vater von Stuttgart zurück nach Amsterdam gewechselt. Dann wurde dort der Trainer gefeuert und er ist zurück in die Bundesliga, nach Bremen. Emotionale Heimat ist immer da, wo die Familie ist. Im Sommer Portugal, wo meine Eltern leben, die allerdings getrennt sind. Im Winter ist sind es die Niederlande mit Großeltern und Weihnachten.“

„Frauen fragen mich das öfter, auch wo ich meine Haarreifen herbekomme – sie würden die nirgends finden.“

Jesper Verlaat

 . . . Vergleiche mit seinem Vater: „Er war Linksfuß, hat bei Ajax in der Jugend gespielt, mit Johann Cruyff als Trainer. Man sagt, dass ich sehr viel von seinem Laufstil habe, dass sich unsere Bewegungsabläufe ähneln.“

 . . . das Reizwort „Softie“: „Was ich mache, wenn das einer zu mir sagt? Brille runterreißen und drauftreten! Nein, im Ernst. Ich kenne die Geschichte von meinem Vater (und einem Stuttgarter Journalisten, der ihn folgenreich so bezeichnet hatte/Red.). Ich habe mich totgelacht, als ich sie gehört habe.“

 . . . seine Haare: „Die sind mein Markenzeichen. Es gibt eine Geschichte, die muss ich noch mal googeln: Da hat einer seine Haare verloren und damit seine ganze Kraft. Mein Vater hatte glatte Haare und ein Band drin, die Locken habe ich eindeutig von meiner Mutter. Einmal in Kroatien hat mich ein Typ gefragt: Welches Shampoo benutzt du? Frauen fragen mich das öfter, auch wo ich meine Haarreifen herbekomme – sie würden die nirgends finden. Was soll ich da sagen außer die Wahrheit? Die habe ich bei Amazon bestellt.“

 . . . Kumpel Rurik Gislason: „Wir waren Zimmerpartner in Sandhausen, verstehen uns auch privat super. Er hatte mich gerade zu „Schlag den Star“ eingeladen, wo ich aber leider nicht konnte wegen des Trainingslagers. Ich habe ihn auch mal für sieben Tage in Island besucht, da hat er mir alles gezeigt: Jetski fahren, private Wasserfälle – mit Abstand mein bester Urlaub.“

 . . . Gislasons Köllner-Erfahrung: „Rurik hat ja unter ihm in Nürnberg gespielt. Ich glaube, sie haben sich nicht ganz so gut verstanden. Er hat erzählt, dass der Trainer zum Teil andere Methoden hat: Bücher vorlesen und so. Für ihn hat’s nicht so gepasst, zu mir hat er gesagt: Viel Spaß!“

TSV 1860: Verlaat als Linksfuß rechts in der Innenverteidigung?

 . . . seine Spielweise: „Ich war nie so ein Dazwischenhauer, kein Grätscher, der einen Gegner einfach mal wegbricht. In Holland sagt man: Man darf sich nicht den Käse vom Brot klauen lassen. Meinem Vater ist aufgefallen, dass ich mich da gesteigert habe. Mir wurde auch beigebracht: Wenn man eine Gelbe Karte abholt, dann stand man falsch, muss also sein Positionsspiel verbessern. Ansonsten: Ich versuche erst mal, den Laden hinten dichtzuhalten, und wenn vorne mal ein Tor rumkommt, ist das ein schöner Bonuspunkt. Was gibt es Schöneres, als wenn man als Innenverteidiger in der 90. Minute das 1:0 köpft?“

 . . . Interessen neben dem Platz: „Erst mal gab es nach der Schule nur Fußball, Fußball, Fußball. In Bremen habe ich dann ehrenamtlich im Tierheim was gemacht, in Sandhausen Spanisch-Nachhilfe genommen. Was mich wirklich interessieren würde, wäre Lehramt: Englisch, Deutsch und Sport. Leider gibt es das aber nicht als Fernstudium. In Bremen habe ich ein-, zweimal die Woche als Co-Trainer der U 12 mitgeholfen – es macht mir sehr viel Spaß, mit Kindern zu arbeiten. Wenn sich das auf dem Weg anbietet, würde ich das auch hier bei 1860 machen.“

 . . . der Plan, dass er als Rechtsfuß links in der Innenverteidigung spielen soll: „Ich hab schon alles gespielt: Dreierkette, links, Mitte, rechts, das Gleiche in der Viererkette. Es ist Gewöhnungssache. Virgil van Dijk steht auch als Rechtsfuß links, ebenso Sergio Ramos. Das funktioniert ja auch.“

 . . . vegetarische bzw. vegane Ernährung: „In der ersten Corona-Zeit habe ich eine Woche bei Gislason gewohnt. Der hat jeden Abend gekocht: Fisch, Fleisch, Lamm, Hähnchen . . . Das war echt Lebensqualität, aber morgens hab ich mich irgendwann müde gefühlt. Daraufhin hab ich zu Rurik gesagt: Iss du mal weiter Fleisch, ich mach’ erst mal wieder vegetarisch. Vegan habe ich auch mal versucht, aber da war ich nach kurzer Zeit ein Strich. Deswegen: Während der Vorbereitung vegetarisch, während der Saison auch mal ein gutes Stück Fleisch.“ (Uli Kellner)

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