Schimpf-Tirade mit Nachspiel?

Sascha Mölders: DFB prüft „Spacko“-Interview

1860-Kapitän Sascha Mölders lässt seinen Emotionen freien Lauf.
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In Rage geredet: Sascha Mölders im Interview bei MagentaSport, dem ein Wortgefecht mit Maxi Welzmüller vorausging.

Derby-Folklore oder ein Fall für die DFB-Richter? Der Kontrollausschuss prüft die Tirade von Sascha Mölders (TSV 1860) gegen Maxi Welzmüller vom FC Bayern. Eine Sperre ist aber nicht zu erwarten.

Seit dem 32. Spieltag schleppt Sascha Mölders, 36, acht Gelbe Karten mit sich herum. Beim 2:0-Derbysieg gegen Türkgücü wurde der Löwen-Kapitän zum vorerst letzten Mal verwarnt – und es ist wohl seiner Erfahrung und Cleverness geschuldet, dass er sich seit diesem 17. April nichts mehr hat zuschulden kommen lassen.

Kein taktisches Foul, kein übertriebenes Gemecker beim Schiedsrichter. Eine weitere Mölders-Sperre wäre für 1860 ein Horror, schließlich steht ja das wichtige Spiel in Ingolstadt an – und danach soll die Saison ja in die Verlängerung gehen. Eine mögliche Sperre, so bestätigte es gestern der DFB, würde auch in der Relegation gelten.

Bei Stadtderby zwischen TSV 1860 und FC Bayern 2: Sascha Mölders motzte gegen Maxi Welzmüller

Mölders muss also weiterhin aufpassen – und es ist eine Ironie des Schicksals, dass nun ausgerechnet ihm, dem bekennenden Medienmuffel, Ungemach von anderer Seite droht. Stichwort: „Spacko“-Affäre. Zur Erinnerung: Ehe Mölders am Sonntag sein Pflichtinterview bei MagentaSport gab, wurden die Zuschauer Ohrenzeugen, wie der Löwen-Kapitän erst mal noch Bayern-Widersacher Maxi Welzmüller einnordete.

Besagtes Schimpfwort beendete die Mölders-Tirade, die sich an einer unterschiedlichen Auffassung von Zweikampf-Standhaftigkeit entzündet hatte. Mölders hatte das letzte Wort, als er Welzmüller eine Zukunft in der Regionalliga wünschte, doch wenn es ganz blöd läuft, könnte auch für den Löwen-Kapitän die Drittligasaison früher als geplant enden.

Sascha Mölders (TSV 1860) gegen Maxi Welzmüller (FC Bayern 2): Videostudium des DFB

Unsere Redaktion weiß aus DFB-Kreisen: Der Kontrollausschuss schaut sich besagtes Video an, wie er das mit allem fraglichen Material tut, das viral gegangen ist. Wichtig für 1860 und Mölders: Das bloße Videostudium seitens des DFB ist (noch) nicht als Ermittlung einzustufen, lediglich als routinemäßige Prüfung – mit offenem Ausgang. Unangenehm wird es für Mölders erst, wenn sich der DFB dazu entschließt, eine Stellungnahme der beiden Streithähne anzufordern.

Entscheidendes Detail: Der DFB wird in solchen Fällen von sich aus aktiv und nicht etwa, weil er von interessierter Seite darauf hingewiesen wird (Tenor: So weit kommt’s noch). Die meisten Fälle, in denen Spieler aufgrund von Interviews gesperrt wurden, betrafen in der Vergangenheit Schiedsrichterbeleidigungen. Dass sich Spieler gegenseitig beleidigen, ist keine Seltenheit auf Fußballplätzen – es würde zu einer Flut an Sperren führen, wenn der DFB nach jedem dokumentierten „Dirty Talk“ auf den Plan gerufen würde.

Showdown des TSV 1860 München beim FC Ingolstadt: Gelbe Gefahr und einige Angeschlagene

Unabhängig davon droht den Löwen am Samstag der Ausfall wichtiger Stützen: Semi Belkahia handelte sich im Derby eine Gelbsperre ein, Marius Willsch musste verletzt ausgewechselt werden (die Leiste), Fabian Greilinger humpelte bereits auf Krücken zum Stadion; eine Trainingsverletzung, noch ohne offizielle Diagnose.

Im schlimmsten Fall könnten den Löwen in Ingolstadt vier Spieler fehlen. Dass Mölders gegen Derby mit bandagiertem Knie auflief, muss offenbar keinen Fan sorgen (reine Vorsichtsmaßnahme) – mehr schon der Blick auf die Sünderkartei. Bitter für 1860: Auch der formstarke Richard Neudecker muss am Samstag aufpassen. Er steht seit dem Derby bei neun Gelben Karten.

Handelt er sich in Ingolstadt eine Sperre ein, hätte das nur auf den zweiten Blick etwas Gutes – es würde bedeuten, dass die Löwen die Relegation erreicht haben. Andernfalls geht es für Neudecker ab der neuen Saison wieder bei null Gelben Karten los.

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