TSV 1860: Saisonstart geglückt - wie geplant

Köllners Etappenplan: Mit Rückenwind in die zweite Phase

Die 1860-Profis feiern den Sieg im Elfmeterschießen gegen Darmstadt.
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Gefühlsexplosion: Die 1860-Profis nach dem erfolgreichen Pokalkrimi gegen Darmstadt.

Michael Köllner will mit 1860 hoch hinaus und wendet dabei einen Psychotrick an: Er lässt seine Spieler Zwischenziele definieren. Etappe eins lief nach Wunsch.

München - 38 Drittligaspiele, die eine oder andere Bonuspartie im DFB-Pokal* – und dazu der Totopokal, der für den TSV 1860 morgen mit einer 350-km-Reise zum unterfränkischen Kreisligisten Birkenfeld beginnt. Läuft alles nach Plan, werden die Löwen bis Mai 2022 um die 45 Pflichtspiele in den Beinen haben. Profis, die täglich trainieren, halten das aus – körperlich. Schwieriger ist so eine Marathon-Saison für die Köpfe.

1860 München: Start in 3. Liga und Pokal geglückt - jetzt kommt die nächste Etappe

Im Oberösterreich-Camp hatte Michael Köllner den Vergleich mit einer Bergexpedition gezogen. Sinngemäß sagte der 1860-Coach: Einen Achttausender zu bezwingen ist möglich, aber nur wenn man sich den geplanten Aufstieg in überschaubare Etappen einteilt. Aufbruch im Basislager, erster Anstieg, zweiter Anstieg – ungefähr so.

Bleibt man im Bild, haben die Löwen am Freitag ihre erste Etappe beendet. Köllner hatte seine Mannschaft vor der Saison Zwischenziele definieren lassen. Kleingruppenarbeit. Jeweils ein paar Profis erarbeiten überschaubare Bündel an Spielen, darüber wird in der Kabine abgestimmt, das Ziel auf ein Plakat gemalt; jeder Spieler unterschreibt – und am Ende der Wegstrecke wird Bilanz gezogen. „Wir hatten uns das vorgenommen, dass wir in der ersten Phase im Pokal weiterkommen“, erklärte Köllner nach dem erfolgreichen Elfmeterkrimi gegen Zweitligist Darmstadt (6:5 n.E.). Er wirkte zufrieden mit dem Erreichten – und spendierte eine üppige Verschnaufpause: drei freie Tage.

TSV 1860: Kleingruppenarbeit mit Flipchart - am Ende unterschreibt jeder Spieler

Was genau auf so einem Etappenplakat steht, ist natürlich Geheimsache. Denkbar: Heimsieg gegen Würzburg zum Start (1:0 – check), auswärts in Wiesbaden nicht verlieren (0:0 – check). Und natürlich: Darmstadt, einen „für uns machbaren Gegner“ (Köllner), aus dem Pokal werfen. Dritte Aufgabe, dritter Haken, was zwangsläufig zur Frage führt: Welche Ziele werden als nächstes definiert? Oder erst mal: Welche Spiele umfasst sie überhaupt, die zweite Etappe?

Wahrscheinlich ist, dass folgende Ziele auf dem Flipchart landen: Souveräner Sieg beim neuntklassigen Totopokal-Gegner Birkenfeld. Am Samstag natürlich: Türkgücü*, den frechen Nebenbuhler, in die Schranken weisen. Und schließlich: Ungeschlagen aus der nachfolgenden Englischen Woche kommen, die erst die Auswärts-Bewährungsprobe in Kaiserslautern bringt (21. August) und drei Tage später das Heimspiel gegen den Geheimfavoriten Viktoria Köln. Einigen sich die Profis auf eine offensive Zielsetzung, dürften sieben Punkte aus diesen drei Ligaspielen angestrebt werden. Fünf Punkte wären die defensivere Zielsetzung, bei der ebenfalls garantiert wäre, dass die neue Unbesiegt-Serie hält (wichtig für Köllner).

Hiller freut sich auf Türkgücü: „Derby ist immer geil, wieder daheim“

Marco Hiller wirkte zufrieden und fokussiert, als er in der Nacht zum Samstag das Erreichen des ersten Etappenziels kommentierte. „Ein guter Saisonstart war unser Ziel“, verriet der Pokalheld: „Das hat geklappt. Das war ein erster kleiner Erfolg. Und jetzt gilt es weiterzumachen.“ Über die Station Birkenfeld (morgen, 18.30 Uhr, Löwen-TV) sagte er: „Darf man nicht unterschätzen. Die werden alles reinhauen. Da müssen wir unsere Hausaufgaben erledigen.“ Wörtlich gilt das auch für Samstag und das Kräftemessen mit Türkgücü. Hiller: „Derby ist immer geil, wieder daheim – da holen wir hoffentlich den nächsten Dreier.“

Für Köllner steht fest, dass die Löwen nur mit solchen Mentaltricks durch eine lange Saison kommen. „Wir versuchen, einen Berg zu besteigen“, sagte er in Windischgarsten: „Wir haben hohe Ziele – und die wollen wir am Ende erreichen. In meiner ersten Saison durften wir an den Aufstieg hinriechen. Im zweiten Jahr waren wir wieder knapp dran. Irgendwann will ich mit 1860 aufsteigen.“

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