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Die große Köllner-Show: „Das sind keine irrsinnigen Forderungen“

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Von: Uli Kellner

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Michael Köllner posiert im Landtag neben Hep Monatzeder und Martin Hagen.
Im Fußball alle tiefblau: Michael Köllner zwischen dem Grünen Hep Monatzeder (l.) und Bayerns FDP-Chef Martin Hagen. © ulk

Launig beim Plaudern, deutlich in der Sache: Bei seinem Besuch im Landtag erklärt Michael Köllner, warum er einen „aggressiveren Tonfall“ eingeschlagen hat.

Wirkt so ein Trainer, der auf dem Absprung ist? Michael Köllner live im Landtag – das war nicht nur eine One-Man-Show, die die anwesenden Politiker fesselte. Vom Grünen Hep Monatzeder, dem Ex-Funktionär der Blauen, bis zu Inge Aures von der SPD, Köllners im Zorn verlassener Partei („Ich war 35 Jahre Mitglied und bin dann wegen Karl Lauterbach ausgetreten“) – alle hingen sie der Rampensau von der Grünwalder Straße zwei Stunden lang an den Lippen. Und nein, Köllner erweckte zu keiner Phase des „Löwen-Stammtischs“ den Eindruck, als sei er amtsmüde, nicht mehr motiviert oder gar unzufrieden mit dem von ihm in Auftrag gegebenen Personalumbau, der ein einziges Ziel hat: den Aufstieg 2023.

„Es sind keine irrsinnigen Forderungen, die ich stelle, aber du musst schon Druck machen“, sagte der Coach zur Diskrepanz, einerseits nach Verstärkungen zu rufen, andererseits aber die eigene Zukunft offen zu lassen. Was Köllner jetzt will, nachdem er fünf Wunschspieler bekommen hat, deutete er am Donnerstag an. „Der erste Schritt ist gemacht, aber so ein Umbau umfasst ja alle Bereiche – auch im Trainerteam müssen wir uns neu aufstellen.“ Nächste Woche, so hofft er, wird geklärt, wer ihm künftig an der Seitenlinie assistiert, wer das Athletiktraining übernimmt und wie es hinsichtlich Scouting und Videoanalyse weitergeht.

1860 baut um: Nach dem Team ist das Trainerteam dran

„Ich finde nicht, dass man jemanden hinhält“, sagte Köllner, weder den Präsidenten Robert Reisinger („Er beeinflusst meinen Schlaf nicht“) noch den Sportchef Günther Gorenzel. Aber, sagte er sinngemäß: Er kenne seine Pappenheimer – also habe er sich dazu entschlossen, in anderer Tonlage Veränderungen anzumahnen. „Aggressiver als die Jahre vorher“, gibt er zu: „Aber nur, weil’s in den leisen oder mittellauten Tönen nicht so angekommen ist. Wie zu Hause bei meiner Frau.“ Womit er dem ernsten Thema gleich wieder die Schärfe nahm.

Fynn Lakenmacher posiert neben 1860-Sportchef Günther Gorenzel.
Neue Allzweckwaffe: Von Haaland-Double Fynn Lakenmacher erhofft sich 1860 einiges. Links: Sportchef Günther Gorenzel. © TSV 1860

Und es wirkt ja, ganz offensichtlich. Köllner selbst spricht von Transfers im Eiltempo („Aktuell sind wir perfekt in der Zeitschiene“). Fünf Neue standen bis zum Abend im Landtag fest, dazu sei geplant, so der Trainer, drei Talente aus der eigenen Jugend hochzuziehen, den Innenverteidiger Michael Glück, den zentralen Mittelfeldspieler Marius Wörl (beide 18) und den 17-jährigen Rechtsaußen Devin Sür.

Ganz besonders scheint sich Köllner aber auf seine bisherigen Offensivverpflichtungen zu freuen. „Ich glaube, dass Albion Vrenezi ein Publikumsliebling werden kann, wenn wir’s gut hinbekommen“, sagte er über den 28-jährigen Außenstürmer, der von Türkgücü kam. Und was Fynn Lakenmacher, 22, angeht, das optische Haaland-Double aus Havelse: „Das wird ein ganz wichtiger Spieler für uns werden“, so Köllner über den 1,88-m-Hünen. „Er hat in der Jugend in der Innenverteidigung gespielt. Noch weiß er nicht ganz genau, was ich mit ihm vorhabe, aber ich denke, man kann ihn zu einer Allzweckwaffe umfunktionieren. Darauf muss er sich einstellen, der junge Mann.“

Wir müssen aus einer gewissen Kraft in die 2. Liga hochgehen, uns dort satteln – und auf Sicht die 1. Liga anpeilen.

Michael Köllner über seine Ziele mit dem TSV 1860.

Des Weiteren kündigte der Trainer an, dass wohl drei weitere Profis 1860 verlassen werden: Dennis Dressel, Richard Neudecker und Merv Biankadi. Über Dressel, 23, sagte Köllner: „Er will etwas Neues machen. Er hatte von klein auf eine Superzeit bei 1860. Aber dann macht er eben was anderes – Punkt. Er wird mit dem Verein immer verbunden bleiben.“ Laut Bild zieht es das Eigengewächs (seit 2007 im Verein) nach Rostock. Neudecker hingegen bat den Trainer am Freitag um ein Treffen. Eine Kehrtwende ist aber eher unwahrscheinlich, nachdem die Giesinger Löwen den Braunschweiger Löwen Martin Kobylanski für die Spielmacherrolle an Land gezogen haben. Biankadi schließlich: Köllner hält einiges von der Leihgabe aus Heidenheim (Vertrag bis 2023), sagte aber mit leichtem Bedauern: „Es ist nun mal eine Grundsatzentscheidung, dass unser Verein keine Ablösesummen bezahlt.“

Als der Ehrengast nach zwei Stunden die holzvertäfelte Stube des Landtags verließ, hatte er zwei Bierkrüge in der Hand. Ein Geschenk der einladenden FDP-Fraktion. Prognose: Die Krüge werden nicht in einem Umzugskarton landen, sondern an einem Harlachinger Esstisch. Denn auch das verriet Köllner: „Außer München und Nürnberg gibt es nicht viele Städte in Deutschland, die mich reizen.“ Den Club hat er bereit nach oben geführt – über 1860 sagte er: „Wir müssen aus einer gewissen Kraft in die 2. Liga hochgehen, uns dort satteln – und auf Sicht die 1. Liga anpeilen.“

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