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Eine Mannschaft, zwei Gesichter

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Von: Uli Kellner

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Die Anzeigetafel im Grünwalder Stadion zeigt die 1:0-Führung des TSV 1860 gegen Schalke 04.
Ein Ergebnis als Statement: Wer Schalke schlägt, sollte in der 3. Liga nicht auf Platz 16 stehen. © Angelika Warmuth / dpa

In der Liga sieglos seit sieben Spielen, im DFB-Pokal eine Show. Am Beispiel 1860 zeigt sich, was Druck im Fußball bewirken kann. Ein Kommentar von Uli Kellner.

Am Tag danach war Michael Köllner zu Gast bei Sky. In der Nachrichtensendung am Mittag saß der 1860-Trainer vor einer Nachbildung des DFB-Pokals – und erzählte im Gespräch mit Moderatorin Amina Ndao, welche Gedanken ihm am magischen Giesinger Pokalabend durch den Kopf geschossen sind. „Man ist froh als Drittligist, wenn man den Zweitligisten irgendwie schlägt“, sagte er bescheiden und fügte mit Blick auf die Visionen seines Vereins hinzu: „Man hat einen Eindruck erhalten, was hier möglich ist, wenn es top läuft.“

Gibt es zwei Profiteams, mit 1860-Wappen auf der Brust?

In den K.o.-Wettbewerben (Toto- und DFB-Pokal) läuft es bekanntlich schon länger top für Köllners Löwen – in der Liga ist zum Leidwesen der Fans das Gegenteil der Fall. Die Mannschaft reihte zuletzt so viele Unentschieden aneinander, dass es in der Tabelle ein böses Erwachen gab – auf Tabellenplatz 16. Wer Lex, Mölders und Co. beim verdienten Sieg gegen Schalke gesehen hat, fragt sich: Gibt es womöglich zwei Profiteams, die mit dem 1860-Wappen auf der Brust auflaufen? Die Antwort lautet: Ja, denn die Pokal- und die Ligalöwen unterscheiden sich in einem ganz zentralen Punkt. In dem einen Wettbewerb kann Köllners Team nur gewinnen, im anderen nur verlieren. Selbst auferlegter Druck lähmt die Beine im Ligabetrieb. Dabei ist die Mannschaft – siehe Dienstag – kein Deut schlechter geworden, seit sie im Mai um ein Haar in die Aufstiegsrelegation eingezogen wäre.

Es wäre ein Signal, das Pokal-Extrageld in die Entwicklung dieser Mannschaft zu stecken

Was der Sieg in der zweiten Pokalrunde wert ist, wird man daher nicht bei der Auslosung am Sonntag sehen, sondern tags zuvor, wenn es gilt, auch gegen Freiburg II die Tugenden vom Dienstag in die Waagschale zu werfen. Noch ist in der engen 3. Liga nichts verloren für 1860, doch schon ein weiteres 1:1 am Samstag könnte die Aufstiegshoffnung empfindlich trüben. Aber, um das Positive herauszustreichen: Vielleicht hat es ja genau so ein Erweckungserlebnis gebraucht, um sich den Schwung und das Selbstvertrauen für eine weitere Aufholjagd bis zum 38. Spieltag zu holen. Die Zutaten sind vorhanden: ein Kollektiv, das aufopferungsvoll kämpfen kann, großartige Fans auf den Rängen und Spieler, die auch gegen höherklassige Gegner den Unterschied machen können: Lex, Mölders, Dressel, Hiller . . . Ein Signal nach innen und außen wäre es, das Pokal-Extrageld in die Entwicklung dieser hoffnungsvollen Mannschaft zu stecken. Damit magische Nächte wie am Dienstag keine Ausnahme sind, sondern die Regel werden.

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