TSV 1860: Endlich was auf der Bank

Köllner happy über seine „Plan-Transfers“: Offensiv hat er jetzt die Qual der Wahl

Nach dem 1:3 der Löwen in Ingolstadt: Sascha Mölders reißt sich frustriert das Trikot  vom Leib.
+
Schluss mit dem Bankfrust: Hinter Mölders & Co. lauern künftig auch andere routinierte Kräfte.

Ex-Löwe Dennis Erdmann erklärt den undankbaren 4. Platz in der Vorsaison mit „zu wenig Input von außen“. Abgehakt. Der neue 1860-Kader bietet mehr Optionen.

Als es ernst wurde beim Saisonfinale in Ingolstadt, ging es Michael Köllner wie einem Kirmesbesucher, der den Teddybären schießen möchte, aber nicht mehr genug Kugeln im Magazin hat. Den Rotsünder Marco Hiller hatte der 1860-Coach früh ersetzen müssen (Ersatztorwart Kretzschmar kam für Willsch), doch später, als 1860 noch zwei Tore brauchte, waren Köllner die Hände gebunden. Tallig (für Lex) und Lang (für Dressel) hatte er bereits gebracht, die letzten beiden Wechseloptionen dann ungenutzt gelassen. Wohl auch mit Blick auf die Bank, auf der neben dem Kreuzband-Rekonvaleszenten Moll drei Talente saßen: Gresler, Knöferl, Djayo. Durchschnittsalter 19 Jahre.

Ganz anders dagegen der FCI. Gegen 1860 kamen: Eckert Ayensa, Caiuby, Röhl und Kotzke. Plakativ ausgedrückt: Ein Serientorschütze (Vorjahresquote inkl. Relegation: 10/26), ein Brasilianer mit der Erfahrung aus 243 Erst- und Zweitligaspielen, ein deutscher U-Nationalspieler und ein Abwehrroutinier mit 1860-Vergangenheit.

Das Ende ist bekannt: Ingolstadt siegte 3:1 und stieg via Relegation in die 2. Liga auf. Den Löwen dagegen blieb nur Frustsaufen – und die Erkenntnis, dass Platz vier auch eine Folge des übersichtlichen Kaders war, über den der hemdsärmelige Aufstiegskampf-Veteran Dennis Erdmann, 30, urteilte: „Wir waren mit dem Kopf am Ende nicht da. Und wir hatten zu wenig Input von außen – das muss man ehrlicherweise sagen.“ Das bittere Fazit des einzigen Torschützen beim Relegations-Showdown: „Vierter – das ist wie kurz vor Klo in die Hose machen.“

Vierter – das ist wie kurz vor Klo in die Hose machen.

Ex-Löwe Dennis Erdmann über den verpassten Aufstieg.

Obwohl die Kommandogeber beim Ziel für die neuen Saison mauern, ist davon auszugehen, dass sie keinen gesteigerten Wert auf eine Wiederholung legen. Diesmal soll im Aufstiegskampf nichts daneben gehen – auch deswegen hat Sportchef Günther Gorenzel weitgehend auf Urlaub verzichtet und seinem Trainer pünktlich zum Vorbereitungsstart drei gebrauchsfertige Transfers hingestellt. Yannick Deichmann (26, Lübeck) – ein torgefährlicher Zehner im besten Alter. Marcel Bär (29, Braunschweig) – ein zweiter Routinier für den Angriff. Schließlich noch Kevin Goden (22, Nürnberg) – ein Pfeil für die rechte Außenbahn.

Was das Trio eint: Alle drei sind flexibel einsetzbar – und das müssen sie auch sein, denn die Löwen wollen künftig noch variabler auftreten. Köllner kündigte an: „Es gilt, wieder eine neue Geschichte zu schreiben. Wir wollen perfekt vorbereitet sein, um wieder einen Schritt nach vorne zu machen. Jetzt gilt es, eine geile Mannschaft zu formen.“

Dass die Löwen endlich mal was auf der Bank haben, freut den Coach, stellt ihn aber auch vor neue Probleme. Speziell in der Offensive dürfte es künftig Härtefälle geben. Und je nach System sind es unterschiedliche Spieler, die sich ebendort wiederfinden könnten, wo die Löwen künftig stark aufgestellt sein wollen – auf der Bank. Eine Startelf-Prognose, ausgehend von den bevorzugten Spielsystemen 4-Raute-2 bzw. 4-1-4-1.

Viererkette aus dem Vorjahr: Willsch, Salger, Belkahia, Steinhart. Davor: Moll als Sechser gesetzt, Dressel und Neudecker auf den Achterpositionen, Deichmann hinter dem Sturmduo Mölders/Biankadi. Ergäbe folgende Bank (in alphabetischer Reihenfolge): Bär, Greilinger (derzeit noch verletzt), Lex, Staude, Tallig. Auch für Köllners Lieblingsspieler, den Defensivallrounder Daniel Wein, dürfte es künftig noch schwerer werden, einen Platz in der Startelf zu ergattern. Die Talente Cocic, Djayo, Gresler, Knöferl, Lang, Linsbichler (sofern mal fit), Mannhardt und Wicht müssen sich wohl erst mal ganz hinten anstellen. Schon jetzt sicher: An den ersten beiden Spieltagen wird Tom Kretzschmar, 22, für den rotgesperrten Marco Hiller zwischen den Pfosten stehen, György Szekely, 26, wäre dann zweiter Torwart.

Und noch eine Stammkraft wird den Löwen auf unbestimmte Zeit fehlen: der Dauer(b)renner Marius Willsch. Bezeichnend: Eine Schambeinentzündung setzt den Rechtsverteidiger außer Gefecht. Auch wegen der begrenzten Personaldecke hat Willsch im Saisonendspurt seine Gesundheit geopfert. Der Vorteil gegenüber letzter Saison: In Kevin Goden gibt es nun einen Spezialisten im Kader, der sogar schon in der Bundesliga aufgelaufen ist.

Köllner jedenfalls wirkt glücklich, dass er künftig personell aus dem Vollen schöpfen kann. Sein Urteil über den neuen 29-Mann-Kader: „Alle Plan-Transfers sind da. Ich bin sehr zufrieden, wie gearbeitet wurde. Wir haben das Bestmögliche rausgeholt.“ Wichtig auch für ihn: Das nur punktuelle Feilen am Kader hat dazu geführt, dass der gute Teamspirit Giesing offenbar nicht verlassen hat. „Die Kabine ist unser Trumpf“, sagt Köllner und verspricht: „Wir werden wieder eine charakterstarke Truppe sein.“

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Kommentare