TSV 1860: Woche der Wahrheit

Solange die Orgel spielt... Wie 1860 doch noch mal oben rankommen könnte

1860-Coach Michael Köllner macht die Daumen-hoch-Geste.
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Rauf in die 2. Liga: Nach wie vor das große Ziel von 1860-Coach Michael Köllner.

Unabhängig vom Ausgang des Montagabendspiels (Türkgücü vs. Rostock) rechnen sich die Löwen noch was aus im Rennen um den Aufstieg. Grundvoraussetzung dafür: ein Sieg am Mittwoch in Lübeck - und ab sofort keine Niederlage mehr. Gut für 1860: Die Teams an der Tabellenspitze spielen noch gegeneinander und nehmen sich die Punkte weg. Im Idealfall winkt ein Showdown in Ingolstadt am letzten Spieltag.

  • Noch 33 Punkte sind zu vergeben - Verlieren ist ab sofort verboten.
  • Topwerte: 1860 stellt den besten Angriff, die zweitbeste Defensive, den besten Torjäger und den drittbesten Torwart.
  • Köllner weiß, wie‘s geht: Er hat Nürnberg als Abstiegskandidat übernommen - und in die Bundesliga geführt.

Die drei großen Lügen von Fußballtrainern im Saisonendspurt (frei nach SZ-Magazin): 1. „Die Tabelle ist mir egal, ich schau gar nicht drauf.“ 2. „Mit einer Serie ist noch alles möglich.“ 3. „Wir sind bislang im Soll, was unsere Saisonziele angeht.“ Im Fall des TSV 1860 müsste es wahrheitsgemäß so heißen: Es ist noch alles drin, trotz des Rostocker Sieges im Montagabendspiel bei Türkgücü (3:0) – wenn die Löwen ihre nächsten beiden Spiele gewinnen: die Nachholpartie am Mittwoch in Lübeck – und den Montagabend-Knaller gegen Tabellenführer Dresden. Danach würde auch Michael Köllner wieder auf die Tabelle schauen, nachdem der 1860-Coach im Anschluss an die Duisburg-Pleite erklärt hatte: „Das Thema Aufstieg hat mich vorher nicht interessiert – und interessiert mich jetzt auch nicht.“

Dank der 4:0-Gala in Halle, einem verpassten Kantersieg, glimmt bei 1860 wieder das Licht der Hoffnung. Unabhängig vom gestrigen Ergebnis: Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Löwen oben noch mal rankommen. 33 Punkte sind noch zu vergeben – und auch die Teams vorne haben noch schwere Spiele und nehmen sich gegenseitig die Punkte weg (5. Mai: Rostock vs. Ingolstadt). Bei 1860 dagegen heißt es ab sofort: Verlieren verboten! Grundvoraussetzung ist allerdings, dass das Köllner-Team punktemäßig einen Sprint anzieht. Ohne einen Sieg in Lübeck kann der Rechenschieber schon vor dem Topspiel gegen Dresden wieder eingemottet werden.

Kein Stürmer trifft häufiger: Sascha Mölders erzielte beim 4:0 in Halle sein 16. Saisontor.

Immerhin: Es gibt ein paar Zahlen, die Mut machen vor dieser Woche der Wahrheit. 1860 stellt weiterhin den besten Sturm (50 Tore, wie Dresden), die zweitbeste Abwehr (25 Gegentore, nur Dynamo kassiert weniger), den besten Drittliga-Torjäger (Sascha Mölders, 16) und den drittbesten Torwart (so stuft das Fachblatt „kicker“ Marco Hiller ein, der schon neunmal zu null gehalten hat). Ein dickes Plus ist zudem die Erst- und Zweitligaerfahrung der halben Stammelf: Salger, Biankadi, Neudecker, Mölders, Lex und jetzt auch Staude.

Dazu kommt ein Trainer, der sich auskennt mit Grenzerfahrungen: In Nürnberg übernahm Michael Köllner im März 2017 einen bedrohten Zweitligisten (Platz 11) und führte ihn ein Jahr und zwei Monate später ins Oberhaus, was kein Clubberer bei Köllners Amtsantritt für möglich gehalten hätte. Im Schlussspurt legte der Oberpfälzer noch eine kleine Siegesserie hin (fünf Spiele, 13 Punkte) – bis die Sensation einen Spieltag vor Schluss perfekt war.

Und wieder geht es am letzten Spieltag gegen Ingolstadt...

Köllners Problem bei 1860: Egal wie widrig die Umstände sind (Durchschnittsetat, keine Fans, Moll verletzt) – das Umfeld erwartet nicht mehr, aber auch nicht weniger als Spannung bis zum letzten Spieltag. Vorige Saison ist das nach einem Ergebnis-Wellenbad gerade noch gelungen: Wenn alle mitgespielt hätten, wäre beim Saisonfinale gegen Ingolstadt (0:2) die Relegation möglich gewesen. Und auch dieses Jahr wartet am 38. Spieltag eine reizvolle Konstellation: Gegner ist wieder der FC Ingolstadt, diesmal auswärts. Hätte der FCI nicht gerade den Turbo gezündet (sieben Spiele, sechs Siege) – es könnte auch eine Option sein, sich bis auf drei Punkte ranzupirschen und dem oberbayerischen Rivalen auf den letzten Metern den nächsten Knockout zu versetzen (nach Ingolstadts traumatischem Scheitern in der Relegation gegen Nürnberg).

Wie heiß Köllner noch immer darauf ist, die Aufstiegschance zu wahren, zeigt seine Reaktion auf das 4:0 von Halle. Die Regel ist, dass er nach Siegen vor guter Laune sprüht und daran auch jeden teilhaben lässt. Diesmal ist aus dem HFC-Stadion Folgendes überliefert: schmallippiger Pflichtkommentar zum Spiel („stabiler 4:0-Auswärtssieg“) – die weitere Medienarbeit überließ Köllner dem Sportchef Günther Gorenzel. Es heißt, er sei immer noch sauer gewesen, dass sich 1860 in Duisburg (0:1) um eine noch bessere Ausgangslage gebracht hat. Wer so tickt, der gibt nicht auf, bis es wie im Casino heißt: Rien ne va plus. Oder wie es der bekennende Christ Köllner ausdrücken würde: Die Messe ist erst aus, wenn die Orgel aufhört zu spielen.

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